Anzeige

Vor der Abspaltung? Springer-Chef Döpfner gliedert Digitalgeschäft in Kommanditgesellschaft aus

Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner
Axel-Springer-CEO Mathias Döpfner

Erst teilt Springer-Chef Mathias Döpfner das nationale Verlagsgeschäft in Print und Digital auf, jetzt schafft er für das abgetrennte Digitalgeschäft den gesellschaftsrechtlichen Rahmen. Er bündelt die Sparte in einer eigenen Gesellschaft und dies in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft. Bislang hatte Döpfner eine gesellschaftsrechtliche Abspaltung aus dem Konzern verneint, jetzt könnte es anders kommen. Die Unruhe in der Springer-Belegschaft wächst.

Anzeige
Anzeige

„Es wird keinen Verkauf geben, es wird keinen Börsengang geben, es wird keine Abspaltung geben“ – mit diesen Worten hatte Springer-Chef Mathias Döpfner jüngst vor Konzernbetriebsräten Gerüchte über einen weiteren Umbau des Berliner Medienkonzerns eine klare Absage erteilt. Doch nun bekommen die Spekulationen über eine weitere Neuausrichtung des börsennotierten Unternehmens neue Nahrung. Der Grund: das Berliner Medienhaus (Bild, Welt) hat die „SPRING Axel Springer Digital News Media Management GmbH & Co. KG“ gegründet. Dies geht aus einer Eintragung im Handelsregister hervor. Damit spaltet Döpfner die digitalen Aktivitäten in einer eigenen Gesellschaft ab. Dafür wählt Döpfner die Rechtsform einer Kommanditgesellschaft (KG).

Döpfner strukturiert seit Monaten das nationale Verlagsgeschäft um. Künftig soll es zwei getrennte Bereiche für Print und Digitales in Deutschland geben. Den beiden separaten Sparten werden die jeweiligen Marken und Teams zugeordnet. Zu den Print-Marken gehören etwa „Bild“, „Bild am Sonntag“, „Welt“, „Bilanz“ und „Musikexpress“, zum Digitalbereich unter anderem „Bild Digital“, „Welt Digital“, N24 sowie die Digitalaktivitäten der Zeitschriften. Geführt wird die Digitalorganisation von WeltN24-Geschäftsführerin Stephanie Caspar, die darüber hinaus als Geschäftsführerin übergreifend für alle Digitalaktivitäten der nationalen Medienmarken und die Digitalvermarktung innerhalb von Media Impact, Kundenservice und IT verantwortlich zeichnet. Ausgenommen von dem Umbau sind die Redaktionen.

Jetzt bestätigt eine Springer-Sprecherin, dass das börsennotierte Medienhaus das neu ausgerichtete nationale Digitalgeschäft in eine eigene Gesellschaft bündelt. „Für die Aufstellung einer Gesellschaft müssen natürlich die entsprechenden gesellschaftsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Dies ist vor kurzem durch den Eintrag im Handelsregister für die Digitalgesellschaft erfolgt. Weitere Details werden derzeit noch erarbeitet. So wurde z. B. eine finale Entscheidung zum Namen der Gesellschaft noch nicht getroffen“, betont eine Firmensprecherin. Mit der Rechtsform der Kommanditgesellschaft eröffnet sich Döpfner die Chance, leichter Investoren an Bord zu holen. Sie könnten das Wachstum der Sparte weiter vorantreiben. Doch eine Firmensprecherin wiegelt ab. Es sei nicht geplant,“für den Digitalbereich Partner an Bord zu holen“, so die Sprecherin. Vorgesehen sei auch nicht, für den nationalen Printbereich eine eigene Gesellschaft zu gründen.

Anzeige

Mit der Aufteilung der deutschen Medienmarken stellt Döpfner seit Mitte des Jahres die Weichen, um das Digitalgeschäft weiter auszubauen und das unter der Strukturkrise der Branche leidende Printgeschäft zu festigen. „Es geht vor allem darum, den Printbereich zu stabilisieren und zu stärken“, sagte er jüngst vor Journalisten. Zudem wolle er das Geschäft rund um das Internet noch deutlicher auf Wachstum trimmen, hieß es. Denn dieser Bereich steuere bereits 77 Prozent des Gewinns bei und rund 70 Prozent des Konzernumsatzes. Von einem Verkauf von Teilen des Print- oder Digitalgeschäfts will der Unternehmenslenker allerdings nichts wissen. „Es geht keineswegs darum, hier zwischen Print und Online irgendwelche Gräben zu errichten – oder wie manche spekulieren – irgendwelche strukturellen Voraussetzungen zu schaffen für einen Verkauf“, machte Döpfner auf einer Telefon-Konferenz deutlich.

Die Neuausrichtung der Verlagsbereiche sorgt seit Längerem in der Belegschaft für massive Unruhe. Der Konzernbetriebsrat befürchtet, dass die neue Struktur zu Ausgründungen und Abspaltungen führen könnte. „Warum ist das, was gestern galt, heute komplett falsch? Wie wollen Sie die Belegschaft mitnehmen, und was kommt auf uns alle zu? Ausgründungen? Abspaltungen? Betriebsübergänge? Personalabbau?“, ermahnte jüngst die Springer-Betriebsratsvorsitzende Petra Pulver den Konzernchef in einer hausinternen Zeitung der Arbeitnehmervertreter, die MEEDIA vorliegt. Nun könnten die Befürchtungen des Betriebsrats mit der geplanten Gründung einer eigenen Gesellschaft zumindest für die nationalen Digital-Aktivitäten Realität werden. Fraglich wäre in diesem Fall, zu welchen Bedingungen die Mitarbeiter nach einem Betriebsübergang arbeiten müssten.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige