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Von „Darth Vader“ zu „Sloppy Steve“: Aufstieg und Fall des Stephen Bannon im Trump-Universum

Darth Vader oder „Sloppy Steve“? Stephen Bannons Politik-Ausflug bleibt eine Episode
Darth Vader oder "Sloppy Steve"? Stephen Bannons Politik-Ausflug bleibt eine Episode

Was für ein Höllenritt: Stephen Bannons Ausflug in die große Politik als Chef-Stratege von US-Präsident Donald Trump wird wohl eine Episode bleiben. Nach seiner Demission bei dem ultrarechten Nachrichtenportal Breitbart News scheint eine weitere öffentliche Karriere Bannons sehr fraglich. Der Hardliner war eine der schillerndsten Figuren im Trump-Universum.

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Stephen Bannon blickt im Alter von 64 Jahren auf eine überaus wendungsreiche Karriere zurück. Kind einer katholisch geprägten Arbeiterfamilie, Absolvent einer Militär-Schule, Militärdienst auf einem Zerstörer der US-Marine, Studium der Stadtplanung, Studium an der Harvard Business School, späte Karriere bei der Investment Bank Goldman Sachs, Gründung einer eigenen Investmentbank, Filmproduzent und schließlich Chef von Breitbart News, nachdem dessen Gründer Andrew Breitbart überraschend verstarb.

Stephen Bannon ist offenbar ein Mann mit vielen Talenten. Aber stets streitbar, stets mehr oder weniger radikal jenseits der Norm und dabei immer stramm konservativ bis rechtsnational. Manche nennen ihn rassistisch. Unter seiner Führung verschärfte sich der ultrarechte, demagogische Ton von Breitbart News. Die Nachrichtenplattform gilt als Sprachrohr der neurechten Alt-Right-Bewegung in den USA. Breitbart trommelte gewaltig während des Wahlkampfs für Donald Trump und scheute nicht davor zurück, Fakten zu verdrehen und skrupellos populistisch Stimmung für den umstrittenen republikanischen Kandidaten zu machen. Mit unheimlichem Erfolg.

Eine Figur, die Bannon und Trump verband, ist der us-amerikanische Multi-Milliardär Robert Mercer, der mit seiner Familie als Groß-Spender der Republikaner auftritt und Trump im Wahlkampf unterstützte. 2011 gewann Bannon Mercer als Investor für Breitbart. Die Mercer-Familie finanzierte also sowohl Breitbart als auch den Trump-Wahlkampf maßgeblich.

Im August 2016 wurde Bannon zum Wahlkampfleiter der Trump-Kampagne ernannt, als diese sich in einer schweren Krise befand. Seinen Posten bei Breitbart ließ Bannon dafür ruhen. Der Medienprofi drehte die Kampagne mit gnadenloser Zuspitzung und galt als einer der Architekten für den überraschenden Wahlerfolg Trumps. Nach der Wahl wurde Bannon zum Chefstrategen Trumps ernannt. Nach immer stärkeren Rivalitäten im engen Zirkel um Trump, schied Bannon ein Jahr später wieder aus und kehrte auf seinen Posten als Executive Chairman zu Breitbart zurück. Vollmundig verkündete er, nunmehr frei agieren zu können, die „Hände an seinen Waffen zu haben“ und die Opposition Trumps zu „vernichten“. Typische Bannon-Sprech.

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Aber der Rauswurf aus dem Weißen Haus nagte offenbar an ihm. Bannon gilt als eine der Haupt-Quellen für das fulminante Buch „Fire and Fury“ von Michael Wolff, das eine desaströse Innenansicht der Trump-Regierung zeichnet. Bannon selbst werden in dem Buch Ambitionen nachgesagt, selbst eines Tages für die Präsidentschaft zu kandidieren, außerdem werden ihm krude Vergleiche zwischen Nazi-Deutschland und China zugeschrieben. Trump dürfte vor allem aber die harte Abrechnung Bannons mit seinem Sohn Donald Trump jr. missfallen haben. Der einstige Einflüsterer wurde in der Lesart Trumps zum Verräter. Jedenfalls twittere der Präsident in der im eigenen Manier nach ersten Vorabveröffentlichungen, Bannon habe nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand. Später bezeichnete er Bannon in einem Tweet öffentlich als „Sloppy Steve Bannon“ („schlampiger Steve Bannon“, wohl in Anspielung auf dessen Vorliebe für weite Cargo-Hosen, und ein eher unrasiertes, ungekämmtes Auftreten in der Öffentlichkeit).

Nach der Veröffentlichung von „Fire and Fury“ haben sich auch die Mercers von Bannon abgewandt. Damit ist wohl auch sein Abgang bei Breitbart zu erklären. Nach der Wahl leidet die Website an massiv zurückgegangenen Abrufzahlen und nachlassender Bedeutung. Auch noch die wichtigsten Geldgeber zu verlieren, konnte und wollte man sich dort wohl nicht leisten. Bannon ist damit wieder einmal der Außenseiter, der er eigentlich schon immer war. Sein Aufstieg vom journalistischen Scharfmacher zum Chefstrategen und selbst ernannten Darth Vader der US-Politik und sein anschließender Fall zu „Sloppy Steve“ sind im reinen Wortsinne atemberaubend.

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Alle Kommentare

  1. Wenn ein hochintelligenter Mann sich mit einem „Schwachkopf“ wie Tonald Dump einlässt, dann geht das niemals gut aus.

    Hört nicht zu, redet dummes Zeug und hat nur die eigenen Steuervorteile im Kopf….

    Aber wenigstens ist er kein Massenmörder!

    Btw: Auch ein „Bernd Hinterbauer“ kann in Ungnade fallen und dann…
    „Mit dem Rad zum Arbeitsamt“!
    -keine Penthouse-Wohnung in der Vorstadt
    -kein SUV
    -keine Einladungen zu den „Reichen&Mächtigen“
    -keine Villa im Tessin

    Statt dessen Rauchen&Bier trinken mit Arno Dübel…

  2. Es wirklich eine Schade, dass so ein kluger Kopf wie Steve Bannon, sich aufgrund von persönlichen Eitelkeiten verleiten lassen hat.

    Gemeinsam hätten Trump und Bannon sehr viel erreichen können. Besonders im Kampf gegen den Deep State, ilegale Einwanderung und den kriminellen Machenschaften der Wallstrett, Clintons, Obamas, Bushs, CIA, NSA, usw…

    Hinsichtlich Fusion GPS und Uranium one Deal hätte Bannon die Mediale Opposition gegen den gleichgeschalteten fakenews Medien, wie CNN, CNBC, NYT und Washington Post sein können.

    Sei es drum, der nächste Bannon wächst schon heran.

    1. Mediale Opposition wäre ja schön und gut – aber muss sie dann gleich voller Hass und Spalterei sein wie bei Breitbart? Den Stil von Bannon als Gegenmodell zu „fakenews“ zu nennen, ist ja wohl blanker Hohn. Kaum irgendwo sonst dürfte die fakenews-Dichte so hoch sein wie bei Breitbart.
      Aber klar, durchaus möglich, dass Trump und Bannon noch sehr viel hätten erreichen können – aber wohl kaum zum Wohle breiter Bevölkerungsschichten.

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