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„Diät-, Schmink- und Mode-Terror“: Heftige Proteste vor dem Start der neuen „Germany’s Next Topmodel“-Staffel

Schülerinnen protestieren gegen „Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum“
Schülerinnen protestieren gegen "Germany's Next Topmodel by Heidi Klum"

Kritik an der ProSieben-Show "Germany's Next Topmodel" ist nicht neu. Doch in diesem Jahr scheint sich ein besonders starker Protest zu formieren: Schülerinnen singen, dass sie nicht "Heidis Girls" sein wollen und gleichzeitig appelliert eine Initiative für Medienkompetenz unter Beteiligung von ARD und ZDF an Eltern, ihre Kinder mit Castingshows wie "GNTM" nicht alleine zu lassen.

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„In Zeiten von #Metoo, Trump-Sexismus und Pay-Gap brauchen wir gegenseitigen Support, keine ‚Zickenkriege‘, von denen nur Heidi Klum und Pro7 profitieren. Die sollen uns endlich eine Sendung geben, die uns stark macht!“, sagte eine Schülerin im Gespräch mit Pinkstinks, einer Organisation, die gegen Sexismus kämpft und sich für Gleichberechtigung einsetzt.

Anlass für die Gespräche an einer Hamburger Schule war der Start der 13. Staffel von Next Topmodel by Heidi Klum“ am Donnerstagabend. Im Anschluss hat Pinkstinks gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern den im Herbst 2017 von den „Vulvarines“ gestarteten Hashtag #NotHeidisGirl als Anlass genommen, ihren Protest gegen den Druck der Sendung zu zeigen. In einem Musikvideo singen sie „I’m not Heidi‘s girl!“ und „I can be anything in this world“ (dt.: Ich kann in dieser Welt alles sein).

Es ist nicht das erste Mal, dass die ProSieben-Castingshow öffentlich angeklagt wird. Seit Jahren warnen Kritiker vor dem Format und werfen Heidi Klum und damit auch dem Privatsender vor, fragwürdige und potenzielle gefährliche Frauen- und Körperbilder zu vermitteln. Kurz vor dem Finale der 10. „Germany’s Next Topmodel“-Staffel im Jahr 2015 schlug beispielsweise eine Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) hohe Wellen: 70 von 241 bereits an einer Essstörung erkrankte Patientinnen, die für die Untersuchung befragt wurden, gaben an, dass die Sendung einen sehr starken Einfluss auf ihre Erkrankung gehabt habe. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) hatte sich daraufhin und nach mehreren Zuschauerbeschwerden mit mehreren Folgen der jüngsten Staffel befasst, kam dabei jedoch zu dem Schluss, „dass diese gemäß den Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) nicht entwicklungsbeeinträchtigend für Kinder und Jugendliche sind“.

Doch in diesem Jahr scheint der Protest gegen das Format eine neue Dimension zu erreichen. Denn nicht nur Pinkstinks kritisiert „Germany’s Next Topmodel“, auch die Initiative für Medienkompetenz „Schau Hin!“ spricht eine Warnung aus. Die gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der beiden öffentlich-rechtlichen Sender Das Erste und ZDF sowie der Programmzeitschrift TV Spielfilm empfiehlt Eltern, die Castingshow zwar nicht grundsätzlich zu verbieten, aber sie gemeinsam mit ihren Kindern anzuschauen und darüber zu sprechen. Emotionen und Spektakel würden ebenso zum Sendungskonzept gehören wie die Inszenierung bestimmter Stereotypen, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative. Von den Kandidatinnen werde außerdem in der Regel eine bedingungslose Anpassung an Anforderungen erwartet, die an die Grenzen des Zumutbaren gehen. „Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind ernst nehmen, wenn es sich mit seiner Persönlichkeit und vor allem mit seinem Aussehen beschäftigt“, betont „Schau Hin!“-Mediencoach Kristin Langer. „Mit Mädchen und Jungen können Eltern über Unterschiede zwischen Medienrealität und eigener Beurteilung sprechen und darüber, keinen falschen Idealen nachzueifern.“

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Gleichzeitig wurde zwei Tage vor dem Staffelstart eine Umfrage des Forschungsinstituts YouGov veröffentlicht: Darin stimmten drei Viertel aller Befragten zu, dass „Germany’s Next Tompdel“ ein „falsches Schönheitsideal“ vermittelt. Auch fanden zwei Drittel das dargestellte Bild des Essverhaltens der jungen Frauen falsch. Vor allem in den letzten Jahren hatten sich die Macher der Sendung bemüht, Aufnahmen zu zeigen, in denen sowohl Heidi Klum als auch die Nachwuchsmodels Döner, Pizza oder Burger essen. Diese Bilder nehmen jedoch nur 15 Prozent der Befragten als authentisch wahr, heißt es in den Ergebnissen der YouGov-Erhebung.

Darüber hinaus halten drei von fünf Befragten (60 Prozent) das Format schlicht für überholt. Wie groß das Interesse an „Germany’s Next Topmodel“ tatsächlich noch ist, wird sich ab Donnerstagabend zeigen. Zumindest aus Quotensicht – mit einem Marktanteilsdurchschnitt von 17,1% bei den 14- bis 49-Jährigen – war das Format im vergangenen Jahr allerdings noch ein voller Erfolg für ProSieben.

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