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Oh, wie schön ist Panama: Daten-Scoop von SZ & Co. soll Finanzbehörden 500 Millionen Dollar eingebracht haben

Noch immer wird über den Impact der Panama Papers gestritten und die Aufgabe von investigativen Journalismus
Noch immer wird über den Impact der Panama Papers gestritten und die Aufgabe von investigativen Journalismus

Während noch immer über die tatsächliche Relevanz und Sprengkraft der Paradise Papers diskutiert wird, legt das hinter den Enthüllungen stehende Journalisten-Konsortium ICIJ nun eine Bilanz zur Vorgänger-Recherche der Panama Papers vor. So sollen aufgrund der Enthüllungen Behörden weltweit eine halbe Milliarde US-Dollar an Steuern nachgefordert haben. Via Twitter kritisierte Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt allerdings die Leistungsschau der Investigativ-Profis.

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Für seine Übersicht zählte das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) die Höhe der Abgaben zusammen, die aufgrund der Panama Papers nachgefordert werden konnten. Demnach konnte Spanien bislang die höchste Summe verbuchen. So sprechen die Behörden in Madrid von rund 122 Millionen Euro. Insgesamt sollen bislang 15 Länder Einnahmen aus den Investigativ-Recherchen verbucht haben. In weiteren Ländern sind zudem derzeit noch Verfahren und Prüfungen anhängig. Alleine für Kanada spricht das ICIJ von 123.

Auch in Deutschland arbeitet mittlerweile das BKA zusammen mit der hessischen Finanzverwaltung an der Auswertung der Panama Papers-Daten. So soll die entsprechende Daten-CD im Sommer für rund fünf Millionen Euro gekauft worden sein. Offiziell bestätigt wurde dieser Kaufpreis bislang nicht. In seiner Bilanz spricht das ICIJ nun davon, dass hierzulande bislang zwei Millionen Euro „eingefroren“ werden konnten.

Noch arbeiten die Behörden in Hessen an der Auswertung des riesigen Datensatzes. Wenn sie einmal damit fertig ist, wird es interessant sein zu sehen, welche tatsächlichen Einnahmen der Fiskus durch den Erwerb der CD verbuchen konnte. Denn noch sind die Erträge – vor allem im Vergleich mit früheren Ankäufen von Kundenlisten europäischer Bankhäuser in der Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg – gering.

Der Spiegel rechnete vor Jahren bereits einmal durch, welche Mehreinnahmen alleine die deutschen Finanzämter durch den Kauf von Steuersünder-CDs verbuchen konnten. Bis zum Jahr 2012 gaben die Behörden zwischen Flensburg und Oberammergau rund 20 Millionen Euro für Datenträger aus und holten sich damit rund zwei Milliarden Euro wieder zurück. In der Spitze soll dabei alleine ein Datenpaket rund 900 Millionen Euro gebracht haben. Die Enthüllungen im Zuge der Panama Papers stellten die Ermittler hingegen vor Probleme, denn die Tatsache, dass Personen oder Institutionen Kunden einer Briefkastenfirma waren, belegt strafrechtlich zunächst einmal gar nichts – sie ist lediglich ein Verdachtsmoment für etwaige illegale Praktiken. Die Steuersünder-CDs waren da aufschlussreicher, da aus ihnen auch konkrete Summen hervorgingen, die von den Kontoinhabern am Fiskus vorbei im Ausland gebunkert worden waren.

Neben der publizistischen Bilanz, die schon wegen des aufgrund der Recherleistung eingeheimsten Pulitzer-Preises erfolgreicher kaum sein könnte, gibt es indes nun immerhin für die Enthüller der Panama Papers also auch eine erste fiskalische. Die Beteiligten äußerten sich via Twitter auch schon einmal zufrieden darüber.

Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung twitterte: “Unglaublich: Eine halbe Milliarde US-Dollar brachten die #panamapapers den Steuerbehörden weltweit bisher ein, was für ein unheimlicher #impact”.

Wenig begeistert zeigte sich dagegen Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt. Er twitterte: “Ist das Aufgabe von Journalisten? Die Steuerbehörden zu unterstützen? Oder kapiere ich da wieder was nicht?”

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Für seine Position erfuhr der Berliner bereits in den direkten Kommentaren jedoch einiges an Ablehnung.

Auch Bastian Obermayer reagierte noch einmal auf den Tweet von Poschardt:

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Alle Kommentare

  1. Nach den Ausschreitungen zu G20 in Hamburg verweigerte genau der journalistische Pöbel einer Übergabe von Filmaufnahmen, der sich hier so völkisch-nationalistisch im vermeintlichen Sinne des Fiskus selbst und dazu noch mit fakenews als nobler, besorgter Staatsbürger lobt.
    Ersteres wäre legal gewesen, die geklautes Panamapapers mit anschließender Selbstjustiz unter massivster Verletzung von Datenschutz und Rechte der Betroffenen durch diese journalistische Hetzer waren es nicht.

  2. Herr Pochardt die schützende Hand der Oligarchen dieser Welt…….was macht eigentlich Friede Springer und Herr Döpfner?

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