Anzeige

Künftige GroKo plant offenbar Abschaltung der UKW-Frequenzen – private Radiobetreiber protestieren

Radio-Regenbogen-Chef und VPRT-Vorsitzender Radio: Klaus Schunk
Radio-Regenbogen-Chef und VPRT-Vorsitzender Radio: Klaus Schunk

Offenbar gibt es Bestrebungen, dass eine Regelung für die Abschaltung der UKW-Radiofrequenzen in den künftigen Koalitionsvertrag einer möglichen neuen Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD hineingeschrieben wird. Dies berichtet der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) und protestiert zugleich scharf gegen ein solches Vorhaben. Die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) schließt sich der Kritik an.

Anzeige
Anzeige

Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste des VPRT und Geschäftsführer des baden-württembergischen Privatsenders Radio Regenbogen mit Sitz in Mannheim sagt: „Eine UKW-Abschaltung durch die Hintertür des Koalitionsvertrags würde bedeuten, die Existenzgrundlage der Privatradios in Deutschland in Frage zu stellen. Wir haben hierzu im letzten Jahr eine breite Diskussion mit allen Beteiligten geführt und meinten, dass es für die dramatischen Folgen einer solchen Entscheidung ein breites Verständnis in der Medienpolitik der Länder gibt. Umso unverständlicher ist der aktuelle Versuch von interessierter Seite, das Thema der Radiodigitalisierung in dieser Form im Koalitionsvertrag festzuschreiben. Wir appellieren an alle Beteiligten, die bisherige Diskussion noch einmal zu reflektieren und diesen Bestrebungen eine klare Absage zu erteilen.“ Ein Abschaltdatum dürfe es bis zum Absinken der tatsächlichen analogen Nutzung auf unter zehn Prozent nicht geben, so Schunk weiter.

Der APR-Vorsitzender Felix Kovac sagt: „In einer Nachtsitzung in Berlin kann nicht entschieden werden, was in der Medienpolitik der Länder kontrovers diskutiert wird. Dafür wäre der Bundestag auch gar nicht zuständig, der Bund hat im Bereich der Telekommunikation eine dienende Rolle gegenüber medienpolitischen Entscheidungen der Bundesländer“, so Kovac. Er verwies darauf, dass die Vorstellungen zum Nebeneinander von UKW und DAB+ in den einzelnen Regionen Deutschlands je nach gewachsenem Radiomodell ganz unterschiedlich sind.

Anzeige

Die Diskussion rund um eine mögliche Abschaltung der UKW-Frequenzen ist nicht neu. Die EU-Kommission hatte schon vor Jahren einmal 2012 als Abschaltjahr für UKW-Frequenzen ins Spiel gebracht. In Deutschland wurde ein Gesetzentwurf, die UKW-Frequenzen bis 2015 abzuschalten wieder fallen gelassen. Am Ziel, den analogen Rundfunk irgendwann abzuschalten hielt die Politik aber stets fest. Die Umstellung auf digitalen Radioempfang soll weitere Kapazitäten für mehr Sender bringen und außerdem die Qualität verbessern. Bislang haben sich digitale DAB-Radiogeräte (Digital Audio Broadcasting) in Deutschland aber noch nicht bei Konsumenten durchsetzen können.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Bessere Klangqualität? Die Zeiten, das UKW prasselt und Stereo-Rauschen hat, sind durch technische Maßnahmen seitens der Sender und Radiotechnik längst vorbei. Auch wenn UKW seit Einführung der Stereodekodierung und damit Absenkung der oberen Frequenz auf 15kHz hat, ist es zwar nicht mehr ganz HiFi, aber immer noch besser als jeder digitale schneidend scharfe aber blecherne Klang, besonders wenn der Datenstrom, wie bei allgemeiner Internetübertragung üblich, auf 128kBps abgesenkt wird, um Übertragungskosten zu sparen und möglichst viele Programme im Paket unterzubringen.
    Noch dazu kommt das geringere Senderangebot: Hier in Weimar/thüringen sind zwar private, als auch öff.-rechtl. im Angebot, aber bis auf DLR, einem überregionalen Pop-Musiksender und einem religiösen Sekten-Programm nur die Thüringer Sender zu hören! Also nix mehr aus den benachbarten Bundesländern, also Tschüs Bayern 3, NDR 2, hr3, ffn…
    Wird auf diese Weise wieder der „Volksempfänger“ eingeführt? Jedenfalls kein mehr frei vom Hörer wählbarer Sender. Demokratie? Kommt jetzt die Mauer im Ätherbereich? Der Staat, bzw. das Bundesland kann dann abschalten, was es will. Neue Form der Bevormundung des Bundesbürgers.

    1. Über die drohende Beschränkung der Sendegebiete auf die jeweiligen Bundesländer durch DAB schrieb bereits im Herbst 1992 (!) die stereoplay in einem Artikel, in dem sie recht visionär zusammenfasste, was dann mit DAB geschah.

      Rein technisch wird die Beschränkung von DAB auf die tatsächlich gewünschte Ausstrahlungsregion als Vorteil und „Effizienz“ gesehen.

      Andererseits: es ist doch heute völlig wurscht, ob man NDR 2, hr3, FFN, Bayern 3 oder irgendeine andere Popwelle hört. Überall kommen die üblichen und üblen „getesteten“ sogenannten „Superhits“. Die Chance, ein bundesweites DAB-Paket mit den wirklichen noch verbliebenen Radioperlen der ARD zu etablierne, besteht schon medienrechtlich nicht. Leider. Ich sähe es als großen Mehrwert, bundesweit z.B. auf Bayern 2, BR Klassik, SWR 2, WDR 3, WDR 5, hr2, NDR Info, RBB Radio Eins zugreifen zu können.

      So muss man sich daheim halt die Vielfalt über Sat, Kabel oder Internet holen. In Summe geht damit mehr als je zuvor.

  2. Leider wird Radio heutzutage zu oft als nur Hintergrundberieselung verwendet. Nicht schön, aber so ist es halt. Für diesen Zweck ist DAB+ aktuell meist nicht zu gebrauchen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

    1. – Die meisten Radios im unteren Preissegment werden gegenwärtig nur mit UKW angeboten, DAB+ – Geräte findet man oft nur vereinzelt.

    2. – Eine InHouse Versorgung mit DAB+ ist in den meisten Gegenden nur eine Wunschvorstellung. Das bedeutet, Anwendungen wie Radiowecker oder ein Küchenradio funktionieren an den vorgesehenen Auftellungsplätzen meist nicht ordnungsgemäß.

    3. – Eine vernünftige Regionalisierung findet nicht statt. Beispiel: Der RBB in der Prignitz. Hier sind nur die Regionalsender für Cottbus und für Potsdam im MUX enthalten. Für die Prignitz bleibt dann nur UKW vom Sender Pritzwalk.

    4. – Das Angebot auf DAB+ unterscheidet nicht wesentlich vom UKW – Angebot, ausser einiger bundesweit ausgestrahlter „Lokalsender“, die ausserhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes keine allzu große Hörerschaft haben dürften.

    Um DAB+ auch für den Hörer attraktiv zu machen, müsste es einen Mehrwert beinhalten, z.B. gute neue Programme von allgemeinen Interesse. Dazu gehört auch ein gut gemachter „Dudelfunk“ für die Hintergrundberieselung. Es wird zwar immer anders dargestellt, aber machen wir uns nichts vor, als Begleitung zur täglichen Arbeit taugen etliche Progamme der ÖR-Sender nicht viel. Was macht der Hörer: Er schaltet auf UKW, dort findet er dann „sein“ Privatradio.

    Ich weiß, dass es auf Grund der eingesetzten Technik teuer ist, alle diese Wünsche zu befriedigen, aber warum werden keine alternativen Verfahren, wie z.B.DRM+, in die Untersuchungen mit einbezogen?
    Mit der digitalen Übertragungstechnik DRM und DRM+ (Digitalradio Mondiale, DRM im AM-Bereich und DRM+ im UKW-Band) wäre es möglich, alle diese Wünsche relativ einfach zu befriedigen. DRM nutzt keinen Multiplex, sondern ähnlich wie UKW einzelne Sendekanäle, wobei es sogar möglich wäre, für eine Übergangszeit beide Sendearten auf einem Sender zu verwenden. Da für DRM+ die gleichen Frequenzen wie für den UKW-Rundfunk genutzt werden können, gäbe es auch nicht so viele Probleme beim InHouse-Empfang. Um 2006 herum wurde das DRM – Verfahren (ohne +) als sog. digitale Mittelwelle im Mittelwellenbereich mit erstaunlich guter, fast UKW-gleicher Qualität) versuchsweise eingesetzt, leider scheiterte das aus den gleichen Gründen wie die gewünschte rasante Verbreitung von DAB+:
    – kaum Angebot an preisgünstigen Empfängern
    – gleiches Progammangebot wie auf den anderen Verbreitungswegen

    Technisch wäre es relativ einfach, alle drei Empfangsarten in einem Gerät unterzubringen, da für den Digitalempfang sowieso meist ein SDR (ein Radio auf reiner Softwarebasis, zumeist in einem einzigen Chip) verwendet wird. So etwas gab es bereits 2006.

    Nur als Randinformation:
    All India Radio setzt auf diesen Übertragungsweg (sicher auch auf Grund der Größe des Landes) und rüstet seine Mittelwellensender mit DRM aus.
    Heute gibt es in bei uns leider nur die Möglichkeit DRM auf Kurzwelle zu testen, z.B. senden der Rumänische Rundfunk, RFI (Frankreich) und auch Radio Kuwait regelmäßig auf Kurzwelle, gelegentlich sind auch die BBC oder unter günstigen Bedingungen auch RNZI (Neuseeland) digital empfangbar und es ist erstaunlich, wie gut das, trotz einfachem Empfänger, klingt.

    Was der Einführung von DRM+ aber wahrscheinlich auch im Wege stehen dürfte, ist die wesentlich geringere Kontrollmöglichkeit, von Seiten der „Obrigkeit“. Ein MUX wird meist nur an einer Stelle erstellt und man könnte dort problemlos Streams abschalten … Da die geringere Kontrollmöglichkeit auch für UKW-Radio gilt, könnte auch das ein Grund sein, diesen Verbreitungsweg möglichst bald abzuschalten.

  3. Soll das die Unterstützung für die sauteuren aber sautreuen Bumsbacken vom Staatsfunk werden?
    Man beseitigt einfach den letzten Rest von Wettbewerb im Rundfunkbereich.
    Dabie legt die GroKo doch sonst soviel Wert auf Vielfalt, Diversität und Wettbewerb.
    Die Vorzeigedemokraten in Riad, Ankara und Pjöngjang hätten es aber genauso gemacht. Der Fortschritt wird dort den Leuten auch mittels Verbot eingeprügelt.

    1. Krieg Dich mal wieder ein. Wir haben keinen „sautreuen Staatsfunk“, denn wie wären sonst solche Dinge erklärbar wie z.B. das Gesamtprogramm von Bayern 2, das ausgerechnet im CSU-Staat zutiefst humanistisches, progressives, weltoffenes Radio macht? Mit Sendungen über Tiefenökologie oder Glyphosat, mit Sendungen, in denen Flüchtlinge portraitiert werden oder teils mit heftigen Angriffen auf in Bayern regierende Politiker?

      Die Polit-Nasen, die sich jetzt profilieren wollen, sind schlicht in Unkenntnis der realen Situation des Hörfunks und möglicherweise auch gut von Lobbyisten benebelt worden (beim Zahlenverhältnis Politiker zu Lobbyisten wäre es ein Wunder, wenn nicht). Sie wittern offenbar eine Chance, sich wenn schon nicht mit echt zukunftsfähigen Entscheidungen zu wirklich dringenden Themen, dann doch wenigstens mit einem unöötigen Nebenschauplatz ein Denkmal setzen zu können. Das ist das eigentliche Trauerspiel.

  4. Ich hoffe, nicht nur der VPRT sondern auch die meisten Bürger gehen auf die Strasse, um diesem geplanten Unsinn ein Ende zu setzen.
    Viele Millionen Radios sind in deutschen Wohnungen und PKWs zu finden, die KEINEN DAB-Empfang haben.
    Schon mit der Einführung von DVB-T 2 wurde millionen-teuerer Elektronik-Schrott produziert! Droht hier eine Wiederholung??

    1. Zu DVB-T2:
      In etlichen Gebieten gibt es seit dieser „Einführung“ überhaupt kein terestrisches Fernsehen mehr, einfach nur abgeschaltet (z.B. ein großer Teil der Altmark, Teile der Prignitz und im Wendland).Ist das auch die Zukunft des Radios?

  5. Der DAB-Empfang ist katastophal. Wenn man ins Freie geht, wenige, abseitige Sender. Im Haus überhaupt kein Empfang. Da lobe ich mir den hervorragenden Empfang von UKW.

  6. Also ich hab in meinem Auto sowohl DAB+ als auch analoge UKW und das funktioniert sehr gut weil es ausgereift ist Geschuldet allein durch die Frequenz im 3m Band.
    DAB+ ist auf den Frequenzen vom ehemaligen Fernsehen Band 3. Ich denke wenn das richtig ausgebaut ist also an die 100Pro funktioniert das dann auch . Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Last uns unser anal. UKW

  7. Es wird behauptet, DAB hätte sich bisher bei Konsumenten nicht durchgesetzt. Auf welchem Planeten lebt der Autor? Es möge doch einmal in einen Elektromarkt gehen und das breite Angebot genießen. Und er möge sich de rasant steigenden VErkaufszahlen anschauen.
    Aber was zählen schon Fakten, wenn man das Lobby-Lied des VPRT singt?
    Gut, dass es vor 180 Jahren keinen VPRT gab. Denn sonst hätte er ständig behauptet es gebe mehr Postkutschen als Lokomotive, und man brauche deshalb keine Eisenbahn.

    1. Der Autor lebt möglicherweise in der Realität.

      Digitalisierungsbericht 2017

      https://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/user_upload/die_medienanstalten/Publikationen/Digitalisierungsbericht/2017/Digitalisierungsbericht_2017_web.pdf

      Meistgenutzte Radio-Empfangsart 2017:
      69,7% UKW
      5,0% DAB+
      7,7% Internetradio
      2,7% „Radio über Kabel“ (unklar, ob UKW, DVB-C oder beides in Summe)
      1,5% Radio über Satellit
      8,5% „keine meistgenutzte Empfangsmöglichkeit“

      Personen mit Zugang zu…
      92,9% UKW
      15,7% DAB+
      10,2% IP-Radiogeräte
      13,8% Kabel
      13,6% Satellit

      Eine „Durchsetzung beim Konsumenten“ sieht anders aus als 15,7% Verfügbarkeit und nur 5% bevorzugte Nutzung.

    2. „Breites Angebot“ und „Rasant steigende Verkaufszahlen“ bedeuten nur leider nicht zwingend, dass sich DAB(+) irgendwie durchgesetzt hätte.
      „Rasant steigende Verkaufszahlen“ von DAB-Geräten könnten sich bspw. auch ganz einfach so erklären, dass DAB-Technik in immer mehr Hybrid-Geräte eingebaut wird, und der Käufer die DAB-Empfangstechnik daher quasi einfach nebenbei mitkauft, obwohl er sich eigentlich gar nicht wirklich für DAB interessiert. Ein wesentlicher Grund für die steigenden Zahlen von DAB-fähigen Empfangsgeräten sind bspw. Autoradios; viele Leute kaufen halt ein neues Auto, in das ein DAB-fähiges Radio integriert ist – aber sie kaufen das Auto natürlich nicht wegen des DAB-fähigen Radios…

