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„Äpfel mit Birnen verglichen“ – ARD wehrt sich gegen Verschwendungs-Kritik aus geheimem KEF-Bericht

Setzt sich für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ein: BR-Intendant und ARD-Vorsitzender Ulrich Wilhelm
Setzt sich für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ein: BR-Intendant und ARD-Vorsitzender Ulrich Wilhelm

Die Bild-Zeitung hatte am gestrigen MIttwoch ausführlich aus einem nicht öffentlichen Bericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zitiert. Die Kommission, die unabhängig einen Vorschlag zur weiteren Entwicklung des Rundfunkbeitrags erarbeitet, kritisiert demnach mangelnden Sparwillen vor allem bei der ARD. So sei u.a. der "Tatort" im Vergleich zu teuer und große ARD-Anstalten seien ineffizient. Die ARD wies die Kritik aus dem Bericht nun zurück. Es würden "Äpfel mit Birnen verglichen".

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Die Veröffentlichung des KEF-Rüffels in der Bild erfolgte, nachdem sich der BR-Intendant und neue ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags stark gemacht hat. Jenseits des Programms, also bei Technik und Verwaltung, zu sparen ist schon weitgehend ausgereizt“, sagte Wilhelm kurz vor dem Jahreswechsel. Ohne Beitragserhöhung würden dem öffentlichen Rundfunk kurzfristig rund drei Milliarden Euro fehlen.

Das sieht die KEF offenbar anders. In dem Bericht, der der Bild-Zeitung vorliegt, heißt es u.a.: „Die Kommission erwartet deutlich intensivierte Einsparungen durch die ARD-Anstalten.“ Die KEF hält im Fernseh-Bereich der ARD Einsparungen von bis zu 288 Mio. Euro für möglich. Die ARD sieht hier nur ein Spar-Potenzial von 64 Mio. Euro. Weiterer Kritikpunkt: Gerade die großen ARD-Sender wie BR und WDR würden zu ineffizient arbeiten. So würde der kleine Sender Radio Bremen mit rund 200 Mitarbeitern pro Mitarbeiter mit 13.105 Sendeminuten im Hörfunk fast dreimal so viel produzieren wie WDR (mit 4.645 Mitarbeitern ) oder der Bayerische Rundfunk (3.525 Mitarbeiter).

Zudem seien die Produktionskosten des ARD-Vorzeigeformats „Tatort“ im Vergleich zu hoch. Verglichen mit ebenfalls aufwendigen ZDF-Krimis („Wilsberg“, „Kommissarin Heller“) zahle die ARD habe den „Tatort“-Crews mit 76.100 Euro durchschnittlich deutlich mehr als das ZDF. Die „Tatort“-Kosten seien außerdem extrem unterschiedlich. So sei der „Tatort“ aus München 2015 370.000 Euro teurer als der ARD-Durchschnitt (1,54 Mio) gewesen. 2016 ragten die drei Produktionen des NDR-„Tatort“ (u.a. mit Til Schweiger) heraus, die alle mehr als zwei Mio. Euro kosteten.

Der Vorsitzende der ARD-Finanzkommission, BR-Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel, weist die Kritik zurück. Was die angeblich unterschiedliche Arbeitseffizienz betrifft, würden „Äpfel mit Birnen verglichen“. Es bleibe außer Acht, „dass manche Sender deshalb weniger Mitarbeiter in die Statistik einbringen, weil sie Produktionsleistungen ausgelagert haben“. Die Unterschiedlichkeit der Programme würde zudem nicht berücksichtigt. Hochwertige Sendungen aus Kultur und Bildung seien in der Produktion besonders aufwendig: „Eine Minute Musik in einer Popwelle ist nicht vergleichbar mit Hörspiel, Feature oder aufwendig produzierter, vielfältiger Regionalberichterstattung, wie sie etwa BR und WDR bieten.“

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Bei der Kritik an den „Tatort“-Kosten bleibe unberücksichtigt, dass der „Tatort“ eine Programmmarke sei, die ihre Stärke aus der Vielfalt der Stoffe und Akteure und aus ihrer unterschiedlichen Machart beziehe. Das reiche vom subtilen Kammerspiel bis zum actiongeladenen Jubiläums-Tatort mit kinotauglicher Starbesetzung. Frenzel: „Wenn die KEF hier unter dem Schlagwort ‚Wirtschaftlichkeit‘ ein Einheitsformat von Drehbüchern oder Drehtagen fordert, dann greift sie unzulässigerweise in die Programmautonomie der Sender ein.“

Die ARD-Sender hätten eine „umfassende Strukturreform mit konkreten Projekten eingeleitet“. Frenzel: „Die ARD wird Ende 2020 im Vergleich zum Stand 1993 rund 4.900 Stellen abgebaut haben (ein Minus von 20 Prozent). Allein der BR halbiert bis 2025 die Stellen in seiner Fernsehproduktion und spart jährlich nachhaltig 20 bis 30 Millionen Euro.“

Ganz neu sind die Enthüllungen der Bild freilich auch nicht. Bereits im Dezember vergangenes Jahr hatte die Fachzeitschrift Medienkorrespondenz darüber berichtet, dass die KEF den Finanzbedarf vor allem der ARD massiv zusammengestrichen hat. Dabei handelte es sich um einen Berichtsentwurf, der wiederum Basis für einen Zwischenbericht ist. Der nächste reguläre Bericht wird von der KEF erst im Frühjahr 2020 vorgelegt. Erst dann gibt die Kommission auch eine Empfehlung ab, ob und wie sich der Rundfunkbeitrag für die kommende Periode verändern soll.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version wurde die Zahl der BR-Mitarbeiter mit 4.936 angegeben. Das ist falsch. Tatsächlich hat der BR3.525 Mitarbeiter. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen!

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