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„Das ist zynisch“ – DJV übt scharfe Kritik an Abschiedsmail von Noch-Funke-Geschäftsführer Manfred Braun

Machtwechsel in Essen: Manfred Braun (li.) geht in den Ruhestand, der frühere Bauer-Topmanager Andreas Schoo übernimmt
Machtwechsel in Essen: Manfred Braun (li.) geht in den Ruhestand, der frühere Bauer-Topmanager Andreas Schoo übernimmt

Der Deutsche Journalisten Verband NRW reagiert aufgebracht auf eine an die Öffentlichkeit gekommene Abschiedsmail, die der scheidende Funke-Geschäftsführer Manfred Braun an seine Mitarbeiter verschickt hat. Brauns Ton sei zynisch und unangebracht. Der DJV-NRW kritisiert insbesondere die Entlassung von 300 Mitarbeitern der Westfälischen Rundschau vor fünf Jahren.

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Der DJV-NRW hat die Abschiedsmail von Noch-Funke-Geschäftsführer Manfred Braun kritisch kommentiert. „Das klingt so, als hätte Manfred Braun aus Versehen mal zu viel Kopierpapier bestellt. Dabei hat er gut 300 Existenzen vernichtet. Das ist zynisch“, sagt der DJV-NRW-Landesvorsitzende Frank Stach zur Abschiedsmail, die Braun an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerichtet hat. Die Mail von Braun wurde bereits am vergangenen Freitag auf dem Blog Medienmoral-NRW veröffentlicht.

Braun beschreibt in seiner Mail die Entwicklung des Essener Verlags seit seinem Antritt vor über zehn Jahren. Er habe sofort enorme Möglichkeiten gesehen, die aber radikaler Maßnahmen bedurft hätten. Braun gesteht sich auch Fehler ein.

Klar, das alles ist nicht ohne Reibereien, Konflikte und auch Härten gelaufen. Und nicht alles ist geglückt. Natürlich habe ich Fehler gemacht. So bin ich heute zum Beispiel der Ansicht, dass wir mit der Westfälischen Rundschau anders hätten umgehen sollen, als wir es getan haben. Und hätten wir nicht auch für den Dortmunder Markt andere Lösungen finden können? Mir, und ich bin sicher auch Ihnen, fallen noch manche weitere Beispiele ein.

Zur Einordnung: Am 15. Januar 2013 hat die damalige WAZ-Gruppe (heute Funke Mediengruppe) den Mitarbeitern der Westfälischen Rundschau in einer Betriebsversammlung verkündet, dass sie zum Februar nicht mehr gebraucht werden. Die Ruhr-Nachrichten füllen seit dem 2. Februar desselben Jahres die lokalen Seiten der Dortmunder Ausgabe. Durch den Schritt verloren 120 fest angestellte Redakteure ihren Job und etwa 180 freie Journalisten ihren Auftraggeber. Auch die Medienvielfalt litt durch das Ende der Westfälischen Rundschau als eigenständige Zeitung.

„Der DJV-NRW verbindet mit dem Namen Braun vor allen Dingen Konzentrationsprozesse im Tageszeitungsbereich, sowohl auf lokaler als auch auf überregionaler Ebene“, sagt Stach. Braun sieht das in seinem Schreiben etwas anders und betont eine höhere Qualität gepaart mit gesteigerter Außenwahrnehmung.

Wenn ich mir die vergangenen zehn Jahre anschaue, glaube ich aber feststellen zu können, dass wir die Funke Mediengruppe erfolgreich vorangebracht haben. (…) Wir werden bundesweit als interessantes und bedeutendes Medienhaus wahrgenommen, sind ein attraktiver Arbeitgeber, haben viel vom Provinzstaub wegblasen können, ohne unsere Bodenhaftung zu verlieren.

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„Auf die Schließung von Lokalredaktionen und die Zusammenarbeit mit Konkurrenztiteln kann man nicht stolz sein. Und sich Gedanken um den ‚Dortmunder Markt‘ zu machen, aber mit keinem Wort zu erwähnen, dass Menschen betroffen waren, von denen einige bis heute keine vergleichbare Anstellung gefunden haben, ist ebenfalls zynisch“, so Stach.

Auch für die Schritte aus der jüngeren Vergangenheit hat der DJV-NRW-Landesvorsitzende Stach wenig Verständnis. Er wirft Braun vor, nicht aus seinen Fehlern gelernt zu haben. Vergangenes Jahr sei die Funke-Mediengruppe mit den Beschäftigten beim Fotopool „nicht gerade zimperlich umgegangen“. Damals wurden 24 Beschäftigten des Fotopools zum Jahresende 2017 gekündigt. Weiteren elf Fotografen wurde angeboten, in die neu gegründete Funke Foto Services GmbH zu wechseln – zu schlechteren Konditionen. Die übrigen Fotografen mussten sich in Konkurrenz zu Bewerbungen von außen um die restlichen vier Stellen neu bewerben. Unterm Strich verloren neun Beschäftigte ihre Jobs.

An die Funke Mediengruppe richtet Stach einen Appell: „Nun soll laut Medienberichten ein neuer Geschäftsführer eingestellt werden, der für die Zeitungstitel zuständig sein wird. Wir hoffen sehr, dass der- oder diejenige ‚den Wert der Zusammenarbeit‘ wirklich erkennt und umsetzt – und nicht nur in einer Betreffzeile nennt, wie Braun das in seiner Abschieds-E-Mail getan hat.“

In der vergangenen Woche hat Funke einen Führungswechsel bekanntgegeben: Andreas Schoo, langjähriger Konzerngeschäftsleiter bei Bauer, wird zur Essener Mediengruppe wechseln und zum 1. April die Aufgaben von Manfred Braun übernehmen. Der 57-jährige Schoo verantwortet künftig das komplette Zeitschriftengeschäft, obendrein alle digitalen Aktivitäten des Hauses.

An den designierten Funke-Geschäftsführer Andreas Schoo richtet Braun zum Ende seiner Abschiedsmail ebenfalls einige Sätze. Er lobt die „ausgezeichnete Entscheidung der Gesellschafter“. Er sei fest davon überzeugt, dass Schoo den Kurs, den man gemeinsam eingeschlagen hat, erfolgreich weiterführen werde. Schoo hat Brauns Aufgaben schon einmal beim Bauer-Verlag übernommen.

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