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Facebook teilt gegen Verlage aus: „Menschen kommen nicht wegen Nachrichten zu uns“

Campbell Brown, Facebooks Head of Partnerships, informiert Publisher über Veränderungen im Newsfeed
Campbell Brown, Facebooks Head of Partnerships, informiert Publisher über Veränderungen im Newsfeed

Das Verhältnis mit den Medien ist unwiederbringlich zerrüttet, nun lässt Facebook die Muskeln spielen. Nachdem das weltgrößte Social Network zu Jahresbeginn die Sichtbarkeit von Verlagsinhalten im Newfeed bereits algorithmisch herunterstufte, folgt nun die verbale Watsche. Auf einer Konferenz des Techportals re/code erklärte die Managerin für Medienpartnerschaften des Internetkonzerns: "Menschen kommen nicht wegen der Nachrichten zu Facebook."

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Die Glacéhandschuhe sind abgestreift und durch harte Bandagen ersetzt worden: Facebook und die Medien – das war einmal eine Zweckgemeinschaft. Anno 2018 ist jedoch klar: Für das weltgrößte Social Network hat sie ihren Zweck erfüllt – ab sofort ist bereits der Anschein  zu viel.

Entsprechend brachial hat Konzernchef Mark Zuckerberg die Medienbranche in diesem Jahr entfreundet. Zu Jahresbeginn überraschte der 33-jährige Familienvater mit der  Anpassung des Newsfeed. So erklärte  Zuckerberg, dass Nutzer künftig mehr Beiträge von Freunden und der Familie statt von Medien und Unternehmen zu sehen bekommen. In anderen Worten: Der Algorithmus stufte die Sichtbarkeit von Verlagsinhalten im Newsfeed herunter.

„Mein Job besteht nicht darin, Verlage glücklich zu machen“

Und mehr noch:  Facebook unterzieht die von Verlagen geposteten Inhalte auch noch einem neuen Glaubwürdigkeitstest – der sich in der Praxis jedoch als Pseudoumfrage entpuppte, die lediglich die Erfahrungswerte und Vorurteile eines Nutzers bestätigt. Dass das nach dem furios gescheiterten Artikelformat Instant Articles ohnehin zerrüttete Verhältnis zur Verlagsbranche inzwischen auch keiner weiteren Pflege mehr bedarf, machte Facebooks Medienmanagerin Campbell Brown gestern auf einer Konferenz des Techportals re/code deutlich.

Nonchalant bemerkte die 49-jährige Ex-Moderatorin von NBC zur Kritik aus Medienkreisen über die jüngsten Änderungen, dass Facebook kein Probleme damit habe, wenn sich Verlage von Facebook zurückziehen. „Ich bin nicht hier, um jemand davon zu überzeugen, auf Facebook zu sein“, erklärte Brown.

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„Mein Job besteht nicht darin, Verlage glücklich zu machen“, merkte die Facebook-Managerin gleichgültig an. Der Grund: „Menschen kommen nicht wegen der Nachrichten zu Facebook.“ Unverhüllter hat der Internet-Gigant seine Ignoranz und Geringschätzung gegenüber den Medienanbietern nie zum Ausdruck gebracht.

Facebook und Medien: Szenen einer gescheiterten Zweckehe

Um dann die Muskeln spielen zu lassen und das Kräfteverhältnis zwischen dem 500 Milliarden Dollar schweren Internetkoloss und der angeschlagenen Medienbranche klarzustellen: „Wenn Publisher den Eindruck haben, dass Facebook nicht die Plattform für sie ist, dann sollten sie nicht auf Facebook sein“, erklärte Brown in Richtung von Verlagen.

Genau dahin scheint der Trend zu gehen, wie die größte brasilianische Tageszeitung Folha de Sao Paulo vormachte, die sich vergangene Woche aus dem Social Network verabschiedete. Seit vergangenem Donnerstag postet Folha de Sao Paulo keine eigenen Zeitungsinhalte mehr auf dem sozialen Netzwerk. Damit reagiert das Blatt auf eine jüngste Entscheidung des Internetkonzerns, in Zukunft in seinem Newsfeed mehr Beiträge von Freunden und Verwandten der Nutzer und weniger von Medien und Unternehmen anzuzeigen.

Facebook und die Medien – es sind Szenen einer gescheiterten Zweckehe, die nun beim Scheidungsanwalt gelandet ist.

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