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„Obama auf See bestattet“: Journalisten beichten unter #meingroessterfail ihre peinlichsten redaktionellen Patzer

Wenn man den US-Präsidenten mit dem größten Terroristen der Welt verwechselt: Unter #meingroessterfail zeigen Journalisten ihre peinlichsten Fehler
Wenn man den US-Präsidenten mit dem größten Terroristen der Welt verwechselt: Unter #meingroessterfail zeigen Journalisten ihre peinlichsten Fehler

Es ist einer dieser Fälle, der in der aktuellen Debatte um das Netzwerkdurchsetzungsgesetz die Komplexität des Social Web aufzeigt – denn das ist nicht nur für filterlose Hassparolen bekannt, sondern auch für gegenteilige Strömungen wie Solidarität. Die wird aktuell unter dem Hashtag #Meingroessterfail vor Augen geführt, unter dem zunächst Medienschaffende von ihren peinlichsten Schnitzern berichten.

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Die Hashtag-Aktion ist die Folge von Häme, die Twitter-Nutzer über einer Journalistin der Dorstener Zeitung ausgeschüttet hatten. Die Redakteurin hatte einen Text über die Design-Fehler von Computer-Chips verfasst und den Begriff dabei wörtlich genommen. In dem Artikel stand geschrieben: „Das Design der Chips müsste für die Behebung verändert werden. Für den Designer undenkbar. Das Aussehen geht scheinbar vor Sicherheit“. Gemein war allerdings die Infrastruktur der Produkte. Updates sollten diese wieder sicher vor Hackerangriffen machen. Der Artikel beziehungsweise ein Screenshot verbreitete sich anschließend im Netz und wurde hämisch kommentiert.

Twitter-Nutzer Roland Grün erkannte darin die Gelegenheit, der Häme mit solidarischen Grüßen zu entgegnen. Unter dem Hashtag #Meingroessterfail berichtete er von seinem für ihn peinlichsten Fehler.

Der Hashtag fand anklang, über das Wochenende haben zahlreiche Journalisten mit kleinen Anekdoten zu ihren peinlichsten Schnitzern geantwortet. So erklärte Handelsblatt-Korrespondentin Annett Meiritz, wie sie während ihrer Zeit bei Spiegel Online titelte: „US-Militär soll Obama auf See bestattet haben“. In der Meldung ging es allerdings um Osama Bin Laden. Froben Homburger, heute Nachrichten-Chef bei der dpa, berichtete, wie er mal versehentlich vertrauliche Notizen veröffentlicht hat und Anna Aridzanjan beschrieb den „Klassiker,“ Spiegel-Erbe Jakob Augstein mit seinem Vater und Verlagsgründer Rudolf zu verwechseln. In den Tweets verbergeben sich aber auch Fails, die zu ihrer Zeit für einen Skandal getaugt hätten. So gesteht Hörfunk-Journalist Holger Ort ein, vor mehr als 20 Jahren in einer Call-In-Sendung alle Anrufe gefaked zu haben. MEEDIA hat einige der Fails gesammelt:

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Alle Kommentare

  1. Sorry, das hat nichts mit Verwechslungen oder Vertippen zu tun.

    Das ist einfach einen Artikel voller Vorwürfe an die Hersteller „Das Aussehen geht scheinbar vor Sicherheit“ zu schreiben (nein, schreiben möchte ich hier nicht verwenden) zu TIPPSEN, bei völliger Ahnungslosigkeit vom Thema.

    Also entweder völlige Selbstüberschätzung von Frau Jacob oder völliges Redaktionsversagen.

    Ausführlicher hier:
    http://www.danisch.de/blog/2018/01/05/presse-und-computer/

  2. Warum muss man als Journalistin zu Chips schreiben, wenn man bei Design nur ans Aussehen denkt (und bei Chips vermutlich an Knabberzeug)? Das tieferliegende Problem ist, dass zu viele JournalistInnen zu Sachen schreiben, von denen sie nicht den Hauch einer Ahnung haben, aber eine Meinung. Ich finde es gut, wenn das Netz entsprechend reagiert.

    1. … die Anmerkung von Frau Grieg trifft in dem Fall den Nagel auf den Kopf. Das Problem ist eben nicht der bescheuerte Aussehen-vor-Sicherheit-Satz der Kollegin aus Dorsten. Insofern ist diese Solidaritätskampagne nett, aber verfehlt. Denn hier schildern die Journalisten reihenweise Fehler und Pannen, die nun einmal passieren können. Die sind menschlich und entschuldbar (mit Ausnahme der vorsätzlich gefälschten Höreranrufe). Wenn aber eine Journalistin einen Kommentar zu einem Thema verfasst, von dem sie nicht den Hauch einer Ahnung hat und offenbar auch nicht sonderlich recherchiert hat, dann ist das nicht entschuldbar. So entsteht das Image der unprofessionellen und inkompetenten Medien. Wasser auf die Mühlen der „Lügenpresse“-Rufer.

      1. Volle Zustimmung. Und obendrein das grantelnde Missfallen eines betroffenen Berufskollegen ob der in der Tat völlig verfehlten Kampagne, die mich wieder einmal am Selbstreflektionsvermögen dieses (meines) Berufsstands zweifeln lässt. Ja, ich weiß, dass ahnungsloses Gepinsele leider häufiger die Regel als die Ausnahme ist (wenn man mal das Terrain der „Edelfeder“ verlässt), die Abwesenheit von Recherche (dies wäre – Überraschung! – das Mittel gegen Ahnungslosigkeit) nun aber mit – höhö – Technikfehlern, Versprechern, Druckfehlern zu entschuldigen, zeigt ein zweifelhaftes Eigenverständnis …

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