      Wie sehr sich DAB bei den Konsumenten tatsächlich durchgesetzt hat (oder eben nicht), kann man daher an anderen Zahlen viel besser ablesen:
      Nach den letzten Erhebungen hören an einem durchschnittlichen Tag gerade einmal 2,5 Millionen Deutsche DAB-Radio.
      Und die durchschnittliche tägliche Hördauer der DAB-Radio-Hörer ist mit gerade einmal 29 Minuten auch noch extrem niedrig – UKW hat hier einen sehr viel höheren Wert.
      Quelle: http://www.radioszene.de/112316/dab-reichweitenstudie-2017.html

    3. Ich persönlich befürworte DAB, habe mir auch mal ein kleines transportables DAB-Radio zum Test gekauft. Wir benutzen es im Alltag allerdings nicht mehr, weil wir daheim fast nur noch Streaming einsetzen. Bekannte und Familie nutzen ausschließlich analoges Radio. Ich kenne, inkl. uns selbst, quasi niemanden (1-2 Ausnahmen), der im Auto ein DAB-Radio hätte. Geschuldet wohl auch den unverschämten Aufpreisen in der Vergangenheit. Persönliche Erfahrungen mit der Empfangsstärke unseres kleines Radios daheim: naja, geht so …

      1. Streaming – gut und schön, das nutze ich auch. Es erfordert aber im Haus, wenn es portabel genutzt werden soll, ein gut funktionierendes WLAN. Es gibt aber viele Nutzer (und ich kenne etliche davon), die nicht einmal Internet in ihrer Wohnung haben und auch nicht das Geld, sich einen mobilen Hotspot zu leisten, diese Menschen sind zufrieden, wenn sie für 9,95 EUR wenigstens telefonieren können.

  8. Dieser Lobbyistenverband sollte man im 21. Jahrhundert ankommen! Warum sollte Rundfunk als letzter Dinosaurier im analogen Exil senden? Besser machen die Kommerzfunker mal ein attraktives Programm, dann klappts auch mit der Zukunft. Sonst sind die Hörer bald ganz weg, hören Spotify, Podcasts oder allfällig noch die öffentlich-rechtlichen Qualitätsprogramme.

    1. Hmm, komisch. Wenn das so wäre, würde doch niemand mehr nach UKW rufen. Die ÖR sind doch digital empfangbar …

  9. DAB-Empfang ist katastrophal schlecht ausgebaut. Auf der BAB zwischen Berlin und München haben 90 Prozent (!) der Strecke keinen – oder nur stark gestörten lückenhaften – DAB-Empfang. Mein teures DAB-Autoradio habe ich mir umsonst gekauft. Der Ersatz durch ein noch teureres DAB-Radio hat den Empfang nicht verbessert. Ohne UKW oder Handy-Stream wäre man als Hörer auf der Autobahn millionenfach aufgeschmissen.

    Wäre das nicht mal ein journalistisches Erregungs-Thema?

    1. In diesem Fall wäre es sinnvoll das Empfangsequipment einmal zu prüfen. Ich habe auf eben dieser Strecke zu 100% DAB+ Empfang. Bitte also nicht unzureichendes oder defektes Equipment mit einer schlechten Technik verwechseln.

    2. Vielleicht eine Thema für die Werkstatt? Ich habe auf der Strecke nahezu durchgehend Empfang. Das Thema ist doch aber ein ganz anderes. Die kommerziellen Radios haben es sich in der analogen Kuschelecke gemütlich gemacht: die Frequenzen sind aufgeteilt, neue Wettbewerber nicht zu befürchten, es wird gutes Geld verdient – wer wird sich da freiwillig bewegen? Dass es auch anders geht, zeigen die, die keinen Platz in der analogen Kuschelkecke gefunden haben: Sie investieren in DAB+ und verdienen damit anscheinend auch Geld. Wenn man mit der Abschaltung von analogem TV gewartet hätte, bis nur noch 10% Restnutzung vorhanden sind, hätten wir wahrscheinlich heute noch kein HDTV, weil alle noch analog und SD verbreiten müssten.

  10. Meine Ohren hören keinerlei Unterschied zwischen DAB und UKW. Da stecken ganz einfach wohl nur knallharte Lobbyinteressen dahinter!

