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„Wollen Erhalt des Ökosystems sicherstellen“: dpa-Chef Peter Kropsch über Forderungen gegenüber Google und Facebook

Neun europäische Nachrichtenagenturen springen den Verlegern im Kampf um das Leistungsschutzrecht zur Seite – dpa-Geschäftsführer Peter Kropsch erklärt, weshalb.
Neun europäische Nachrichtenagenturen springen den Verlegern im Kampf um das Leistungsschutzrecht zur Seite – dpa-Geschäftsführer Peter Kropsch erklärt, weshalb.

Neun europäische Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur (dpa), schalten sich in die Debatte um geforderte Leistungszahlungen von Facebook und Google an Medienunternehmen ein – auch die Dienstleister fürchten um ihr Geschäftsmodell und drängen darauf, die Internet-Giganten in die Pflicht zu nehmen. "Wir wollen, dass der Erhalt des Ökosystems sichergestellt wird", erklärt dpa-Geschäftsführer Peter Kropsch im Interview.

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Wenn ich nicht mehr weiter weiß, nenn‘ ich Google einen Preis. Trifft das jetzt auch auf die aktuellen Forderungen der europäischen Nachrichtenagenturen zu?
Ich glaube, die Berichterstattung über den offenen Brief, den wir gemeinsam mit acht anderen europäischen Nachrichtenagenturen aufgesetzt haben, war teilweise missverständlich. Die Darstellungen, wir verlangen jetzt auch Geld von Google und Facebook war etwas zugespitzt. In Wahrheit ist es etwas komplexer.

Bitte schön…
Wir als Nachrichtenagenturen schauen auf das gesamte Ökosystem der Informationsindustrie. In diesem System agieren wir in erster Linie als Dienstleister der Medien, die uns dafür Geld bezahlen. Dieses System wollen wir nicht außer Kraft setzen. Wir haben aber ein großes Interesse daran, dass die Medien ihre Finanzierungskraft aufrecht erhalten. Diese ist auch durch Konzerne wie Google oder Facebook, die sich an journalistischer Arbeit bereichern, gefährdet. Darauf wollen wir hinweisen.

Sie wollen also selbst gar kein Geld, sondern sich nur mit ihren Kunden solidarisieren?
Wir wollen, dass der Erhalt des Ökosystems sichergestellt wird. Unsere Kunden wie auch wir wenden sehr viele Ressourcen dafür auf, dass Leser und Verbraucher vor allem in Zeiten von Fake News schnell und zuverlässig informiert werden. Das muss auch in Zukunft möglich sein. Agenturen sind aus meiner Sicht das Rückgrat oder ein wichtiger Teil des Nervensystems der weltweiten Nachrichtengebung. Wir arbeiten aber unter der Motorhaube und sind oft nicht so sichtbar wie Zeitungen und Sender. Mit dem Schreiben haben wir auf uns aufmerksam gemacht.

Nochmal: Sie fordern also keine direkten Geldflüsse von Internetkonzernen zu Agenturen?
Unsere Interessen sind zwei wesentliche: Der Fortbestand des Ökosystems, wie wir es kennen. Unsere Kunden sind die Medien, mit denen wir gemeinsam in einem Boot sitzen. Der zweite Teil der Antwort: Ich glaube, dass in der Debatte über Urheber- und Leistungsschutzrecht auch wir als Nachrichtenagenturen einen Platz verdient haben. Der wesentliche Punkt, damit unser System funktionieren kann, ist eine geschlossene Rechtekette, in der jeder einen Platz haben muss. Auch wir.

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Vor einigen Tagen wurde im journalist berichtet, dass der dpa jährlich Erlöse im Umfang einer Regionalzeitung wegfallen. Machen Sie Facebook und Google dafür mitverantwortlich, weil diese den digitalen Werbemarkt eingenommen haben?
Es gibt eine ganze Reihe von Einflussfaktoren, die den Markt verändern. Google und Facebook sind sicherlich ein Teil davon. Unser Geschäftsmodell hängt allerdings noch wesentlich an den Auflagen der Printmedien. Entsprechend der Erosionen in diesem Markt, gehen auch unsere Umsatzerlöse zurück. Wir müssen deshalb sehr viel Kreativität aufwenden, um neue Angebote zu stellen aber auch im Markt außerhalb der Medienbranche Geschäfte zu machen.

Wie lauten die Angebote, mit denen Sie versuchen, die Umsatzeinbußen auszugleichen?
Im Medien-Segment müssen wir uns neuen Formaten anpassen, die der Endverbraucher verlangt. Das reicht von interaktiven Grafiken bis hin zu Datenangeboten. Außerhalb des Medienmarktes, also beispielsweise im Bereich der Wirtschaft oder der öffentlichen Verwaltung, müssen wir die Angebote für die unterschiedlichen Zielgruppen schärfen. Wir haben unseren Basisdienst Select um weitere digitale Dienstleistungen ergänzt. Mit Buzzrank beispielsweise bieten wir Social-Media-Analysen an. Ein weiterer wichtiger Baustein ist der Bereich Custom Content, in dem wir maßgeschneiderte Inhalte für Unternehmen erstellen. Oder auch die Angebote unserer Töchter wie news aktuell oder picture alliance.

Wenn wir über neue Märkte sprechen, müssen wir kurz auch über neuen Wettbewerb sprechen. Wie reagiert die dpa auf den Trend der Zentralredaktionen, wie sie die Funke oder auch die Madsack Mediengruppe geschaffen haben?
Ich glaube, dass die Zentralredaktionen wichtige Kunden und Ansprechpartner für uns sind. Ihre Bedürfnisse werden sich automatisch anders entwickeln als die anderer Kunden. Unsere Aufgabe ist, mit ihnen zu arbeiten und sich ihren Bedürfnissen anzupassen. Wir sind in vielen Gesprächen und führen einen guten Austausch.

Zentralredaktionen agieren als eine Art Agentur innerhalb des eigenen Unternehmens, zusätzlich bauen sie ein Dienstleistungsgeschäft auf. Der Wettbewerb ist offensichtlich.
Ich teile diese Ansicht nicht. Vor allem in nachrichtlichen Großlagen ist die dpa sehr unique und weniger eine Redaktions- als eine Einsatzorganisation. Die Qualität, die hier geboten wird, hat auch für Zentralredaktionen einen ganz hohen Wert. Ich denke nicht, dass wir aus der Bedeutung fallen.

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