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Grosso-Vereinbarung auf Zielgraden: Springer, Burda, Funke & Co. wollen nächste Woche Ergebnisse präsentieren

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Der Countdown läuft. Noch etwas mehr als 20 Tage, dann muss eine neue Vereinbarung über die Handelsspannen im Pressevertrieb stehen. Nach MEEDIA-Informationen haben sich die sieben an den Verhandlungen beteiligten Verlage nahezu geeinigt. Ende nächster Woche wollen die Medienhäuser die Einzelheiten veröffentlichen. Dabei könnte es zu der von den Printunternehmen angestrebten Konsolidierung der Grosso-Branche kommen.

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Geht es um die Verhandlungen über die Handelsspannen im Pressegrosso, hatten sich die sieben Verlage striktes Stillschweigen verordnet. Ob Axel Springer, Burda, die Funke Mediengruppe, Bauer Media, Gruner + Jahr, Klambt oder der Spiegel-Verlag – keiner der Medienhäuser ließ hierzu etwas durchblicken. Lediglich Mitte November gab Christian Nienhaus, der als Geschäftsführer übergreifend alle Printangebote von Axel Springer inklusive Print-Vermarktung, -Vertrieb und Druckereien bundesweit verantwortet, seine Zurückhaltung auf. Und dies zum Unbill aller Beteiligten. Öffentlich erklärte er damals: „Beide Seiten sind schon ein Stück aufeinander zugegangen. Bild zum Beispiel besteht nicht auf wirtschaftlichen Verbesserungen bei den Margen“.

Jetzt drängt die Zeit. Bis Ende Februar muss eine neue Vereinbarung über die Handelsspannen her, um die alte Regelung abzulösen. Nach Informationen von MEEDIA haben sich die Verlage nahezu geeinigt. Dazu hätte vor allem ein Treffen mit dem Grossoverband am 30. Januar in Hamburg beigetragen, heißt es. „Es sind nur noch minimale Detailfragen offen“, bestätigt eine mit den Verhandlungen vertraute Person gegenüber MEEDIA. Andere sprechen bereits davon, dass die notwendigen Papiere nur noch von den Gremien der jeweiligen Verlagshäuser abgesegnet werden müssten. Auf MEEDIA-Anfrage will sich die Gruppe der Printunternehmen hierzu nicht äußern.

Die Regelung über die neuen Spannen zwischen der Verlags- und Handelsseite gilt für den Zeitraum von fünf Jahren. Sie ist eine Richtschnur für die gesamte Branche und wird von allen Marktteilnehmern übernommen. Dabei gilt eine Art Faustregel. Je höher die verkaufte Auflage der Zeitung oder Zeitschrift ist, desto größer fällt die Handelsspanne zugunsten des Verlags aus. Hintergrund hierfür ist, dass sogenannte Schnelldreher – wie beispielsweise das Springer-Flaggschiff Bild – dem Einzelhandel weniger Aufwand verursachen. Dagegen stehen Zeitschriften mit niedriger Auflage und geringerer Erscheinungsfrequenz. Sie bleiben länger in den Regalen liegen und binden dadurch das Kapital der Einzelhändler. Daher verlangt der Handel für diese Presseerzeugnisse deutlich höhere Margen. Generell gilt als Richtgröße: 20 Prozent des Copypreises kassiert der Einzelhandel, 30 Prozent der Grossist und 50 Prozent der Verlag.

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Über die Aufteilung dieser Prozentzahlen hatten sich die Medienhäuser mit dem Bundesverband des Pressegrosso in der Vergangenheit gestritten, mal mehr, mal weniger. Doch das rückläufige Anzeigengeschäft und schwindende Auflagen erhöhten in jüngster Zeit den Druck auf die Verlagsspitzen, bessere Margen zu ihren Gunsten auszuhandeln. Da sie auf den Einzelhandel weniger Einfluss nehmen können, galt ihr Ziel den Grossisten. Sie forderten daher, dieses Verteilsystem zu reformieren – sprich dem Grosso eine radikale Schlankheitskur zu verpassen, um Kosten zu sparen. Dies sollte sich am Ende in höheren Margen niederschlagen. Und das deutlich zum Vorteil der Verlags-Phalanx.

Burda-Vorstand Philipp Welte bezog deshalb zu Beginn der Verhandlungen klar Position. Wortstark forderte er Mitte vergangenen Jahres: „Im Kern geht es darum – und das ist zugleich der schwierigste Punkt – das System zu konsolidieren. Es benötigt eine deutlich geringere Zahl von schlagkräftigen und resistenten Betrieben, um den Handel deutschlandweit mit Zeitungen und Zeitschriften zu versorgen. Leider ist die Geschwindigkeit des dafür notwendigen Fusionsprozesses bislang einfach zu gering“, erklärte der Manager gegenüber MEEDIA. Offiziell nannte der Geschäftsmann hierzu keine Zahl. Hinter vorgehaltener Hand hatten die Verlagsmanager aber ein klares Ziel vor Augen. Sie wollten, dass langfristig nur noch 15 Grossisten am Markt agieren.

Zunächst stießen ihre Forderungen bei den Grossisten auf massive Gegenwehr. Um ihnen Nachdruck zu verleihen, schreckten die Printunternehmen aber nicht vor öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen zurück. Völlig überraschend blieben daher sie im September der Jahrestagung des Grossoverbands in Baden-Baden fern. Ein Affront, der Wirkung zeigte. Zunächst herrschte Funkstille unter den Parteien. Wenig später nahmen alle Beteiligten aber den Gesprächsfaden wieder auf. Jetzt haben sich die Verlage und die Grossisten offenbar auf einen Fahrplan geeinigt, in welchem Zeitrahmen die Zahl der Grossisten in den nächsten fünf Jahren sinken könnte, heißt es in Verhandlungskreisen. In die Hände der Verlage spielt dabei, dass viele Grossisten ohnehin vor Nachfolgeproblemen stehen. Sie sind daher gezwungen, ihre Betriebe mit Konkurrenten zu fusionieren.

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