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#PoschardtEvangelium: Wie der Welt-Chefredakteur an Weihnachten mit einem Tweet einen absurden Shitstorm lostrat

Bescherte sich an Weihnachten selbst – mit einem Shitstorm: Welt-Chef Ulf Poschardt
Bescherte sich an Weihnachten selbst – mit einem Shitstorm: Welt-Chef Ulf Poschardt

Schrille Nacht: Bevor die Zeit der weihnachtlichen Besinnlichkeit richtig begonnen hatte, war sie schon wieder vorbei – zumindest bei Twitter. Den Anlass lieferte Welt-Chef Ulf Poschardt, der die Politisierung der Weihnachtspredigten kritisiert hatte. Der provokante Tweet hatte alles zur Folge, was das Empörungsmedium Nummer 1 zu bieten hat: harsche Gegenkritik, Spott samt eigenem Hashtag, letztlich null inhaltliche Debatte, dafür aber den Vorwurf des Antisemitismus. Halleluja!

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Für eine ganze Reihe von Menschen aus Politik- und Medienbetrieb war es in diesem Jahr offenbar ganz und gar nicht möglich, abzuschalten und die Ruhe sowie Besinnlichkeit der Weihnachtstage zu genießen. Im Gegenteil: Bei Twitter war die Hölle los, und Ulf Poschardt war der Teufel. Der Chefredakteur der zu Axel Springer gehörenden Welt-Gruppe hatte die Stimmung aufgeheizt, nachdem er die Christmette, also der christlichen Weihnachtspredigt, kritisiert hatte. Böswillig wie Luzifer nun mal ist, formulierte es entsprechend provokant:

Der Tweet ließ zunächst einmal mehr Fragen offen, als er beantwortete. Ob sich die Kritik auf Christmetten im Allgemeinen oder auf eine bestimmte bezogen hatte, ließ er genauso offen wie zunächst die Frage, ob er diese für zu linkspolitisch oder für zu politisch im Allgemeinen gehalten hatte. Die Christmette mit der größten Aufmerksamkeit sprach am Heiligabend Papst Franziskus, der in seiner Predigt zu Mitgefühl für Geflüchtete aufrief und an die Menschlichkeit der Christen appellierte.

Doch für Details oder Zwischentöne war trotz des mittlerweile doppelten Zeichenkontingents pro Message bei Twitter weder Platz noch Zeit. Poschardts provokanter Meinungsbeitrag rief unverzüglich jene auf den Plan, die sich angesprochen fühlten: die politische Linke, allen voran Grüne und Sozialdemokraten.

So twitterte mit Konstantin von Notz der erste grüne Spitzenpolitiker in Poschardts Richtung und versuchte den Chefredakteur in einem noch harmlosen Tweet auf Weihnachten als besinnliche Zeit aufmerksam zu machen – selbstverständlich erfolglos.

Simone Peters, Bundesvorsitzende der Grünen, sah die Kritik als Grund, selbst mal wieder die Kirche zu besuchen,…

… während sich SPD-Mann Ralf Stegner weniger humorvoll äußerte.

Ebenfalls deutlich reagierte Justizstaatssekretär und SPD-Mann Ulrich Kelber. Er warf Poschardt vor, „ein beängstigend nach rechts unten verschobenes Koordinatensystem“ zu haben und fragte: „Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Bewahrung der Schöpfung stören Sie also als christliche Inhalte? Was wäre Ihnen denn wichtig?“

Eine Antwort darauf gab es vom Welt-Journalisten nicht. Wie die meisten Tweets mit Gegenkritik reagierte er mit einem kurzen „qed“, was für „quod erat demonstrandum“ steht – was Poschardt allerdings als bewiesen sehen wollte, ließ er ebenfalls offen.

Eine weiterführende Debatte war damit – wie sooft – nicht zu erwarten. Entsprechend reagierte man im sozialen Netzwerk wie sooft: mit Spott. #PoschardtEvangelium lautete schließlich der Hashtag, den sich ein anderer Journalist ausgedacht hatte und unter dem man das Evangelium ins Neoliberale übersetzte.

