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Sexuelle Belästigungen bei Vice USA: Deutschland-Chefin Laura Himmelreich nennt Vorwürfe „erschreckend“

Vom stern zu Vice: Laura Himmelreich ist seit 2016 Chefredakteurin beim deutschen Ableger des US-Portals – und nimmt nun in der Belästigungs-Debatte Stellung
Vom stern zu Vice: Laura Himmelreich ist seit 2016 Chefredakteurin beim deutschen Ableger des US-Portals – und nimmt nun in der Belästigungs-Debatte Stellung

Nach der Enthüllung eines Klimas von sexueller Belästigung sowie einer "Boy Club"-Mentalität männlicher Führungskräfte im Medienkonzern Vice durch die New York Times hat sich jetzt auch die Chefredakteurin von Vice Deutschland, Laura Himmelreich, zum Thema geäußert. Die ehemalige stern-Autorin nennt die Schilderungen von Opfern "erschreckend und bedrückend". Auch in Deutschland gibt es Vorwürfe.

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Wie die taz berichtet, hatten sich im Zuge der Berichte über die Missstände im kanadisch-amerikanischen Millennial-Medienkonzern auch zwei ehemalige Mitarbeiterinnen über soziale Netzwerke gemeldet. „Wir haben mit ihnen Kontakt aufgenommen, um zu erfahren, was sie genau bei Vice erlebt haben und werden gegebenenfalls Konsequenzen daraus ziehen“, teilte ein Sprecher mit. „Wir tolerieren bei Vice Media in keiner Weise Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder Mobbing.“

Einen Tag vor Heiligabend hatte die New York Times sexuelle Übergriffe bei Vice publik gemacht. Dem Artikel lag offenbar eine gewaltige Rechercheleistung zugrunde. So habe die Zeitung mit mehr als 100 Mitarbeitern von Vice gesprochen und zahlreiche belastende Dokumente und E-Mails ausgewertet. Das Blatt recherchierte auch, dass Vice US vier Betroffenen insgesamt 143.000 Euro für eine diskrete Einigung gezahlt habe.

Einen Tag, bevor die Vorwürfe bekannt wurden, reagierten die Konzernchefs mit einem umfangreichen Statement, in dem sie sich für die Vorfälle entschuldigten und Fehler einräumten. CEO Shane Smith, der aus einem in Montreal erscheinenden Skater- und Punk-Magazin einen Weltkonzern mit rund 3.000 Mitarbeitern entwickelte, sowie Co-Gründer Suroosh Alvi nannten das Verhalten der beschuldigten Führungskräfte „inakzeptal“ und bekannten, dass sie selbst „versagt“ hätten, im Unternehmen ein „sicheres und respektvolles Umfeld“ für Frauen zu schaffen. Die betroffenen Mitarbeiter waren bereits vor Wochen fristlos entlassen worden.

In einem Facebook-Posting erklärt die deutsche Vice-Chefredakteurin Laura Himmelreich dazu: „Was die Frauen schildern, ist erschreckend und bedrückend. Ich finde es gut, dass der Text die Missstände im Unternehmen öffentlich macht. Jede einzelne Äußerung von Angestellten oder ehemaligen Angestellten, durch die Missstände öffentlich werden, ist ungeheuer wichtig. Nur wenn alles auf den Tisch kommt, können wir die Ursachen beseitigen, die zu Ungleichbehandlung führen.“

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Mit Blick auf die im US-Unternehmen ergriffenen Maßnahmen stellt Himmelreich fest: „Für mich ist klar, dass ich nur für ein Unternehmen arbeiten möchte, das in so einer Situation die richtigen Schlüsse zieht.“ In den vergangenen Tagen hätten sich „zwei ehemalige Mitarbeiterinnen in sozialen Netzwerken gemeldet und berichtet, Frauenfeindlichkeit bei Vice Deutschland zwischen 2007 und 2009 erlebt zu haben. Beide wissen, dass ich so bald wie möglich ausführlich mit ihnen sprechen möchte. Wir müssen die Vorwürfe und die Verantwortlichen kennen, um bestmöglich sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt.“

Himmelreich war zu dieser Zeit noch nicht bei Vice, sondern trat ihren Job dort erst 2016 an. Dennoch sind die Vorfälle für die frühere stern-Redakteurin, die 2013 mit ihrer Enthüllung über Anzüglichkeiten des FDP-Spitzenpolitikers Rainer Brüderle selbst bundesweit Schlagzeilen machte und die #Aufschrei-Bewegung mit begründete, ein sensibles Thema. Sie schreibt: „Natürlich stellen mir nun manche – gerade in Anbetracht meiner eigenen beruflichen Biografie – die Frage: Wie erlebe ich Vice? Habe ich selbst Vorfälle dieser Art erlebt? Meine Antwort: Ich habe noch in keiner Redaktion gearbeitet, die so respektvoll, solidarisch und herzlich miteinander umgeht wie die Redaktionsmitglieder von Vice Deutschland.“

Trotz ihres Engagements als Führungskraft bleibe aber auch im eigenen Umfeld eine Restunsicherheit: „Ich hoffe, alles Relevante in dieser Zeit bei Vice Deutschland mitbekommen zu haben, zu 100 Prozent garantieren kann ich es nicht. Außerdem kann ich mir selbst nach eineinhalb Jahren nur ein Urteil über einen Bruchteil des 3.000-Mitarbeiter-Konzerns mit Büros in 30 Ländern erlauben.“

Maßnahmen wurden laut Himmelreich auch bei Vice Deutschland eingeleitet: So sei „ein Gremium aus MitabeiterInnen eingesetzt, dessen Ziel es ist, alle Missstände der Vergangenheit und Gegenwart zu identifizieren“. Dabei sieht sich auch die Chefredakteurin in der Verantwortung: „Wir haben wie nie zuvor die Möglichkeit, die gesellschaftlichen Strukturen zu beseitigen, die zu Diskriminierung und Übergriffen führen. Jede Führungskraft wird sich daran messen lassen müssen, ob sie diese Chance genutzt hat.“

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Alle Kommentare

  1. Mit dem plötzlichen Aufbauschen von angeblichen Vorfällen, die obendrein noch Jahre zurück liegen, hat Dirndl-Laura ja Erfahrung. Die Jagd ist eröffnet. Bin mal gespannt, wie die „MitarbeiterInnen“ diese Vorfälle beweisen wollen. Denn bis zum Beweis der Schuld gilt auch bei Vice „in dubio pro reo“.

  2. Seltsamer Artikel und eine sehr seltsame Person mit einem eigentlich zauberhaften Nachnamen! Und ein Thema, von dem sie glaubt Ahnung zu haben, als sie damals etwa ein Jahr danach (!) etwas eher Harmloses ausplauderte, was dann von der ach so wahrheitsliebenden „Qualitätspresse“ bundesweit durchs Land gejagt wurde…
    Tolle Sache! Man ist immer noch begeistert über dieses Unfug. Andererseits: Wurde im neueren Fall (Zitat) „ein Gremium aus MitarbeiterInnen“ für was auch immer eingesetzt. „MitarbeiterInnen“, das ist übelste grün-rote Orthografie. Denn ein Großbuchstabe inmitten eines Substantives ist und bleibt einfach falsch – das sollte man als bekannte Journalistin einfach wissen!

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