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#trending: der Nikolaus, die „Silence Breakers“, Markus Söder, Johnny Hallyday und ein erfundenes Restaurant, dass zur Nummer 1 in London wurde

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Guten Morgen! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Wenn ich nach Urlaubs-Domizilen suche, schaue ich immer auch auf Plattformen wie TripAdvisor nach, wie gut die Bewertungen der entsprechenden Unterkunft aussehen. In Zukunft werde ich die Kritiken wohl mit noch mehr Vorsicht genießen. In London hat es nämlich ein Vice-Autor geschafft, ein Restaurant, dass es nicht gab, zum bestbewerteten Restaurant der Stadt zu machen. Eins der #trending-Themen des Tages.

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#trending // News & Themen

Schon wieder hat ein österreichischer Artikel die Spitze der Social-Media-Charts von 10000 Flies Pro (Offenlegung: Ich bin Mitbetreiber) erreicht und alle Texte aus Deutschland geschlagen. Problem: Es ist ein selten dämlicher Artikel. Die Kronen Zeitung schreibt allen Ernstes darüber, dass Markus (4 Jahre alt) in seinem Kindergarten von den Erziehern erzählt wurde, dass es den Nikolaus nicht gibt, weil er schon lange tot sei. Was ja den Tatsachen entspricht. Die Krone lässt die Mutter des kleinen Jungen unfreiwillig komische Sätze wie „Er war richtig fertig, wollte danach nicht einmal mehr das Fenster bei seinem Adventkalender aufmachen. Das hat mir das Herz zerrissen“ sagen.

Ein Erzieher oder eine Erzieherin erzählt also einem 4-Jährigen, dass es den Nikolaus nicht gibt. Taugt eine solche Geschichte zum Aufreger? Erst recht, wenn die Krone doch den Direktor des Kinder- und Jugendservices beim Magistrat Linz zitiert, man habe sich „nach der Tradition der katholischen Kirche“ gerichtet? Die legt nämlich Wert darauf, dass der heilige Nikolaus nichts mit dem Weihnachtsmann zu tun habe und prangert die Kommerzialisierung des Nikolaustages an. Stattdessen sollen die historischen Hintergründe des Heiligen Nikolaus in den Vordergrund des Tages rücken.

Anstatt nun also die Katholische Kirche zu beschimpfen, findet das künftige Regierungsmitglied HC Strache von der FPÖ andere Schuldige: „Hier wird schon bei ganz kleinen Kindern ‚manipuliert‘, mit dem Ziel, unsere christlichen Traditionen und Bräuche auszulöschen!“. Die Katholische Kirche will also „christliche Traditionen“ auslöschen. Interessante Deutung des Vorgangs. Strache selbst sammelte mit seiner populistischen Empörung rund 9.500 Interaktionen auf Facebook ein, der Krone-Artikel kam insgesamt – mit allen weiteren Likes, Shares, etc. auf 18.000.

#trending // Social Media

„The Silence Breakers“ sind zur „Person of the Year 2017“ des Time-Magazines geworden. Hinter dieser Bezeichnung stecken all diejenigen – vor allem Frauen – die mit ihrer Stimme gegen sexuelle Belästigungen ankämpften, in dem sie die „Stille durchbrachen“. Ein Teil dieser vielen Stimmen schloss sich auf Twitter unter dem Hashtag #metoo zusammen, der inzwischen Millionen Male verwendet wurde.

Die Verkündung der „Person of the Year“ bescherte dem Time Magazine gigantische Aufmerksamkeit in aller Welt. Allein die aufwändige und ausführliche Aufbereitungsammelte im Laufe des Mittwochs über eine Million (!) Likes, Reactions, Shares, Kommentare, Tweets und Retweets auf Facebook und Twitter ein. Ein weiterer Artikel des Time-Chefredakteurs kam auf mehr als 300.000 Interaktionen, NPR, die HuffPost und zahlreiche weitere US-Medien landeten mit Artikeln ebenfalls bei sechsstelligen Interaktionsraten. In Deutschland erreichte Spiegel Online die meisten Likes & Co.: immerhin fast 3.000.

#trending // Wahljahr 2017

In Bayern hat offenbar direkt nach der Nominierung von Markus Söder zum Ministerpräsidenten der Wahlkampf begonnen. Die CSU postete auf Facebook ein Söder-Zitat und erreichte mit 8.300 Likes, Reactions, Shares und Kommentaren die meisten Interaktionen aller deutscher Polit-Posts des Tages: Der Inhalt: „Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben und um 10 Euro mehr Rente kämpfen, haben wenig Verständnis dafür, dass andere, die nur kurz hier sind und kein Bleiberecht haben, 5000 bis 6000 Euro bekommen sollen, nur um in ihre Heimat zurückzukehren.“ Die AfD fürchtet nun bereits Stimmen-Verluste an die CSU: Markus Söder plappere AfD-Positionen nach. Erfolgreicher als Meuthen war aber Die Partei – mit einem Plakat und dem Satz: „Jesus von Nazareth, Flüchtling, würde nicht die CSU wählen!