    1. Meine Ohren hören in den meisten Fällen einen deutlichen Unterschied: DAB klingt meist kratzig, verklirrt, regelrecht aggressiv – und beim Hören werde ich das auch nach kurzer Zeit. Die Magerbitraten, die man DAB in Deutschland (und auch darüber hinaus) meist gönnt, taugen nichtmal ansatzweise als UKW-Ersatz. Das ist eher Diktiergerätequalität.

      Im „klassischen“ DAB ohne „+“ wären für leidlich UKW-vergleichbare Qualität 192 kbps MPEG 1 Layer 2 nötig, im DAB+ sollten es wenigstens 128 kbps LC-AAC ohne Slideshow bzw. 144 kbps LC-AAC mit intensiver Slideshow sein. Alles darunter ist akustische Körperverletzung. Das wurde 2009 selbst in der EBU in umfangreichen verblindeten Hörtests nachgewiesen (EBU bpn 094 – Subjective Assessment and Objective measurements of DAB+). 192 kbps MPEG 1 Layer 2 erreichten im Mittel 88% auf der Mushra-Qualitätsskala, 128 kbps LC-AAC mit vernachlässigbar geringer XPAD-Datenrate erreichten bereits nur noch 80%. Die heute oft schon als „gehobene Qualität“ bezeichneten 96 kbps HE-AAC (ebenfalls mit sehr niedriger XPAD-Datenrate) erreichten nur noch 68%. Heute wird diese Bitrate mit exzessiver Slideshow betrieben und dadurch noch eine Qualitätsstufe niedriger gedrückt.

      Es wird Zeit, die stets wiederholte Floskel „Die Umstellung auf digitalen Radioempfang soll weitere Kapazitäten für mehr Sender bringen und außerdem die Qualität verbessern. “ als das zu bezeichnen, was sie ist: Lüge. An der inhaltlichen / journalistischen / kulturellen Qualität verbessert sich durch DAB sowieso nichts. Die technische Qualität verschlechtert sich durch DAB in den allermeisten Fällen dramatisch. Das Medium „Hörfunk“ verkommt damit restlos zur reinen Hintergrundbeschallung.

      1. Das hört man Klasse, wenn man mit dem Auto von Berlin Richtung Süden fährt und dabei Radio 1 über DAB+ hört. Durch das ständige Umschalten auf den jeweils am stärksten empfangbaren Sender wir der Ton immer wieder hell, dumpf, dumpfer. Ich glaube, in Berlin ist die Datenrate noch mit am besten. So gesehen klingt DAB+ höchstens wie sehr saubere Mittelwelle in Stereo.

        Warum ist ein vernünftiger Klang beim Digitalradio so schwer, schon zu wenige Frequenzen? Oder Kosten drücken? Oder soll der Hörer nicht „mitschneiden“ können. Da steckt doch volle Absicht dahinter.

        Komisch, beim digitalen Fernsehen ist der Ton tip top.

        Aber seit auch die UKW-Sender von der Festplatte senden, kaputtkomprimierte Titel, hochgeregelt mit Optimod und dann oben abgeschnitten mit dem Limiter: Auch auf UKW ging es schon mächtig bergab.

      2. Ach, schafft es der RBB nicht einmal, in seinen beiden DAB-Paketen 7D (Berlin Alexanderplatz + Berlin Scholzplatz) und 10B (Frankfurt Oder, Cottbus, Pritzwalk) einen einheitlichen Audiostream für Radio Eins zu schalten? Dann ist das kein Systemproblem, sondern ein RBB-Problem. Da der RBB aber ohnehin unfähig ist, eine auch nur annähernd anhörbare Klangqualität abzuliefern (er kann es auf keinem Empfangsweg, auch Satellit/Kabel digital sind völlig verrotzter, verzerrter, plattkomprimierter Brei), würde mich das auch nicht mehr wundern.

        Die Datenraten sind seit einiger Zeit soweit mir bekannt flexibel. Wenn Regionalisierungen laufen, wird noch weiter reduziert. Auch das ist ein Grundübel von DAB: die von UKW bekannten Regionalisierungen, die sich mit den einzelnen UKW-Frequenzen problemlos machen lassen, sind bei DAB nicht möglich, da alle Senderstandorte, die den gleichen Mux verbreiten, üblicherweise in Gleichwelle laufen. Es gibt Versuche, dennoch zu regionalisieren, dies geht aber radikal auf Kosten der Empfangbarkeit und der Audioqualität. Also packt man oft wegen weitgehend identischer Regionalvarianten ein- und dasselbe Programm mehrmals in die Muxe – entsprechend mies ist dann die Datenrate. Die bekannten Internet-Datenbanken listen Radio Eins mit 88 bis 96 kbps brutto. Ich hatte mal die 96 kbps brutto gegen die anderen Empfangswege gehört – das klang alles gleichermaßen grauenvoll. Auch das Sat-Signal mit fetten 320 kbps MPEG 1 Layer2 klingt bei Radio Eins nur noch kaputt. Das Quellsignal ist bereits zerstört.

        Einen vernünftigen Klang bekommt man bei DAB+ hin, wenn man mit ausreichend hoher Bitrate arbeitet. Dann passen beim üblichen mittleren Fehlerschutz-Level EEP 3-A halt nur noch z.B. 8 Programme zu je 144 kbps LC-AAC in einen Mux. Bei eventuell noch akzeptablen 128 kbps LC-AAC sind es 9 Programme. In beiden Fällen wäre der Mux damit voll, es gäbe keinen Platz mehr für EPG oder Navigationsgeräte-Verkehrsupdate (TPEG).

        DAB wurde Ende der 1980er/Anfang der 1990er Jahre entwickelt. Damals waren ca. 1,5 MBit/s stabiler Datenstrom, der sich sogar nich im schnell fahrenden Auto empfangen lässt und recht immun gegen topographisch bedingte Reflexionen ist, sensationell. Und 6 Programme zu je 192 kbps MPEG 1 Layer 2 waren vorgesehen – das konkurriert mit gutem bis sehr gutem UKW-Empfang.

        Aber heute? Sorry, das System gibt nicht mehr her und wenn dann 15 Programme in einen Mux gepresst werden, bekommt jedes halt nur noch 72 kbps brutto. Das sind nach Reed-Solomon-Fehlerschutz etwa 66 kbps netto. Davon noch nur 2 kbps Slideshow (also elend wenig) abgezogen – schon hat man nur noch 64 kbps für Audio übrig. Und das dann noch unter den für den Codec verschärften Bedingungen der DAB-Superframes, so dass das Datenreduzieren auch noch weniger effizient ablaufen kann als bei einem AAC-Stream auf dem Computer. Da kommt nur noch verklirrter Dreck raus. Wenn man das dann noch mit dem typischen UKW-Soundprocessing füttert, kommt absoluter Schrott raus, denn damit kann der HE-AAC-Codec nicht gut umgehen. Vermutlich kollidiert hier das Multibandprocessing mit der Spekralbandreplikation, die die Höhen künstlich hinzurechnet.

        Und beim Fernsehen ist der Ton als „Zweitinformation“ deutlich wichtiger als beim Radio, wo er alleinige Information ist. Das ist auch im Ausland so. TV-Ton bekommt vergleichsweise hohe Bitrate, Radio bekommt fast nichts mehr.

    2. Der Unterschied zwischen DAB+ und UKW ist rießig. Vielleicht einfach mal zum HNO-Arzt gehen, dann wird´s auch was mit digital!

    3. Der WDR hört sich über DAB+ besser als über UKW an. Es ist weniger eine Frage der Bitrate, sondern vielmehr der Zuspielung. Richtig ist, dass sich einige Programme im Bundesmux nicht so toll anhören. Das fällt allerdings auch erst bei großer Lautstärke auf. Bei der Lautstärke, mit der vermutlich 98% aller Autofahrer Radio hören, ist der Klang auch dann o.k., wenn wie z.T. in den Niederlanden 16 Programme in einen Mux gequetscht werden.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*