Poschardt, bei dem die taz nie zu erwähnen vergisst, wie gerne er Porsche fährt, gilt politisch den Liberalen nah und provoziert die politische Linke oft und gerne. Das Verhältnis darf man als angespannt bezeichnen. Deshalb war das #PoschardtEvangelium nicht alles, was in den Folgetagen noch die Runde machen sollte.

Nachdem der Welt-Chef fleißig weiter provozierte, indem er sich über die „Allianz aus SPD, Grüne und Justemilieu-Medien“ freute, von einem „Aufmarsch der Scheinheiligen“ sprach, (zurecht) Unterstützer retweetete und schließlich in der „Opportunismus-Olympiade“ Medaillen an Grüne, Sozialdemokraten und „mediale Trittbrettfahrer, gerne GEZ finanziert“ war es endgültig vorbei mit Spaß.

Poschardt, der sich richtig warm gelaufen hatte, traf auch mit seinen weiteren Provokationen ins Schwarze. Grüne hörten einen „AfD-Sound“ heraus, Jürgen Trittin, ehemaliger Bundesminister, empfahl dem Journalisten ein Weihnachtsgeschenk: eine leere „AfD-Krippe“, die Konstantin von Notz zuvor geteilt hatte.

Gestrickt war der Vorwurf des Ausländerhassers, des Muslimfeindes und Antisemitisten.

Am Ende steht wieder eine Debatte, deren inhaltliche Diskussion womöglich stattgefunden hat aber – wie immer – von lärmendem Populismus aller Seiten übertönt worden ist. Wie absurd das Weihnachtsspektakel beim Kurznachrichtendienst war, hat auch Sascha Lobo in einem kurzen Kommentar zusammengefasst.

Natürlich ist die #christmette-Situation (einem Tweet von Ulf Poschardt folgend) der egalste Empörungssturm des Jahres….

Posted by Sascha Lobo on Dienstag, 26. Dezember 2017

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Alle Kommentare

  1. Die neoliberale Drecksau…..ist gut bezahlt und verlogen….Vertreter des gekauften Schmierjournalismus!

    Früher war ich sozial inks…..aber im Alter brauchte ich das Geld!

  2. Kelber…. omg – nur ein Trottel denkt, dass die Weihnachtsbotschaft etwas mit dem SPD Parteiprogramm zu tun hat.
    Und dann die Nazikeule … Dilettanten schaffen es eben nur mit der SPD an die Fleischtröge. Was ein populistischer Hetzer

  3. Immerhin hat Poschardt mit seinem Tweet dafür gesorgt, dass die schäumenden Kirchenhasser von RotGrün für die kurze ? Zeit des Ersinnen eines Retweet von Straftaten abggehalten werden.

  4. Wenn sich solche Antichristen wie Lobo, Trittin, Stegner und all die anderen Linksgrünversifften Netztrolle für den weihnachtlichen Kirchenbesuch aussprechen, dann haben die Kirchen tatsächlich ein Glaubwürdigkeitsproblem.
    Und wer will schon mit seiner Familie neben diesen fanatischen Linksextremen in einer Bank sitzen?

  5. Poschardts Bemerkungen haben offenbar einen Kern getroffen. Und die, die sich darüber aufregen, sind die, die gemeint sind. Sie werden es nie so sehen. Aber natürlich haben wir einen öffentlich-rechtlichen zwangssubventionierten Nachrichtensteam. im Kern: Staatsrundfunk. Schließlich kontrolliert der Staat deren so genannte Aufsichtsorgane. So what . . .

  6. Erstaunlich, dass so ein harmloser Tweet wie der von Poschardt so viele Leute auf die Twitter-Barrikaden bringt. Im Grunde hat er nur das ausgesprochen was eh schon jeder weiß: zwischen Kirchentagen und Grünen/Bündnis90-Parteitagen gibt es quasi keine Unterschiede mehr.

    Danke übrigens, dass man ihren Beitrag überhaupt kommentieren darf, werter Herr Schade. Wird ja immer seltener.

  7. Gähn – Welt-Abwickler Poschardt im Zickenkrieg mit seinen links-linken antideutschen Freunden.

    Fehlt nur noch Opa Apo (Posener)

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