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MEEDIA-Wochenrückblick: Die Fürstin und die Yellows – wünscht sich Charlène von Monaco ein Tierbaby?

Le Eumann, die Fürstin  von Monaco, Herr Jauch und der Erdo-Styler
Le Eumann, die Fürstin von Monaco, Herr Jauch und der Erdo-Styler

Der neue Direktor der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz wünscht sich Gratulationen von Journalisten und bekommt sie anders als er denkt. Die Bild übt sich im Clickbaiting. Der türkische Staatspräsident pflegt Schulhof-Slang und ein Verlagsanwalt findet eine ganz und gar ungewöhnliche Interpretation für eine Yellow-Titelstory. Die MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Das muss man sich erst einmal vorstellen. Da interviewt man den frisch gewählten, bzw. frisch gebackenen Direktor der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), Marc Jan Eumann (SPD), stellt die eine oder andere kritische Frage und dann sagt der Herr Eumann Folgendes:

Ich will Ihnen aber sagen, Frau Klein, ganz offen: Ich finde, zum Stil gehört auch, dass Sie mir einfach mal gratulieren, dass ich diese Wahl gewonnen habe.

Jaha. Warum nicht einfach mal gratulieren? Wozu sind Journalisten auch sonst da? Immerhin hat Isabelle Klein vom Deutschlandfunk Fassung bewahrt und einfach weiter kritisch gefragt. Das Interview mit Eumann machte eine gewisse Internet-Karriere, nachdem Medienkritiker Stefan Niggemeier die Stelle via Twitter an die große Glocke gehängt hat. Schnell wurde Eumann mit beißender Ironie zu diesem und jenem gratuliert, was ihn freilich nicht mehr sehr gefreut haben dürfte. Es lohnt sich, das komplette Interview des Deutschlandfunks mit ihm zu lesen, bzw. zu hören. Man fragt sich schon, wie das da so läuft mit den Landesmedienanstalten. In der anhaltenden Debatte um Staatsferne und Transparenz beim öffentlichen Rundfunk hat Eumann seiner Institution jedenfalls einen Bärendienst erwiesen (Ja, ja, ich weiß, das die Landesmedienanstalten den Privatfunk „kontrollieren“ – sie selbst sind aber öffentliche Einrichtungen, die eben von Rundfunkbeiträgen finanziert werden und in der Theorie auch „staatsfern“ sein sollten).

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Was musste ich diese Woche bei Bild.de lesen: „Riesenkrach bei ‚Wer wird Millionär?‘“ lautete die Überschrift, auf die ich prompt geklickt habe beziehungsweise hereingefallen bin. Im dazugehörigen Artikel stellte sich schnell heraus, dass es gar keinen „Krach“ im Sinne von „Streit“ gab, sondern nur Getöse, weil ein Monitor während der Sendung runtergefallen war. Wenn Sie „Riesenkrach bei …“ lesen, da denkt doch jeder an einen handfesten Zoff und nicht bloß an eine langweilige Technik-Panne. Dachte eigentlich, solche billigen Clickbaiting-Mätzchen hätte die Bild nicht nötig.

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US-Präsident Donald Trump sorgte diese Woche mit der Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt mal wieder für Wirbel und reichlich Ärger. Kritik kam auch aus der Türkei. Der dortige Staatspräsident Erdogan wurde wie folgt zitiert:

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„Hey Trump, was machst Du?“ Hallo? Dieses penetrante Geduze und Angehaue ist offenbar Erdo-Style. Das hat er mit Angela Merkel auch schon gemacht („Verehrte Merkel, Du unterstützt Terroristen.“) und mit Außenminister Sigmar Gabriel („Wer bist du denn, dass du mit dem türkischen Präsidenten redest?“). Normalerweise würde man solche Umgangsformen unter pubertierenden Jugendlichen auf dem Schulhof vermuten, nicht aber in der internationalen Diplomatie. Die oben gezeigte Zitate-Kachel der „Tagesschau“ wirkt darum wie aus der „heute-show“. Ist aber leider echt.

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Das Fürstenhaus von Monaco und die Yellow-Presse haben bekanntermaßen eine ganz besondere Beziehung, die nicht selten vor Gerichten verhandelt wird. Skurril bis amüsant kann es werden, wenn Verlagsanwälte die „Recherchen“ und herbei-fantasierten Titelstorys im Gerichtsaal verteidigen müssen. Jüngst dabei zu besichtigen war Dr. Holger Nieland von der Kanzlei Damm + Mann, die unter anderem das Freizeit Blatt (SCG Verlag Ltd.) vertritt. Vor dem Landgericht in Hamburg erklärte er eine Titelseite, auf der das Blatt in Bezug auf Charlène von Monaco schrieb: „Baby Nummer 3 – Wie sich Alberts Frau verraten hat“.

Was deutet eine solche Zeile zart an? Möglicherweise, dass die Fürstin schwanger ist? Nicht unbedingt, wenn man dem Juristen folgt: „Es steht nirgends, dass es sich um ein Menschen-Baby handeln muss,“ erklärte Dr. Nieland den Richtern. Das Wort „Baby“ könne schließlich auch auf ein Haustier bezogen sein. Immerhin schafften sich viele Familien „zur Finalisierung ihres Lebensglücks“ Tier-Nachwuchs an. Da sage noch einer, Juristen hätten keine Fantasie. Dem Gericht fehlte die Fantasie, diese Volte nachzuvollziehen – gücklicherweise.

Schönes 2. Advents-Wochenende!

Mitarbeit: Marvin Schade

PS: In der aktuellen Folge des Podcasts „Die Medien-Woche“ geht es u.a. auch um den Fall Eumann und außerdem darum, ob die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“ nun supertoll ist oder mehr so naja. Viel Spaß beim Reinhören:

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