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#trending: türkische Panzer, #DieseJungenLeute, Weidels KiKA-Hass, „Monster Hunter: World“ und Kämpfe um Nutella

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Guten Morgen! Momentan bin ich mal wieder in der Stimmung, in der ich die Hoffnung auf ein Happy End in Sachen sozialer Netzwerke verloren habe. All der Hass, selbst bei Petitessen gehen eigentlich zivilisierte Menschen mit wüsten Beschimpfungen aufeinander los, als wären alle Regeln für ein zivilisiertes Miteinander vergessen. Insbesondere Facebook wird für mich immer mehr zu einer Art Failed State, in dem niemand mehr für Ordnung sorgen kann.

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#trending // News & Themen

Ein großes mit mehreren Artikeln dominierendes Nachrichtenthema gab es in den sozialen Netzwerken am Donnerstag nicht – zumindest nicht im deutschsprachigen Raum. Am ehesten waren es noch verschiedene Aspekte der türkischen Militäraktion in Syrien, die viel diskutiert wurden. Ganz vorn – mit 9.400 Facebook- und Twitter-Interaktionen auch auf Platz 1 der erfolgreichsten journalistischen Artikel – landete Spiegel Online mit der Story „Bundesregierung stoppt geplante Aufrüstung türkischer Panzer„. Shares kamen dabei aus unterschiedlichsten Richtungen: von kurdischen Facebook-Seiten über welche der Linken bis hin zu Wolfgang Kubicki.

#trending // Social Media

Es war der viel beachtete Auftritt des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“: In den sozialen Netzwerken wurde Kühnert auch von politischen Gegnern Respekt gezollt, gleichzeitig wurde der Kopf geschüttelt, wie herablassend Kühnert zum Teil behandelt wurde. Da vergaß Moderatorin Illner zu Beginn seinen Nachnamen, er wurde von Mitdiskutanten geduzt und wie es ein Twitterer zusammenfasste: Kühnert „ist bald 30, doch die alten Herren reden mit ihm wie mit einem kleinen Jungen am Tag der Einschulung„.

Der junge Spiegel-Online-Ableger bento machte daraus einen Text, der ebenfalls viel Beachtung fand – über 13.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter -, befragte andere junge Politiker und initiierte schließlich den Hashtag #DieseJungenLeute, mit dem Betroffene ihre Erfahrungen auf Twitter teilen sollten. Das taten dann auch viele – von Sarah Rambatz, Bundessprecherin der linksjugend, der einer der nach Likes und Retweets erfolgreichsten Tweets zum Thema gelang, bis Moritz Körner, der für die FDP im NRW-Landtag sitzt und schrieb: „Wenn der Kollege in der ersten Ausschussitzung nicht mit dir, sondern mit deinem Referenten spricht, weil der älter ist.

Insgesamt 7.700 Tweets mit dem Hashtag sind bis Donnerstag, 24 Uhr laut TalkWalker bereits zusammen gekommen, der Donnerstag war für den Hashtag sogar der bislang erfolgreichste Tag. Auch Kevin Kühnert, indirekter Auslöser der Debatte, machte inzwischen mit: „Bin heute morgen bei #RTL gefragt worden, ob ich in einer WG lebe. Werde anfangen solche überaus relevanten Fragen zu beantworten, sobald #Merkel und Co gefragt werden, ob sie beim Joghurt immer den Deckel ablecken“, twitterte er. Insgesamt sind die vielen Tweets ein eindrucksvoller Denkanstoß dafür, wie mit jungen engagierten Menschen umgegangen wird. Hoffentlich kommt der Denkanstoß auch bei den richtigen Personen an.

#trending // Politik

Wäre es nicht so traurig, man müsste den ganzen Tag lang über Alice Weidel lachen. Die AfD-Frau fordert in einem Facebook-Eintrag allen Ernstes, den Sendebetrieb des öffentlich-rechtlichen Kinderkanals KiKA sofort einzustellen. Abgesehen davon, dass Frau Weidel mal verraten müsste, wie Millionen Eltern ihren Kindern beibringen sollen, dass es den Sender vom „Sandmännchen“, der „Sendung mit der Maus“, von „Wickie“, „Biene Maja“ und „Yakari“ nun nicht mehr gibt – Weidels Argumente sind so hinterwäldlerisch, rassistisch, dämlich, mir fehlen fast die Worte dafür.

Die B.Z. – und danach auch Bild und andere – regte sich kürzlich ja darüber auf, dass im KiKA ein Beitrag zu sehen war, in dem Jungs einen BH öffnen sollten. Und dann sehen die Jungs auch noch so aus, als würden ihre Urahnen nicht aus Deutschland stammen! Skandal!!!! Bei Weidel liest sich das dann so: „…lernen die neuen Deutschen nun in einem ähnlichen Sendeformat, wie sie BHs fachmännisch zu öffnen haben“ Und weiter: „… vermittelt KIKA jetzt die Erkenntnis. dass es völlig in Ordnung ist, sich von denen an den Brüsten herumfummeln zu lassen, die noch nicht so lange hier leben.“ Weidels Fazit: „Dieser Kinderkanal, den man auf dem heimischen TV-Gerät besser mit einem Jugendschutz sichert, gehört zum Schutze unserer Kinder umgehend vom Netz genommen und vor einem Weiterbetrieb so restrukturiert, dass gesellschaftliche Grundwerte statt billiger Staatspropaganda vermittelt werden.“

Klar, man müsste diesen – harmlos formuliert – Schwachsinn eigentlich am besten verschweigen und nicht weiter verbreiten, doch man darf es einfach nicht: Das, was die AfD versucht, zu skandalisieren, wie sie strukturiert alles angreift und in Frage stellt, was nicht ihrem vor vielen Jahrzehnten stehen gebliebenen Weltbild entspricht und wie sie mit einer rassistischen und reaktionären Wortwahl ihre Anhängerschaft aufhetzt – das darf man sich nicht gefallen lassen.