Posted by Die PARTEI on Dienstag, 5. Dezember 2017

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#trending // Entertainment

Frankreich trauert um einen seiner größten Musiker: Johnny Hallyday. Der 74-Jährige hatte in Frankreich 54 Goldene, 48 Platin- und 10 Diamant-Schallplatten bekommenüber 110 Millionen Alben verkauft. Zudem spielte er in zahlreichen Filmen mit. Am Mittwoch starb er nun an Lungenkrebs. Viele Medien wie Le Parisien20 MinutesBFM TV und TF1sammeltem mit der Todesmeldung zigtausende Interaktionen bei Facebook ein, Le Parisien sogar mehr als 100.000.

Céline Dion trauerte mit einem gemeinsamen Foto von sich und Hallyday und bekam dafür rund 60.000 Likes & Co., ähnliches tat Ed Sheeran auf Instagram. Selbst Emmanuel Macron setzte einen Trauer-Tweet ab: „Wir alle haben etwas von Johnny Hallyday in uns. Das Publikum der Fans und Gläubigen, die er sich angeeignet hatte, ist in Tränen aufgelöst. Wir werden seinen Namen, seinen Mund und seine Stimme nicht vergessen. Jetzt ist er im Pantheon des Chansons, wo er sich mit den Legenden des Rock und Blues verbindet, die er so sehr liebte.“ 76.000 Likes und Retweets gab es dafür.

#trending // Worldwide

Großartige Geschichte aus London, die aufzeigt, wie leicht Bewertungsplattformen manipuliert werden können. In diesem Fall geht es um TripAdvisor und den Vice-Autoren Oobah Butler. Der hat aus dem kleinen Holzschuppen, in dem er zu leben scheint, ein Restaurant erfunden, um es bei TripAdvisor an die Spitze der Rankings zu bringen: „The Shed At Dulwich“. Ausführlich und lesenswert schildert er auf Vice.com nun, wie er mit Haushaltsgegenständen Fotos der angeblichen Gerichte produzierte, eine Website für das Restaurant baute, ein billiges Telefon kaufte, um sein Restaurant „verifizieren“ zu können und vieles mehr. Über 15.000 Social-Media-Interaktionen gab es für den Artikel innerhalb weniger Stunden.

Und es funktionierte: Obwohl das Restaurant gar nicht existierte, gab es eine Spitzen-Bewertung nach der anderen. Vor allem von Freunden und Bekannten. Je höher „The Shed“ in den Rankings kletterte, desto größer wurde plötzlich das Interesse von vollkommen Fremden, in dem angesagten Restaurant zu essen. Das Telefon klingelte über 100 mal pro Wochenende, ein Guardian-Kritiker wollte kommen, usw. Schließlich, am 1. November, gelang das Unglaubliche: „The Shed At Dulwich“ war laut TripAdvisor das beste Restaurant in London.

Schließlich offenbarte Butler sich TripAdvisor und bekam die lapidare Antwort: „Generally, the only people who create fake restaurant listings are journalists in misguided attempts to test us“. Dennoch zeigt der Fall natürlich auf, wie problematisch solche Plattformen sind. Schließlich hätten die vielen Fake-Bewertungen ja auch ein echtes Restaurant auf den ersten Platz bringen können. Aufgefallen wäre es womöglich ebenfalls niemandem. TripAdvisor hat „The Shed At Dulwich“ übrigens natürlich inzwischen gelöscht. Im Google-Cache lebt es aber noch.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Kronen Zeitung – „Kindergarten erklärt Nikolaus für tot“ (18.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Welt – „Flüchtlingsrat wehrt sich – ‚Helfen Afghanen nicht beim Untertauchen‘“ (2.800 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Süddeutsche Zeitung – „Stirb langsam

Google-SuchbegriffJohnny Hallyday(50.000+ Suchen)

Wikipedia-SeiteJohnny Hallyday(60.700 Abrufe)

Youtube-Video: NEO MAGAZIN ROYALE – „Nicht auflegen! Jan Böhmermann beantwortet Ping-Anruf aus Tunesien

Song (Spotify): Bausa – „Was du Liebe nennst“ (470.000 Stream-Abrufe aus Deutschland am Dienstag)

Musik (Amazon): „Bravo the Hits 2017“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Game of Thrones: Die komplette 7. Staffel“ (DVD)

Game (Amazon): „Super Mario Odyssey“ (Nintendo Switch)

Buch (Amazon): Jeff Kinney – „Gregs Tagebuch 12 – Und tschüss!“ (Gebundene Ausgabe)

#trending // Feedback und Teilen

Anmerkung: Alle in #trending genannten Zahlen beziehen sich wenn nicht anders vermerkt auf den Vortag der Newsletter-Veröffentlichung (Stand: 24 Uhr)

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