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Aus für jetzt: Der Süddeutsche Verlag stellt gedrucktes Jugendmagazin zum zweiten Mal ein

Viermal im Jahr lag die gedruckte jetzt seit 2011 der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung bei – nun stoppt der Verlag das Printheft
Viermal im Jahr lag die gedruckte jetzt seit 2011 der Montagsausgabe der Süddeutschen Zeitung bei – nun stoppt der Verlag das Printheft

Der Verlag der Süddeutscher Zeitung wird um ein Print-Produkt ärmer. Das Münchener Medienhaus stellt ab 2018 das bislang vierteljährlich als Beilage erscheinende Jugend-Magazin jetzt in gedruckter Form ein. Der Verlag sieht hierfür offenbar keine wirtschaftliche Perspektive mehr. Damit ist das renommierte Zeitungshaus zum zweiten Mal gescheitert, jetzt als Print-Produkt am Leben zu erhalten.

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Ob Handy oder Computer – die Jugend von heute interessiert sich offenbar im Zeitalter der elektronischen Kommunikationsmittel immer weniger für das Gedruckte. Dem Trend fällt nun die Print-Beilage jetzt zum Opfer. Der Süddeutsche Zeitungsverlag wird das gedruckte Magazin, das dem publizistischen Flaggschiff Süddeutsche Zeitung (SZ) beiliegt, ab 2018 einstellen. Dies bestätigt eine Sprecherin der Südwestdeutschen Medienholding (SWMH) gegenüber MEEDIA.

Mit jetzt hatte der Süddeutsche Verlag die junge Zielgruppe der Schüler, Studenten und Young Professionals im Blick. „Jetzt ist ein vielseitiges Magazin mit Geschichten von, für und über junge Menschen. Die junge Redaktion von jetzt teilt die Interessen der Zielgruppe, kommt aus ihrer Lebenswelt und spricht ihre Sprache“, lautete die Eigenwerbung für das Magazin. Die „verkaufte“ Auflage für die Zeitschrift, die die Süddeutsche Zeitung als Trägermedium nutzt, gibt der Verlag mit mehr als 340.000 Exemplaren an.

Das jetzt-Magazin hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Erstmals erschien der Titel am 17. Mai 1993 als Beilage der Süddeutschen Zeitung. Jeden Montag lag die Zeitschrift der Tageszeitung bei. Mehrfach gewann die als „authentische Stimme der Jugend“ bezeichnete Zeitschrift Preise und Auszeichnungen. Zudem schrieben bekannte deutsche Schriftsteller für das Blatt – darunter Benjamin Lebert („Crazy“). Redaktionsleiter war zu dieser Zeit Timm Klotzek.

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Doch 2002 stellt der Verlag den Titel – unter massiven Protesten von treuen Lesern – ein und führte hierfür Kostengründe an. Klotzek verließ das Münchener Verlagshaus und gründete darauf mit einigen jetzt-Kollegen das Magazin Neon, das junge Magazin des zu Gruner + Jahr zählenden Flaggschiffs stern. Im Frühjahr 2011 unternahm der Süddeutsche Verlag noch einmal einen neuen Anlauf und belebt jetzt in gedruckter Form wieder. Seither erscheint die Zeitschrift viermal im Jahr. Klotzek kehrte Mitte 2011 zu seinem alten Arbeitgeber Süddeutsche Zeitung zurück und leitet als Co-Chef die Redaktion des Magazins der Süddeutschen Zeitung.

Mit dem Ende der gedruckten jetzt-Beilage werde sich die Redaktion auf die Webseite konzentrieren, heißt es in Kreisen der Süddeutschen Zeitung – jetzt ist eines von mehreren gedruckten Magazinen, das der SZ beiliegt. Dazu gehören beispielsweise Stil Leben oder golf spielen. Diese Titel sind vor allem für die Vermarktung der SZ wichtige Beiboote. Das Jugendmagazin jetzt erscheint in einer Auflage von rund 340.000 Exemplaren und hat laut aktuellen Mediadaten eine Reichweite von 1,24 Millionen Lesern, hat aber nach Einschätzung von Branchenbeobachtern in den vergangenen Jahren in der Vermarktung die Erwartungen nicht erfüllen können. Wohl aus diesem Grund stoppt der Verlag nun das niederfrequente Print-Produkt und setzt bei der Marke jetzt komplett auf Digitalpräsenz.

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Alle Kommentare

  1. Die Inhalte der JETZT finde ich klasse, aber ich lese sie lieber online. Sie sind so aktuell, dass es dauernd etwas Neues gibt. Ein gedrucktes Exemplar interessiert mich nicht. Print nervt, weil er entweder schnell zu Altpapier wird, und auch weil mir der Platz zum Archivieren fehlt.

  2. Jetzt sollte noch DIE ZEIT ihre zett und der Spiegel bento einstellen.Was da alles als jugendgerecht rausgehauen wird, zeigt, dass die Verlage die Heranwachsenden doch als recht minderbemittelt einstufen.

  3. Vielleicht hat Nordkorea ein Interesse an einem solchen Jugendmagazin.
    Die Indokrinierung dürfte inhaltlich deckungsgleich sein.

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