Um mit dieser KiKA-Skandalisierung endlich mal aufzuräumen: Jeder, der auch nur einen Funken Ahnung vom Fernsehen hat, weiß, dass sich der KiKA seit jeher nicht nur an kleine Kinder richtet. Ab 19.25 Uhr – und dort lief der entsprechende Beitrag in der lobenswerten Beratungssendung „Kummerkasten“ – sind seine Zielgruppe so genannte Pre-Teens und Teens, 10 bis 13-Jährige. Und darf man einer solchen Altersgruppe nicht schon erste harmlose Aufklärungshäppchen anbieten? Möchte Frau Weidel wieder im Jahr 1958 leben? Oder kann sie nicht akzeptieren, dass die Welt sich weiter gedreht hat? Was zur Hölle ist schlimm daran, wenn der KiKA zeigt, wie sich ein BH öffnen lässt, erklärt, wie man mit Liebeskummer umgeht oder meinetwegen spaßeshalber auch verrät, wie Brüste, Vagina, Penis und Hoden in anderen Sprachen heißen? Generationen von Menschen haben mit 12 oder 13 Jahren genau so ein Zeug in der Bravo gelesen. Wahrscheinlich auch die halbe AfD.

Die ganzen kruden Gedankengänge dann auch noch mit dem typischen AfD-Rassismus in Richtung Migranten zu verknüpfen, setzt der ganzen Sache die Krone auf. Von allen schäbigen AfD-Facebook-Einträgen ist dieser einer der schäbigsten. Seine Wirkung hat er natürlich gerade deswegen entfaltet. Weidel-Fans kommentieren sich in Rage: „Die Verantwortlichen von KiKA gehören allesamt in eine Geschlossene Anstalt. Und … Schlüssel für immer wegwerfen.“ Oder: „Da laufen praktisch pädophile Kinderpornos, finanziert von erpressten GEZ Gebühren!!“ Oder: „Warum umständliche Techniken lernen, sie haben doch immer ein Messer dabei, mit dem das ratzfatz geht.“

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#trending // Entertainment

Das Videospiel der Stunde heißt „Monster Hunter: World„. Schon lang gab es kein Game mehr, auf das sich offenbar so viele Spieler freuen. Seit Tagen führt es in der PlayStation-4-Version die Amazon-Verkaufs-Charts an, obwohl es erst am heutigen Freitag erscheint. In der „Monster Hunter“-Reihe sind schon zahllose Spiele erschienen, in den vergangenen fünf Jahren aber nur noch welche für Nintendo-Konsolen. „Monster Hunter: World“ kehrt nun zurück auf PlayStation, XBox und PC. Daher wohl die Vorfreude vieler. Zudem sahen die Trailer grandios aus. Der Spieler hat in „Monster Hunter: World“ vereinfacht gesagt die Aufgabe, Monster zu jagen, aus Gegenständen wie Knochen, Fellen, etc. neue Waffen herzustellen, und die Gegend der fiktiven Welt zu erkunden, um immer wieder neue Monster-Arten zu entdecken. Die ersten Reviews zum Game sind herausragend: Aggregator Metacritic weist derzeit ein Ergebnis von 91 von 100 Punkten aus.

#trending // Worldwide

Das Social-Media-Thema Nummer 1 der Franzosen war am Donnerstag Nutella. Zahllose Artikel, Videos, Posts verschiedenster französischer Medien und Pages sammelten fünfstellige Interaktionsraten bei Facebook ein. Was war passiert? Nichts weiter, als dass die Supermarktkette Intermarché die 950-Gramm-Gläser der Schokocreme für drei Tage von 4,70 Euro um 70% auf 1,41 Euro herunter gesetzt hatte. Und was macht der Schnäppchenjäger da? Er rennt zum nächsten Intermarché und rauft sich mit anderen Schnäppchenjäger um die letzten Nutella-Gläser.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – „Chefs von Stuttgart 21 und BER haben gigantische Wette am Laufen“ (14.900 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Spiegel Online – „Syrien-Offensive gegen Kurden: Bundesregierung stoppt geplante Aufrüstung türkischer Panzer“ (1.700 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Frankfurter Allgemeine – „Besuch aus dem Osten

Google-SuchbegriffVirginia Woolf(2.000.000+ Suchen) [wegen eines Google-Doodles]

Wikipedia-SeiteHTTP-Pipelining (252.700 Abrufe)

Youtube-Video: Logan Paul Vlogs – „Suicide: Be Here Tomorrow.

Song (Spotify): Bausa – „Was du Liebe nennst“ (308.000 Stream-Abrufe aus Deutschland am Mittwoch)

Musik (Amazon): Die drei ??? – „191/Verbrechen im Nichts“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe (Unmaskierte Filmversion)“ (DVD)

Game (Amazon): „Monster Hunter: World“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Jojo Moyes – „Mein Herz in zwei Welten (Lou, Band 3)“ (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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