Anzeige

Schwere Vorwürfe gegen Dieter Wedel: Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen spricht von „medialer Hinrichtung“

Die #MeToo-Debatte hat Deutschland erreicht. Gisela Friedrichsen sieht Dieter Wedel an den Medienpranger gestellt
Die #MeToo-Debatte hat Deutschland erreicht. Gisela Friedrichsen sieht Dieter Wedel an den Medienpranger gestellt

Mit den Vorwürfen gegen Dieter Wedel hat die #MeToo-Debatte ihren ersten prominenten Fall in Deutschland. Drei Schauspielerinnen berichten im aktuellen Zeit Magazin, dass der Regisseur sie in den 1990er-Jahren zum Sex gezwungen habe. Der 75-Jährige bestreitet die Vorwürfe. Gisela Friedrichsen erkennt Parallelen zum Fall Kachelmann und fordert ein Ende der Vorverurteilung durch die Medien.

Anzeige
Anzeige

Im aktuellen Zeit Magazin erheben drei ehemalige Schauspielerinnen  – von denen sich zwei namentlich zitieren lassen – schwere Vorwürfe gegen TV-und Film-Regisseur Dieter Wedel. Dieser soll die drei in den 90er-Jahren sexuell belästigt und zum Sex gezwungen haben. Wedel ließ über seinen Anwalt umgehend alle Anschuldigungen abstreiten. Gisela Friedrichsen, die Grand Dame der Gerichtsberichterstattung, spricht in einem Kommentar der Freitagsausgabe der Welt nun von einer „medialen Hinrichtung“ des 75-Jährigen. Mit Wedel steht „der erste deutsche Regisseur am Medienpranger“. Weiter: „Unschuldsvermutung, Verjährung, ja einfach nur Ermittlungsarbeit – all das scheint unwichtig zu sein.“

Friedrichsen vergleicht den aktuellen Fall mit dem von Jörg Kachelmann, der 2010 mit schweren Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert wurde. 2011 sprach ihn das Landgericht Mannheim frei. Seitdem kämpft er um seine Rehabilitation. Ähnliches sieht Friedrichsen nun auf Wedel zukommen: „Die Vorwürfe gegen Wedel, sollten sie tatsächlich zutreffend sein, dürften verjährt sein.“ Zumindest wäre dies zuerst zu prüfen, bevor der „Betroffene ungeachtet der Unschuldsvermutung medial hingerichtet wird“. Dass Wedel bisweilen grob mit Darstellerinnen umgegangen sei und sie sogar gedemütigt habe, könne nicht als Argument für die derzeitigen Vorwürfe gelten.

Anzeige

TV-Schauspielerin Sonja Kirchberger erzählt von Wedels Verhalten während verschiedener Dreharbeiten in der Bild: „Er ist einer meiner Lieblingsregisseure, aber am Set kann Wedel ein ungeduldiger Tyrann sein, der sich auch mal im Ton vergreift.“ Übergriffe, wie sie im Zeit Magazin geäußert werden, kann sie nicht bestätigen. „Es gab sehr viele Gerüchte über Affären, aber ich habe nie etwas über sexuelle Übergriffe gehört oder derartiges gesehen. Ich weiß allerdings nicht, was hinter verschlossenen Türen passiert ist.“

Gisela Friedrichsen erhebt in ihrem Kommentar zudem Vorwürfe gegen die Frauen, die sich im Zeit Magazin geäußert haben. Die Schauspielerinnen hätten sich erst dann zu Wort gemeldet, „als sie (…) die größtmögliche öffentliche Resonanz erwarten durften“. Nun stünde Aussage gegen Aussage, bei der eine Überprüfung der Richtigkeit der Angaben beinahe unmöglich sei. „Wenn es ein Opfer nicht schafft, binnen immerhin 20 Jahren solche Vorwürfe amtlich geltend zu machen, muss und darf irgendwann Schluss sein.“ Zum Ende ihres Appells schreibt sie: „Verjährung hat einzig und allein das Ziel des Rechtsfriedens.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige