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Restrukturierung vor dem Abschluss: Spiegel-Gruppe will Umbau im Frühjahr 2018 beenden

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass: ehrgeizige Wachstumsziele weiter fest im Blick
Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass: ehrgeizige Wachstumsziele weiter fest im Blick

Lange Zeit galt die Spiegel-Gruppe für Journalisten und Verlagsmitarbeiter als sichere Bank. Bis 2015. Damals verkündete Firmenchef Thomas Hass deutliche Personaleinschnitte. Rund 150 Jobs fielen dem Rotstift zum Opfer. Jetzt steht der geplante Umbau des Verlags kurz vor seinem Abschluss. Trotz diverser Rückschläge bei seiner Innovationsstrategie hält Hass zudem an seinen Wachstumszielen fest.

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Der 17. Juni 2015 war eine Zäsur für die Spiegel-Gruppe. Erstmals in der Geschichte des Unternehmens verkündete Geschäftsführer Thomas Hass vor der Presse ein drastisches Sparprogramm. 149 der rund 727 Vollzeitstellen sollten eingespart werden. Der ehemalige Chef des Vertriebsmarketings schloss damals auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Eine unpopuläre Maßnahme, die bis dato noch von keinem seiner Vorgänger in Betracht gezogen wurde. Doch Hass blieb nichts anders übrig. Er musste die Notbremse ziehen, wollte er nicht riskieren, dass die Gruppe mittelfristig in die roten Zahlen abrutscht. „Das dürfen wir nicht akzeptieren“, erklärte der Verlagsgeschäftsführer damals fest entschlossen.

Denn sinkende Anzeigenumsätze und nachlassende Vertriebserlöse hatten den Umsatz und Gewinn des Unternehmens mit seinen drei Hauptsäulen Spiegel, Spiegel Online und Spiegel TV in den vergangenen Jahren massiv geschmälert. Setzte die Gruppe 2007 noch rund 352,5 Millionen Euro um, waren es 2014 nur noch 284,9 Millionen Euro, ein Minus von 19 Prozent. Noch deutlicher rauschte das Ergebnis nach Steuern in den Keller. Der Jahresüberschuss brach von 2007 bis 2014 um rund 48 Prozent auf 25,2 Mio. Euro ein. Die Geschäftsführung erarbeitete deshalb gemeinsam mit Führungskräften aus Redaktion, Dokumention und Verlag einen Katalog von 100 Maßnahmen, um die Kosten in den nächsten Jahren nachhaltig zu drücken. Das Ziel: rund 15 Millionen Euro sollten „nachhaltig“ eingespart werden.

Dies sollte unter anderem durch den Abbau von Sachkosten erfolgen, beispielsweise durch straffere Arbeitsabläufe und Outsourcing. Eine Maßnahme war die Anzeigendisposition. Sie wurde kurzerhand an den Spiegel-Miteigentümer Gruner + Jahr verlagert. Um mehr als neun Millionen Euro wollte Hass hierdurch einsparen. Die restliche Summe sollte über Personaleinschnitte erfolgen. Davon betroffen waren alle drei Abteilungen des Hauses. Am stärksten büßte der Verlagsbereich ein. Hier entfielen rund 100 Stellen. In der Redaktion waren es 35, in der Dokumentation 14 Arbeitsplätze. Vor allen über „Fluktuation“, „Ruhestand“, „Vorruhestand“, „Solidarmodelle“ oder „Freiwillige Transfer-Modelle“ wollte Hass die Belegschaft verringern, aber eben auch über betriebsbedingte Kündigungen.

Jetzt steht die Restrukturierung vor ihrem Abschluss. „Bis zum Ende des ersten Quartals 2018 werden wir alle geplanten Maßnahmen erfolgreich abgeschlossen haben“, erklärt eine Verlagssprecherin gegenüber MEEDIA. Damit kann in der Spiegel-Gruppe wieder Ruhe einkehren. Der Stellenabbau hatte die Stimmung in der Belegschaft gedrückt. Zuvor hatte der Medienhaus bereits turbulente Zeiten erlebt, inklusive Wechsel an der Verlagsspitze sowie in der Chefredaktion.

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Doch die Mitte 2015 von Hass ausgerufene „Agenda 2018“ sah nicht nur Einsparungen vor. Gleichzeitig wollte der Spiegel-Chef den Spagat schaffen, um mit Zukunftsprojekten das Haus wieder auf Expansionskurs zu trimmen. Der Geschäftsführer verkündete ein Programm von 15 Vorhaben, die in der Medienbranche mit Argusaugen verfolgt wurden. Dazu gehörten ein Innovation Lab, eine digitale Bezahlstrategie, die digitale Abendzeitung Spiegel Daily, der Ausbau des englischsprachigen Spiegel-Angebots, ein Regionalteil Nordrhein-Westfalen, der dem gedruckten Nachrichtenmagazin beigelegt werden sollte, sowie Veranstaltungen unter dem Namen „Spiegel Live“. Wie bekannt, folgten neue Printprodukte – unter anderem das Best-Ager-Magazin Spiegel Classic und ein Test von Spiegel Fernsehen, die Lifestyle-Beilage S-Magazin oder das Gesundheitsprodukt „wohl“.

Doch das Feuerwerk an Innovationen zündete nicht immer. Die NRW-Beilage wurde eingestellt, ebenso verschwanden Spiegel Classic und Spiegel Fernsehen schnell in der Versenkung. Die digitale Abendzeitung Spiegel Daily, die als großer Hoffnungsträger für Qualitätsjournalismus im Web galt, erfüllt bislang wohl nicht die Erwartungen der Geschäftsführung. Dennoch: Hass hat sein Wachstumsziel weiter fest im Blick. Mit neuen Produkten will der Manager bis 2019 zusätzlich 20 Millionen Euro erlösen. „Ja, an diesem Ziel halten wir unverändert fest“, erklärt hierzu eine Verlagssprecherin auf MEEDIA-Anfrage.

Zur aktuellen Geschäftsentwicklung hingegen hält sich die Firmensprecherin bedeckt. „Wir liegen voll im Plan“, heißt es hier knapp. Zuletzt hatte der Spiegel-Chef in einem Interview mit dem Branchenmagazin Horizont für 2016 einen um 3,6 Prozent auf 269,5 Millionen Euro gesunkenen Gruppenumsatz genannt, den Jahresüberschuss gab er mit rund 26 Millionen Euro an. Welchen Umsatz und Gewinn er für dieses Jahr anstrebt, bleibt bislang Verschlusssache. Fragen hierzu beantwortet die Verlagssprecherin kurz und bündig: „Zum Geschäftsjahr 2017 noch kein Kommentar.“

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