Anzeige

Artikel mit Tiernamen und Jahreszeitenchefredaktion: Schweizer Crowdfunding Magazin Republik stellt Konzept vor

Die ersten beiden Jahreszeitenchefredakteure der Republik: Christof Moser (l.) und Constantin Seibt
Die ersten beiden Jahreszeitenchefredakteure der Republik: Christof Moser (l.) und Constantin Seibt

Das Crowdfunding für das Schweizer Digitalmagazin Republik hat 3,4 Mio. Franken eingebracht - Weltrekord für ein journalistisches Projekt. Nun verrieten die Macher Details zu ihrem redaktionellen Konzept und das Startdatum: Am 15. Januar 2018 um 7 Uhr morgens erblickt die Republik das Licht der Welt.

Anzeige
Anzeige

Eine der Besonderheiten, die sich die Macher ausgedacht haben: Die Republik wird auf einen klassischen Chefredakteur oder eine Chefredakteurin verzichten. Stattdessen soll es eine „Jahreszeitenchefredaktion“ geben. Der Chef oder die Chefin wechselt alle drei Monate. Der jeweils nächste Chef aus Redaktionsreihen bekommt zuvor drei Monate Einarbeitungszeit als Vize. So sollen verschiedene Leute Gelegenheit bekommen, der Republik ihren Stempel aufzudrücken. Das ist ein ebenso interessantes wie gewagtes Konzept, denn gemeinhin sind Redaktionen eher hierarchisch aufgebaut und ein Kopf steht für das Medium, repräsentiert es nach außen. Die Macher sind sich offenbar bewusst, dass die Idee auch zu Problemen führen kann. In ihrem Info-Newsletter schreiben sie:

Aufrichtig gesagt, ist die Begeisterung von Management-Profis für dieses Modell gemischt. Es gibt durchaus ernst zu nehmende Warnungen: etwa, dass die Amtszeiten zu kurz sind oder die Verantwortlichkeiten nicht klar. Unsere Antwort darauf ist: Wir wollen das Modell probieren, weil es noch nie probiert wurde. Aber bewährt es sich nicht, schaffen wir es wieder ab.

Was nicht klappt, wird geändert. Es wird sich zeigen, ob das so einfach geht, wie es aufgeschrieben ist.

Anzeige

Als ein weiteres Problem wurde das Thema Geschwindigkeit identifiziert. Einerseits will die Republik als Digitalmagazin auch schnell sein, andererseits „haben wir ebenfalls den Verzicht auf Hektik versprochen: dass wir mit der Gelassenheit eines Lords, mit der Zurückgelehntheit einer Lady schreiben wollen.“ Um das Dilemma zu lösen, haben sich die Macher Tiernamen für Artikel-Formate ausgedacht. Die „Ameise“ ist dabei die kleinste Form, „ein kleines Skizzenformat für Anekdoten, Nebengedanken, Kurzpolemiken“. Die schnellste Form ist das „Wiesel“, eine Art Eilmeldung, die nur selten eingesetzt werden soll. Weiterhin gibt es „Leopard“ (Wichtiges wird in zwei, drei Tagen recherchiert), „Elefant“ (komplexe Recherchen von einer Woche und mehr), „Mammut“ (für solche Monster-Recherchen hat die Redaktion pro Jahr 240.000 Frankenzurückgelegt) und „Adler“ (Essays von auswärtigen Experten).

Dazu gibt es drei publizistische Bereiche namens Editorial („Die Redaktion schaut in und auf die Welt), Meta (Redaktion erklärt Handwerk und Irrtümer) sowie Social (Dialog mit dem Publikum) und noch vier so genannte Produktelinien: Recherche, Erklärartikel, Lagerfeuer (Stories jenseits von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die das Persönliche betreffen) und Datenjournalismus. Das klingt alles ambitioniert aber auch recht kompliziert. Man darf gespannt sein, wie sich dieses Konzept im fertigen Produkt machen wird.

Die ersten beiden Chefredakteur der Republik werden übrigens die Mit-Gründer Christof Moser und Constantin Seibt im Duo sein. Bis zum Frühling sollen dann ihre Nachfolger feststehen. Diese müssten dann, so die Republik in ihrem typischen Duktus im schlimmsten Fall „aufräumen müssen, im besten Fall eine neue Stufe zünden können“.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. „aber auch recht kompliziert“. Ein Zeitschriftenregal im Supermarkt ist vielfältig aber nicht „kompliziert“.

    Der lange Vorlauf klingt ungünstig. Zeitschriften kann man aufgrund der vorhandenen Infrastrukturen vermutlich in 4 Monaten an den Kiosk bringen. Digital noch schneller weil man Kindle, GooglePlayBooks, AppleRead(oder wie das heisst) usw. ja schon seit Jahren hat und bei der Druckerei immer PDF abliefern muss.

    Die Idee mit anlernen, Vize und Aufstieg hatte ich schon vor Jahren. Schön das jemand es mal durchzieht.

    Wiesel braucht man ständig weil ständig Sondermeldungen, Krisen, Attentate usw. im TV sind. Wer Ehre hat gibt zu das es eine Baustelle ist und man Infos einholt und das Wiesel zum normalen Artikel ausbaut. Wer schlau ist nutzt das kostenlose Knowhow der Leser.
    Geschichten weiter-erzählen ist auch wichtig und fehlt wohl als Konzept. Vielleicht auch allgemeine – ständig überarbeitete also quasi Bill Gates Haus bzw. der Kölner Dom – Erläuterungen z.b. worauf man beim TV-Kauf achten muss oder Sternenhimmel im Januar/Februar/…, Garten im März,…, Die Geschäftszahlen von Apple,… wobei Wikipedia oft auch gut ist und Templates wie „die nächsten Messen/Wahlen/Events/Politiker-Treffen auf unsere Kosten/Boni-Manager-Treffen/…“. Periodika planen periodische Ereignisse ein.

    Ist es daily ? Weekly ? oder ständig wie meedia/spiegel-online usw. ? Man sollte es natürlich separat kaufen können oder nach einer Weile free machen. Für meine mehreren Print-Abos würde ich das (und PDF-Vertrieb) auch deutlich begrüßen.

    Journalismus kann vieles besser machen. Es gibt viele Projekte. Die lernen hoffentlich voneinander. Und man sieht hieran aber auch an den vielen Fachzeitschriften, das Leute für Infos zahlen.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*