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Edelman Trust Barometer 2018: Facebook & Co. verlieren Vertrauen, klassischer Journalismus gewinnt (mit einem Haken)

Susanne Marell ist seit Juli 2012 an der Spitze von Edelman.ergo, dem Deutschlandsitz von Edelman
Susanne Marell ist seit Juli 2012 an der Spitze von Edelman.ergo, dem Deutschlandsitz von Edelman

Seit 18 Jahren erscheint zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos das Edelman Trust Barometer: Bei der aktuellen Studie der PR-Agentur lag der Schwerpunkt auf dem Thema Fake-News. Die Ergebnisse zeigen, wie tiefgreifend die Verunsicherung den Medien gegenüber ist. Soziale Plattformen büßen demnach stark an Vertrauen ein, Journalismus erlebt eine Renaissance. Diese hat jedoch einen großen Haken.

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Die jüngsten Ergebnisse des Edelman Trust Barometer offenbaren eine tiefe globale Verunsicherung. Bei der Online-Umfrage haben insgesamt 33.000 Menschen aus 28 Ländern teilgenommen. In 20 Nationen überwiegt dabei ein Vertrauensverlust. Laut Studie sind dafür zwei wesentliche Faktoren verantwortlich: Fake-News und die Suche nach echten Informationen. „Aus der Vertrauenskrise ist ein Ringen um die Wahrheit geworden, das eine noch tiefere Verunsicherung in der Bevölkerung nach sich zieht und die Welt polarisiert“, sagt Susanne Marell, Chefin der Kommunikationagentur Edelman in Deutschland. Die Tendenz der vergangenen Jahre werde mit den aktuellen Zahlen bestätigt, so Marell.

Für Medien allgemein zeichnet sich aufgrund der um sich greifenden Verunsicherung ein negatives Bild. Erstmalig seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000 ist die Institution Medien weltweit diejenige, der am wenigsten vertraut wird. In 22 der 28 untersuchten Staaten überwiegt das Misstrauen. Auch für Deutschland bewahrheitet sich, was viele Experten schon lange vermuten. Die Verbreitung von gezielten Falschinformationen und manipulierten Nachrichten sorgt für eine ernsthafte, gesellschaftliche Verunsicherung. Laut Trust Barometer haben in Deutschland rund 61 Prozent der 1150 Befragten Angst vor Fake-News, weil damit unter anderem politische Wahlen manipuliert werden könnten. Rund jeder Zweite gibt an, dass er Falschinformationen nicht von Qualitätsjournalismus unterscheiden kann, da sich ihre Darstellung in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter zu stark ähnelt.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte erst vorige Woche angekündigt, dass der Kampf gegen Fake-News künftig mehr in den Händen der Nutzer liegen soll. „Als Teil unserer laufenden Qualitätsüberprüfungen werden wir die Leute nun fragen, ob sie eine Nachrichtenquelle kennen – und wenn ja, ob sie ihr vertrauen“, erklärte Zuckerberg.

Journalismus wird besser beurteilt als soziale Plattformen
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Der Vertrauensschwund der Medien ist dabei vor allem auf die soziale Plattformen wie Google, Facebook und Co. bezogen. In drei Viertel der Länder schwindet deren Glaubwürdigkeit. Weltweit vertrauen nur noch 51 Prozent der Befragten den digitalen Riesen. Im Gegensatz dazu gewinnen klassische Medien wie Zeitungen und TV-Sender sowie seriöse Online-Medien an Vertrauen. Besonders auffallend ist hierzulande die Lücke zwischen Journalismus und Plattformen. 61 Prozent der deutschen Studienteilnehmer vertrauen journalistischen Angeboten, dies können nur vier von zehn Befragten von den sozialen Medien behaupten. Edelman-Chefin Marell sagt dazu:“Wenn Menschen nicht mehr zwischen Fakten und Falschinformationen unterscheiden können, hat das grundlegende Folgen für unseren gesellschaftlichen Diskurs und den Zusammenhalt.“ Der Schutz einer hohen Informationsqualität werde damit zur wichtigsten Aufgabe der Medien. Der positive Trend ist jedoch mit großer Vorsicht zu genießen.

Denn die Studie zeigt auch, dass es weiter enorme Vorbehalte gegenüber professionellen Inhalteanbietern gibt: 46 Prozent der in Deutschland befragten Teilnehmer sind der Ansicht, dass Nachrichtenorganisationen mehr an einer möglichst großen Reichweite interessiert sind, als daran, faktische Informationen zu liefern. 47 Prozent glauben darüber hinaus, dass diese eine politische Agenda haben und vor allem nicht neutral informieren würden. Die schockierende Konsequenz: Viele Menschen meiden die Medien. In Deutschland geben zwei Drittel der Befragten an, dass sie weniger als einmal pro Woche Nachrichten lesen, hören oder sehen. Lediglich 15 Prozent widmen sich mehrmals pro Woche aktuellen Ereignissen in der Welt. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt. Vor diesem Hintergrund sollte der Vertrauensaufschwung für den Journalismus kritisch betrachtet werden.

Dennoch legt die Glaubwürdigkeit von Journalisten zu: Weltweit liegt sie nun bei 39 Prozent. In Deutschland ist der Anstieg sogar noch deutlicher. Hier ist die Glaubwürdigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 19 Punkte auf 45 Prozent gestiegen. Ähnliche Tendenzen gelten für Experten aus anderen Bereichen. In Deutschland steigen die Werte für technische Fachleute um sechs Punkte auf 60 Prozent und für Akademiker um acht Punkte auf 57 Prozent.

Das Edelman Trust Barometer ist eine jährlich veröffentlichte Studie, die das Vertrauen in Regierungen, NGOs, Unternehmen und Medien untersucht. Die Erhebung wurde online in 28 Ländern durchgeführt und dauerte rund 30 Minuten. Bei der aktuellen Umfrage haben 33.000 Teilnehmer in einem dreiwöchigen Zeitraum zwischen Oktober und November 2017 teilgenommen. Darunter fallen 6200 Befragte aus der „informierten Öffentlichkeit“, erklärt das für die Umfrage zuständige Marktforschungsinstitut Edelman Intelligence. Diese weisen demnach folgende Charakteristika auf: Sie sind zwischen 25 und 64 Jahre alt, haben einen Hochschulabschluss, ein überdurchschnittliches Haushaltseinkommen und nutzen Medien intensiv.

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