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“Nicht akzeptabel”: Buchverlage laufen Sturm gegen ab Januar kostenpflichtiges „Spiegel Bestseller“-Logo

Für Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass könnten die neuen Bestseller-Regeln ein lohnendes Zusatzgeschäft werden
Für Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass könnten die neuen Bestseller-Regeln ein lohnendes Zusatzgeschäft werden

Die Mitteilung des Spiegel las sich eher nebensächlich: Unter der Überschrift “Spiegel-Verlag beauftragt Harenberg Kommunikation mit Qualitätsoffensive für die Marke 'Spiegel-Bestseller'” meldeten die Hamburger in eigener Sache, dass man den Bestenlisten durch die Einführung einer Lizenz “ein einheitliches, unverwechselbares Erscheinungsbild” verpasst will. Die betroffenen Buchverlage und Händler rebellieren dagegen – denn das Gütesiegel soll sie künftig teuer zu stehen kommen.

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Diesen Schluss lässt zumindest ein aktueller Bericht der Branchenzeitung Börsenblatt zu. Die Fachjournalisten hörten sich bei Verlegern und Händlern um und sammelten eine Vielzahl von empörten Stimmen. Tenor: “Wir zahlen nicht”.

Der Spiegel hatte am 7. Dezember in seiner Kommunikation erklärt:

In den vergangenen Jahren wurden bei der Verwendung der Marke „SPIEGEL-Bestseller“ zunehmend unterschiedlichste, nicht mit der Corporate Identity des SPIEGEL abgestimmte Logos selbst entworfen und eingesetzt, ohne Freigabe und Prüfung durch den Lizenzgeber.
Um die korrekte Verwendung des Logos „SPIEGEL-Bestseller“ sicherzustellen, hat der SPIEGEL-Verlag die Harenberg Kommunikation mit Wirkung zum 1. Januar 2018 mit der Durchführung der „Qualitätsoffensive SPIEGEL-Bestseller“ beauftragt. Durch die Einführung einer Lizenz soll ein einheitliches, unverwechselbares Erscheinungsbild der Logos garantiert und außerdem sichergestellt werden, dass nur die Titel und Autoren mit einem SPIEGEL-Bestseller-Logo beworben werden, die sich in den Top 20 einer der Bestsellerlisten platziert haben.

Konkret bedeute dies, dass die Hamburger die Nutzung der entsprechenden Logos kostenpflichtig machen werden. Was das zum Teil bedeuten kann, zeigt die Preisliste, die das Harenberg-Portal Buchreport in seiner Rubrik SPIEGEL-Bestseller-Produkte veröffentlichte.

Für die Verlage, die ihre Bestseller weiterhin in Verbindung mit der Medienmarke Spiegel vermarkten wollen, stellte das Börsenblatt folgende Rechnung auf: “250 Euro pro Titel für die Verwendung der Logos in Vorschauen, Werbemitteln und Anzeigen, noch einmal 250 Euro für die Aufbringung auf Buchcovern. Für ein zusätzliches Premiumpaket „Spiegel-Bestseller Platz 1“ erfahren Kunden den Preis nur „auf Anfrage“.”

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Die entscheidende Formulierung dabei ist möglicherweise der Zusatz „auf Anfrage“. So erklärt der Spiegel gegenüber MEEDIA, dass die genannten Größenordnungen „nicht realistisch“ seien . „Für die wenigen Großverlage, die langfristig eine sehr hohe Anzahl an Spiegel-Bestsellern produzieren, sind Sondervereinbarungen möglich.“

In der Gesamtheit kann sich diese Preisgestaltung offenbar schnell zu hohen Beträgen summieren. So sprechen die drei größten deutschsprachigen Verlagsgruppen Bonnier, Holtzbrinck und Random House gegenüber dem Fachmagazin von zusätzlichen Vermarktungskosten durch das neue Modell – bei gleichbleibendem Leistungsumfang – von 250.000 Euro bis zu einer Million Euro pro Jahr.

Die Reaktionen der betroffenen Verlage reichen von “nicht akzeptabel” bis “schwer verständlich”. Ein Teil des Ärgers bezieht sich dabei auch auf die knappe Frist, weil die Umstellung zum Jahresanfang erfolgen solle. Dabei stellte der Spiegel gegenüber MEEDIA klar, dass alle bereits produzierten oder aktuell in Produktion befindlichen Materialien von dem neuen Modell ausgenommen seien. Zudem hätte man in den vergangenen Wochen bereits über das Modell mit Branchenpartnern gesprochen. Grundsätzlich legten die Hamburger Wert darauf, dass es ihnen darum gehe „die unkontrollierte und zum Teil falsche Nutzung des Spiegel-Bestsellerlogos“ zu unterbinden. Die hätte in den vergangen Jahren deutlich zugenommen. „Selbst entworfene oder auch unrechtmäßig eingesetzte Spiegel-Bestsellerlogos schaden unserer Marke und widersprechen der Idee des Logos, ein Qualitätssiegel für den Handel und die Leser zu sein“, erklärt der Spiegel gegenüber MEEDIA.

Besonders erbost sind die Buchprofis offenbar darüber, dass der Spiegel mit der langjährigen Praxis brechen würde, dass man voneinander profitiere. In den Buchläden ist stets das Logo des Spiegels zu sehen, gleichzeitig durften die Produzenten mit dem Bestseller-Status auch werben.

