Partner von:
Anzeige

Von null auf vier Milliarden Pageviews: Upday-Macher über den rasanten Aufstieg des News-Aggregators und die Erfolgsformel Personalisierung

„Komponiert wie eine gute Zeitung“: Upday-Chefredakteur Jan-Eric Peters (li.) und Executive Director Ulrich Machold
"Komponiert wie eine gute Zeitung": Upday-Chefredakteur Jan-Eric Peters (li.) und Executive Director Ulrich Machold

3.500 Nachrichtenquellen, komprimiert in einer Smartphone-App: 2016 launchte Als Axel Springer zusammen mit Samsung sden News-Aggregator Upday und startete eine Expedition in ein Verlagsneuland. Heute kommt Upday weltweit auf 443 Millionen Visits, von denen 77 Prozent aus dem Ausland stammen. Bezogen auf Inlands-Visits belegt das Portal bereits Rang 6 unter den Nachrichtenmarken. In einem Gastbeitrag für MEEDIA erklären Chefredakteur und Chief Product Officer Jan-Eric Peters und Executive Editor Ulrich Machold das Erfolgsrezept für den rasanten Traffic-Zuwachs. Ein Werkstattbericht.

Anzeige
Anzeige

Von Ulrich Machold und Jan-Eric Peters

Während Sie diese Zeilen lesen, werden unsere Nutzer eine halbe Million Geschichten bei Upday „swipen“. 90.000 pageviews pro Minute oder fast vier Milliarden im Monat – das ist nicht schlecht für eine App, die es erst seit März 2016 so richtig gibt. Aber ehrlicherweise auch nichts, mit dem wir uns allein schmücken könnten: Es ist natürlich von unschätzbarem Wert, mit Samsung den Weltmarktführer als Partner in mittlerweile 16 europäischen Ländern gewonnen zu haben und auf sehr vielen Smartphones installiert zu sein.

Worauf wir aber schon ein wenig stolz sind, ist Updays Nutzung: Wie lange die Leute bei uns bleiben – im Schnitt fast drei Minuten bei jedem einzelnen Besuch. Wie viel sie lesen – 200 Millionen Mal im Monat rufen sie Artikel der eingebundenen Medien auf. Wie treu sie uns sind – auch ein Jahr nach ihrer ersten Nutzung sind noch weit mehr als die Hälfte dabei, was außergewöhnlich ist.

Für uns ist das vor allem ein Erfolg unserer Personalisierungsstrategie, auf die wir das Produkt von Tag eins an ausgerichtet haben.

Upday soll komponiert sein wie eine gute Zeitung: Das Wichtigste vorneweg, unsere acht bis zehn „Top News“, handverlesen und zusammengefasst in Landessprache von unseren 50 Redakteuren in acht europäischen Metropolen. Dann im richtigen Rhythmus bei „My News“ verschiedenste Themen auf unseren Story-Karten.

Dahinter liegen die Geschichten von mehr als 3.500 Quellen: Hardnews wie Softnews, Berichte wie Reportagen und Servicetexte, mal Trendiges, mal eher Zeitloses, Pflichtstücke ebenso wie überraschende Stoffe, von denen man nicht mal ahnte, dass sie einen interessieren. Alles mit dem Ziel, zum Weiterlesen zu animieren.

Unser erstes Entwicklungsteam taufte unser Projekt eines News-Aggregators mit journalistischem Anspruch „Symphony“. Diese Sinfonie haben wir in Algorithmen gegossen. Eine festgelegte Sequenz, ein Satz von jeweils 24 Noten wie „Trending“, „General“ oder „Funny“, die nacheinander ausgespielt werden. Ist ein Satz zu Ende, folgt der nächste, die Musik spielt immer weiter. A never ending stream.

Ein individueller Newsstream für jeden einzelnen Nutzer

Im Prinzip ist das zunächst einmal nichts Anderes als das, was Blattmacher schon immer tun: die richtige Mischung finden. Aber das ist neu: Wir passen diese Mischung individuell den Nutzern an, wir personalisieren sie. Jeder bekommt einen anderen, passenden My-News-Stream.

Das beginnt mit einer groben Filterung, die auf den Interessen basiert, die der User beim ersten Start der App angeben kann – ich mag Wirtschaft, Kultur und Sport, mag keine Musik und Wissenschaft, und so weiter, das geht bis in Detail, wenn man möchte (Fußball-Bundesliga ja, Eishockey nein).

Danach, an verschiedenen Stellen: Knöpfe, Herzchen, Blacklists, mit denen uns die User das Feedback geben, ob sie einen bestimmten Artikel gut fanden, was sie besonders interessiert, aber auch, welche Quellen sie nicht mögen oder was sie nicht mehr lesen wollen.

Für Upday funktionieren solche direkten Signale am besten – wenngleich sie nur der kleinere Teil unserer Leserschaft nutzt. Wer aktiv personalisiert, der ist im Schnitt doppelt so aktiv wie der Rest und liest viermal so viele Artikel.

Die Henne-Ei-Frage, ob starke Nutzung irgendwann zur Nutzung aller Möglichkeiten der App führt oder eben umgekehrt, können wir nicht sicher beantworten. Aber unsere Vermutung ist, dass die Wahrheit hier in der Mitte liegt, und das sagen dann auch ein paar Usertests dazu.

Als Reaktion auf solch explizites Feedback zeigen wir Quellen, Kategorien, Unterkategorien individuell häufiger oder weniger häufig oder entfernen sie je nach persönlichen Vorlieben sogar ganz. Das Gleiche versuchen wir abseits der Top News, die immer für alle gleich sind, demnächst auch mit Themen, die unser System in den verlinkten Artikeln selbst erkennt, zum Beispiel „Nordkorea“ oder „Champions-League-Finale“.

Natürlich lernt unsere Maschine auch passiv vom Nutzungsverhalten, welche Artikel werden gelesen, was wird schnell weggewischt, welche Karten werden geteilt. Diese passive Personalisierung ist nicht ganz so wirkungsvoll wie die aktive Variante, führt aber auch zu einer intensiveren Nutzung.

Alle Signale, aktive wie passive, gewichten wir mit Faktoren zu einem individuellen Reader-Profil, das wir immer wieder anpassen, überprüfen und hoffentlich verbessern. In unserer Symphonie zeigt sich Personalisierung dann beispielsweise in solchen Noten:

– „More of the same“: Wenn Sie einen Artikel zu einem bestimmten Thema mochten, mögen Sie wahrscheinlich auch weitere zu diesem Thema. Die simpelste Art der Personalisierung, die nach wie vor recht gut funktioniert.

– „Collaborative Filtering“: Wenn Ihr User-Profil anderen Profilen ähnelt, gefallen Ihnen wahrscheinlich auch Themen, die diesen anderen Usern gefallen, die Sie aber noch nicht gesehen oder ausgewählt haben. Den meisten Menschen dürfte das von Amazon bekannt sein: „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch…“ In unserem Werkzeugkasten ist das eines der wirkungsvollsten Tools, durch das wir sehr häufig Öffnungsraten der verlinkten Artikel im zweitstelligen Prozentbereich erreichen.

– „Trending“: Schlicht, direkt – was auf Social Media oder in unserer App allgemein die meisten Menschen interessiert, interessiert womöglich auch Sie. Klappt oft.

Anzeige

Regelmäßig spielen wir aber auch gezielt die Note „Serendipity“ aus. Das sind Nischenthemen, von denen wir absolut nicht annehmen können, dass Sie sich für sie interessieren. Auf den ersten Blick vielleicht widersinnig, für uns aber ein wichtiger Ansatz, um ab und an zu testen, ob Sie unsere Maschine nicht einem zu engen Themenspektrum zugeordnet hat. Was durchaus passieren kann.

Alles eine Frage der Personalisierung: Die Kombination von Mensch & Maschine ist das Erfolgsrezept von Upday

Die größte Herausforderung bei allen Ansätzen ist gleichwohl – die Personalisierung selbst. Denn logischerweise steckt in jeder Annahme, dass jemand etwas Bestimmtes mag, auch die Vermutung, dass er etwas Anderes weniger mag. Wenn man das zu Ende denkt, landet man bei eben jener Filterbubble, die spätestens seit der Fake-News-Debatte den Social-Media-Plattformen wie ein Mühlstein um den Hals hängt.

Je mehr positive Nutzersignale vorliegen, desto größer ist die Gefahr, andere Signale nicht mehr zu berücksichtigen. Anders gefragt: Wie zeigen wir dem Nutzer die Dinge, von denen wir denken, dass er sie mag, ohne ihm die Gelegenheit zu nehmen, uns mitzuteilen, was ihm sonst noch wichtig ist?

