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„Eher ein Marketinggag“: WallStreet:Online-Vorstand warnt vor Kai Diekmanns Zukunftsfonds

Sieht den Zukunftsfonds kritisch: Thomas Soltau ist Vorstandsvorsitzender von FondsDiscount.de und der wallstreet:online Capital AG
Sieht den Zukunftsfonds kritisch: Thomas Soltau ist Vorstandsvorsitzender von FondsDiscount.de und der wallstreet:online Capital AG

Der ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und der Starbanker Leonhard Fischer wollen mit einem Mischfonds Sparern aus der aktuellen Zinsfalle retten. Thomas Soltau, Vorstandsvorsitzender von FondsDiscount.de und der wallstreet:online Capital AG, hat in einem Gastbeitrag für MEEDIA den Zukunftsfonds unter die Lupe genommen. Sein Urteil: Die Sparer sollten den Mischfonds meiden. Zu hohe Kosten, zu hohe Risiken könnten die Anleger um ihre Ersparnisse bringen.

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Ein Gastbeitrag von Thomas Soltau

Die Nachricht, dass Kai Diekmann und Leonhard Fischer einen Zukunftsfonds planen, kam überraschend. Vor allem die äußerst ambitionierten Ziele – ein angestrebtes Fondsvolumen von 20 Milliarden Euro, niedrigste Kosten und eine geplante Rendite von 2 bis 4 Prozent p.a. bei einer quasi risikolosen Anlagestrategie – klingen fast zu gut, um wahr zu sein. Bei näherer Betrachtung verhärtet sich dieser Verdacht.

Grund genug, die öffentlichen Informationen über den Zukunftsfonds einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Da wären zunächst die „geringen Gesamtkosten“ von 1,4 Prozent, mit denen Kai Diekmann laut Interview im Manager Magazin rechnet. Warum Diekmann und Fischer das als besonders günstig betrachten, bleibt deren Geheimnis. Vor allem unter dem Aspekt, dass im Verkaufsprospekt des Fonds auch höhere Maximalwerte angegeben werden: So können die Fondskosten sogar bei maximal 1,85% liegen, dazu kommen noch zusätzliche Kosten wie die 0,07% p.a. an die Verwahrstelle und maximal 2% Transaktionskosten.

Unter den zehn beliebtesten Mischfonds der FondsDiscount.de-Kunden gibt es jedoch günstigere Alternativen: So liegt etwa „Kapital Plus“ der Allianz DI mit 1,15 % laufende Kosten deutlich unter jenen des Zukunftsfonds. Auch „Arero – Der Weltfonds“ der Deutschen Asset Management schlägt den Zukunftsfonds mit 0,50 % laufende Kosten deutlich in der Gebührenstruktur, zudem muss in diesem Fall auch kein Ausgabeaufschlag gezahlt werden.

Bei den anderen acht der Top-Ten-Fonds liegen die laufenden Kosten zwischen 1,43 Prozent und 1,83 Prozent und sind damit ungefähr mit jenen des Zukunftsfonds vergleichbar. Der große Unterschied: Fast alle dieser Fonds gibt es seit Jahren beziehungsweise Jahrzehnten und das Management musste sich bereits in schwierigen Marktzeiten behaupten. Der Zukunftsfonds will zur Kostenersparnis für den Anleger keinen Ausgabeaufschlag kassieren. Dieses Argument zählt nicht, wenn ein Fonds über einen Fondsdiscounter wie FondsDiscount.de gekauft wird, denn das Geschäftsmodell der Discounter sieht vor, Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag zu vermitteln.

Ein weiterer Kritikpunkt am Zukunftsfonds: Keine Geldanlage ist risikolos. Gerade, weil Diekmann und Fischer als Zielanleger die Kleinsparer im Blickfeld haben, die noch nie in Fonds, Aktien oder Anleihen investiert haben und ihr Geld trotz Niedrigzinsen auf dem Sparbuch belassen, ist diese Argumentationsweise besonders gefährlich. Ein Blick in den Fondsprospekt zeigt auch sofort, dass die ganze Bandbreite an Derivatgeschäften erlaubt und gewollt ist. Bis zu 10 Prozent des Wertes des Fonds darf die Gesellschaft in Wertpapiere anlegen, die nicht zum Handel an einer Börse zugelassen sind. Gerade diese OTC-Geschäft („over the counter“) finden in einem nicht regulierten Handelsmarkt statt.

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Das Vorgehen ist zwar nicht ungewöhnlich, da Fondsmanager mit solchen Positionen ihr Portfolio absichern, dennoch entstehen dadurch mindestens Risiken durch einen Ausfall beziehungsweise einer Insolvenz der Kontrahenten. Das bedeutet nicht, dass Derivatgeschäfte grundsätzlich ein zu hohes Risiko sind, aber es ist unaufrichtig, eine sichere Geldanlage vorzutäuschen und so eine falsche Erwartungshaltung bei den Investoren zu wecken. Die Deutschen sollen in Aktien und Fonds investieren und sich verstärkt mit diesen Themen beschäftigen, aber sich auch über die Möglichkeit von Marktschwankungen im Klaren sein. Denn, sicher ist auch: der nächste Börsencrash wird kommen. Die Erholungsphase danach aber eben auch und diese Geduld können die Investoren nicht aufbauen, wenn eine Geldanlage, die als sicher angepriesen wurde, einmal zweistellig Verluste zu verbuchen hat.

Neben dem Risiko der Derivate gibt es zudem auch ein wachsendes Marktrisiko. Sobald die Zinsen steigen, werden sie auch die Märkte stark beeinflussen, vor allem die Rentenmärkte. Dazu muss man wissen: Die Gewinne der meisten Rentenfonds in den letzten Jahren beruhen nicht auf der Rendite, die durch den Zinscoupon ausgezahlt wurde, sondern auf den Kursgewinnen, die die Anleihen in diesem Zeitraum gemacht haben. Das diese Rendite nicht von Dauer ist, veranschaulicht exemplarisch eine Anleihe der Daimler (A169G0). Sie ist mit einem Zinscoupon von 0,85% p.a. ausgestattet, steht aber derzeit bei einem Kurs 102,55% (20.11.2017), wobei am Ende der Laufzeit (12.01.2021) Daimler jedoch nur 100% zurückzahlt. Die Rendite haben also nicht die Investoren gemacht, die jetzt kaufen (rechnerisch kommen die bei einem heutigen Kauf auf 0,054% p.a.), sondern die Investoren die aktuell investiert sind und nun verkaufen. Der Fonds muss natürlich neu investieren und kann von den Gewinnen der Vergangenheit nicht profitieren.

Zu guter Letzt: Das angestrebte Zielvolumen von 20 Milliarden Euro des Zukunftsfonds wurde interessant hergeleitet – die Initiatoren Diekmann und Fischer wollen dazu lediglich ein Prozent der 20 Milliarden Euro einsammeln, die aktuell auf deutschen Konten „herumliegen“. Zum Vergleich: Das Fonds-Flaggschiff Flossbach von Storch – Multiple Opportunities hat ein Volumen von 12,4 Milliarden Euro, wurde jedoch bereits im Jahr 2007 aufgelegt, der Carmignac Patrimoine umfasst sogar 23,7 Milliarden Euro und den Fonds gibt es schon seit dem Jahre 1989.

Selbst große, alteingesessene Fondshäuser sammeln nicht im Vorbeigehen die Milliarden ein. Die Zielvorstellung des Zukunftsfonds dürfte daher eher ein Marketinggag sein. Große Zahlen ziehen große Aufmerksamkeit auf sich. Interessant ist auch die Aussage von Leonhard Fischer im Manager Magazin, der erklärt, der Fonds bräuchte „zwischen 300 und 500 Millionen Euro Anlagevolumen, um den Break Even zu erreichen. Das schaffen wir aber nur, weil wir uns selber keine Gehälter bezahlen“. Das hieße ja, dass Kai Diekmann und Leonhard Fischer als Samariter für Kleinstanleger agieren würden. Zudem liegt in der von Fischer genannten Summe eine Differenz von 200 Millionen Euro. Nimmt man die kalkulierten Gesamtkosten von 1,4 % als Berechnungsgrundlage ergibt das einen Unterschied von 2,8 Millionen Euro. Interessant, dass ein Gesellschafter bei der Berechnung des Break Even eine Spanne von fast drei Millionen pro Jahr kalkuliert.

Insgesamt ist der Vorstoß zu begrüßen, die im Bereich Aktien und Fonds viel zu zurückhaltenden Deutschen zu einer Investmentanlage zu bewegen. Aber gerade aufgrund der negativen Erfahrungen der Vergangenheit dürfen nicht schon wieder große Erwartungen geweckt und die Kleinanleger dann enttäuscht werden – die Gefahr der Abkehr vom Aktienmarkt ist zu groß und die Bedeutung zu wichtig. Amerika zeigt, wie wichtig der Aktienmarkt für die Altersvorsorge und langfristige Geldanlage ist.

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