Auch aus Trotz fragt Heinrich Riethmüller, geschäftsführender Gesellschaft der Osianderschen Buchhandlung, wohl deshalb laut Börsenblatt, ob nicht viel eher dem Spiegel die Markenpräsenz in einer Vielzahl stationärer Buchhandlungen einiges Geld wert sein sollte?

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Alle Kommentare

  1. Martin sagt:
    15.12.2017 um 17:15
    Wer auf die Meinung der Mainstream-Medien noch irgendwas gibt, dem ist sowieso nicht zu helfen.

    Außer natürlich, der Spiegel schreibt etwas, was Ihnen in den Kram passt, nicht wahr? Beispielsweise, dass die Flüchtlingspolitik gescheitert ist.

  2. Der Spiegel läßt sich die Werbung, die man für ihn bei Verwendung seiner Produkte macht bezahlen. Guter Ansatz vom Spiegel.

    Der nächste Schritt könnte sein, daß die Pächter von Zeitungsläden dafür zu zahlen haben, wenn sie den Spiegel auslegen.

    Unsere Medien versuchen ja ohnehin, sich eine redaktionelle Erwähnung durch Google bezahlen lassen zu wollen. Gleichzeitig soll Google gezwungen werden, diese Erwähnung dann nicht einfach einzustellen.

    So ausweglos wie die GEZ – Zwangsabgabe bekommt der Spiegel das wohl nicht hin. Aber man ist nahe dran. Dem Spiegel fehlt das staatliche Zwangs-Privileg, aber so geht es ja auch.

    Fragt sich, wie der Spiegel an seine Daten gelangt, ob z.B. ein Kopp- Verlag die zugrunde liegenden Befragungen nicht günstiger darstellen könnte.

    Nee, das hat alles schon seine Ordnung.

  3. Es geht letztlich sicher auch darum, unliebsame Werke aus den Bestsellerlisten zu tilgen. Und selbst wenn diese Verlage zahlen könnten und wollten, muss man (Spiegel) dann ja kein Geschäft mit ihnen machen.

    1. Genau: der Spiegel-Verlag, die Speerspitze der weltweiten Zensur.

      Warum heißen Sie hier eigentlich „Jens“ und nicht „Donald“, „Wladimir“ oder „Recep Tayyip“?

  4. Warum sollte der SPIEGEL nicht davon profitieren, wenn mit seinen Logo verkaufsfördernd eingesetzt wird? Niemand wird dazu gezwungen, eine Lizenzvereinbarung abzuschließen.

    Allerdings ist die Entscheidung für dieses Erlösmodell jämmerlich kommuniziert: Zum einen stößt man die Vertragspartner ziemlich vor den Kopf, zum anderen ist der Begriff der Vereinheitlichung natürlich scheinheilig. Hier geht es ums Geld, aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Der SPIEGEL ist ein Wirtschaftsunternehmen. Und wenn solche Lizenzmodelle helfen, die wirtschaftliche Basis für Qualitätsjournalismus zu sichern, dann bitte mehr davon.

  5. Wer auf die Meinung der Mainstream-Medien noch irgendwas gibt, dem ist sowieso nicht zu helfen. Vermutlich ist die Masse der Menschen auch so … (gewünschtes Wort bitte einfügen).
    Aber die Masse der Menschen waren immer schon absolute Mitläufer mit der Macht. Wird die Macht ausgetauscht, laufen sie eben mit der neuen Macht mit.

  6. Überhaupt nicht nachvollziehbar, das Gemecker: Wird verboten, dass die Buchverlage auf die Platzierung in der Spiegel-Bestsellerliste hinweisen? Steht nirgendwo, und wäre nach dem Recht auf Zitate wohl auch gar nicht durchsetzbar.

    Also geht es gar nicht um Inhalte, sondern nur um die Verwendung Spiegel-eigener Grafiken als stärkerer visueller Anreiz. Die sind ganz offensichtlich für die, die damit werben, deutlich wirksamer als die bloße Nennung der Bestsellerplatzierung. Sonst würde es jetzt nicht so ein Geschrei geben. Warum soll der Spiegel-Verlag diese von ihm produzierte Leistung reichen Buchgroßverlagen schenken? Das sind keine armen Hascherl, sondern millionen- und milliardenschwere Konzerne.

    Ob die Platzierung des Spiegel-Logos im Gegengeschäft auch einen Wert hat – das darf man berechtigt entgegenfragen. Das ist jedoch keine moralische Kategorie, wie hier getan wird, das wird schlicht und einfach der Wettbewerb klären.

  7. Interessant ist doch, dass der SPIEGEL noch vor Kurzem gegen die Lizenzgebühren der Stiftung Warentest für die Nutzung deren Logos polemisierte und auch sonst alle Qualitätssiegel, für deren Ermittlung und Nutzung Lizenzgebühren fällig werden, als „gekaufte Siegel“ bezeichnet. Und nun das. Also darf man dann wohl die Platzierung in der SPIEGEL-Bestseller-Liste künftig auch als gekauft bezeichnen …

  8. Ehrlich gesagt ist dieser Aufkleber immer das Erste, was ich von neuen Büchern abpule. Nachher kommt noch jemand auf die Idee, ich würde den Spiegel lesen. Peinlich!

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