Denn die meisten Menschen sind ja nicht an einem endlosen Strom von Geschichten allein zu persönlichen Vorlieben interessiert, sondern an einer für sie relevanten Auswahl – was eine ganz andere Sache ist. Man möchte keine wichtigen Nachrichten verpassen, man will auch die bestimmenden Themen der eigenen Peer-Group im Blick behalten.

Social Media deckt einen Teil hiervon gut ab. Aber Relevanz herzustellen ist ohne menschliche Hilfe eine bislang doch weitgehend unbewältigte Herausforderung. Selbst Facebook hat das bei Nachrichten so zermürbt, dass als „Trending News“ dort mittlerweile nur noch eine breite Auswahl von Artikeln gezeigt wird.

Bei Upday lassen wir die Top News des Tages deshalb ausschließlich von Journalisten kuratieren. Algorithmen und Personalisierung gibt es an dieser Stelle nicht, es zählt allein journalistische Erfahrung und persönliches Einschätzungsvermögen.

Weil wir nicht wollen, dass unsere Nutzer in einer Filterbubble verschwinden, sondern jederzeit wissen, was für alle wichtig ist. Das ist unser journalistischer Anspruch. Wir finden die relevanten Nachrichten und servieren dazu die besten und wichtigsten Geschichten der Verlage einem breiten Publikum.

50 Redakteure in acht Metropolen in Europa sind natürlich eine kostspielige Angelegenheit – aber auch wertvoll. Die Leser schätzen professionellen Journalismus. Unsere Daten bestätigen das: Der weitaus größte Teil der Upday-User liest zuerst die Top News, erst dann besuchen sie den personalisierten Teil der App. Die Kombination von Mensch & Maschine ist das Erfolgsrezept von Upday.

Vorbild E-Commerce: Medien können nicht nur von Facebook & Co. lernen, sondern vor allem auch vom Handel

Nach anderthalb Jahren sind wir soweit zufrieden mit der Performance unseres News-Services. Andererseits merken wir erst jetzt so richtig, was noch möglich ist. Als Nächstes wollen wir Features bauen, die mehr explizite User-Reaktionen erzeugen, dabei aber auf Dingen aufbauen, die wir schon über unsere Nutzer wissen. Wir haben da ein paar Ideen…

Außerdem testen wir gerade personalisierte Push-Mitteilungen, also Benachrichtigungen zu Themen aus individuellen Interessensgebieten, ebenso wie „rich media pushes“. Das sind Benachrichtigungen, die beispielsweise gleich mit einem Foto direkt aufs Handy kommen.

Last but not least stehen Machine-Learning-Modelle auf unserer Roadmap, mit denen wir noch besser Muster in der Nutzung erkennen, Userverhalten vorhersagen und für Empfehlungen nutzen wollen. Wir können uns vorstellen, so auch persönliche Interessensgebiete zu entdecken, die dem Leser selbst womöglich noch gar nicht bewusst gewesen sind.

Wer sich mit dem Thema Personalisierung auskennt, dem dürfte auffallen, dass es für vieles, was wir tun, Vorbilder im E-Commerce gibt. Tatsächlich können Medien nicht nur von Facebook & Co lernen, sondern vor allem auch vom Handel. Besonders, wenn man sich vor Augen führt, dass die Zukunft vieler traditioneller Medienmarken immer stärker vom Verkauf von Inhalten, von Vertriebserlösen abhängen dürfte als von Werbeerlösen.

Erfolgreiche Monetarisierung ist eine Personalisierungsfrage. Wer sagt denn, dass eine Paywall für alle Nutzer gleich sein sollte? Es geht nicht mehr wie früher um das Abo für alle, sondern um den Vertrieb und den Verkauf von Paketen, die für den einzelnen User attraktiv sind. Verschiedene Inhalte, individuell zugeschnitten, und das wahrscheinlich auch zu unterschiedlichen, individuell passenden Preisen.

Nichts, mit dem wir uns aktuell für Upday auseinandersetzen müssen. Aber es ist clever, wenn man es in Verlagen tut.

 

Über die Autoren: Jan-Eric Peters ist Chefredakteur und Chief Product Officer von Upday, Ulrich Machold ist Director Product und Executive Editor

 

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia