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Reporterpreis fürs Greenpeace Magazin? „PR bleibt PR, auch wenn sie im Gewand des Journalismus daherkommt“

Hasso Mansfeld
Hasso Mansfeld

Das Greenpeace Magazin ist für den Deutschen Reporterpreis nominiert und die Branche diskutiert, ob das OK ist. Die taz sieht die Nominierung kritisch. Kurt Stukenberg, Chefredakteur des Greenpeace Magazins, reagierte bei MEEDIA auf die Vorwürfe. Der Kommunikationsberater Hasso Mansfeld meint, zwischen Journalismus und PR muss klar getrennt werden.

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ein Gast-Kommentar von Hasso Mansfeld

Maggi ist von Maggi, Coca-Cola von Coca-Cola und das Greenpeace Magazin ist das Magazin von Greenpeace. So weit, so logisch. Könnte man denken. Aber letzteres wird gerade auf MEEDIA von Kurt Stukenberg, Chefredakteur des Magazins, in einer Verteidigungsrede gegenüber einem kritischen Artikel in der taz vehement bestritten. Immerhin werde sein Greenpeace Magazin „nicht von Greenpeace e.V. herausgegeben, sondern von der Greenpeace Media GmbH – einer hundertprozentigen Tochter der Umweltschutzorganisation.“

Anlass für den Streit um Journalismus oder PR ist die Nominierung eines Artikels einer freien Mitarbeiterin des Magazins für den Deutschen Reporterpreis in der Kategorie „Bester Essay“. Die Berliner taz erfuhr davon, fragte kritisch nach und brachte damit Stukenberg auf den Plan: „Sollen Journalistenpreise auch an PR-ähnliche Publikationen gehen?“ Nebenbei bemerkt darf die Greenpeace-kritische Stimme der taz als Beispiel für guten, völlig unabhängigen Journalismus gelten. Besonders dann, wenn man vermuten würde, die Zeitung stände solchen Umweltorganisation prinzipiell besonders wohlwollend gegenüber.

Zur Sache:  Die klare Trennung von Journalismus und PR ist erstes Gebot glaubwürdiger Zeitungsarbeit. Eine kri­ti­sche Prü­fung von In­for­ma­tio­nen und wei­te­re Re­cher­chen sind nur zwei Grund­la­gen, welche die Qua­li­tät eines jour­na­lis­ti­schen Pro­dukts ausmachen. Nun muss Public Relation, nicht grundsätzlich von minderer Qualität sein, aber als interessensgerichtete Kommunikation, muss  ihr Absender dem Adressaten, also dem Leser bekannt sein. „Jour­na­lis­mus hat der Öf­f­ent­lich­keit ge­gen­über den Auf­trag, un­ab­hän­gig zu in­for­mie­ren.“, erklärte beispielsweise der Journalist Prof. Dr. Vol­ker Li­li­en­thal 2011 auf einer Tagung der Hamburger Universität.

Das weiß auch Kurt Stukenberg und nimmt trotzdem für sein Greenpeace Magazin eben das in Anspruch, wenn er sich gegenüber den Anwürfen der taz rechtfertigt: „Das Greenpeace Magazin ist keine Mitgliederzeitschrift und ist redaktionell, inhaltlich und finanziell unabhängig.“ Seit fast 25 Jahren entscheide ausschließlich die Redaktion, was es ins Heft schafft und wie. Das Magazin sei sogar ein werbefreies. Das allerdings könnte man strenggenommen auch vom Lidl Magazin behaupten, Fremdwerbung findet auch dort nicht statt.

Petitesse am Rande: Seine besten Verkaufszahlen hatte das Magazin ausgerechnet beim Discounter Lidl. Dort verschwand es schon 2007 aus den Regalen. Nein, nicht etwa weil die Magazin-Macher bei Lidl nicht mehr vertreten sein wollten, Greenpeace Deutschland selbst nahm es aus dem Programm. Warum? Die NGO wollte nicht zusammen mit dem von ihm selbst beanstandeten Obst- und Gemüseangebot angeboten werden. So viel zur Unabhängigkeit des Greenpeace Magazins vom Namensgeber.

Nicht nur, dass Stukenberg die Qualität unabhängiger Zeitungsarbeit für sich in Anspruch nimmt, er arbeitet sich an zwei Big Playern des unabhängigen Zeitungsgeschäftes ab: dem Times Magazin und der Washington Post. Ersteres sei heute ausgerechnet im Besitz einflussreicher politischer Lobbyisten und Strippenzieher. Und die Washington Post würde dem Gründer von Amazon gehören. In beiden Fällen fragt Stukenberg, ob diese beiden Publikationen dann nicht auch Corporate Medien seien. Nun heißt die Washington Post allerdings nicht Amazon Post, aber das Greenpeace Magazin weiterhin Greenpeace Magazin.

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Nachdem er Zweifel an den ganz Großen gesät hat, wagt sich Stukenberg gleich an eine Neudefinition der Gold-Standards im unabhängigen Journalismus.  Zu seine Thesen gehören dabei auch ein leserabhängiges Erlösmodell und die  Freiheit von Anzeigenkunden. Stukenberg stellt  sein Magazin damit im Handstreich über die Gesamtheit der deutschen Qualitätsmedien mit  Werbeeinnahmen.

Nun ist das Greenpeace Magazin seinem Wesen nach eine Publikation, die zeigen will, was sein sollte, nicht was ist. Die sich also schon aus sich heraus der Kernforderung eines freien Journalismus entzieht. Ergebnisoffene Thematisierungen des Weltgeschehens finden dort nicht statt.

Nein, PR bleibt immer PR auch wenn sie im Gewande des Journalismus daherkommt. Eine klare Trennung bleibt daher zwingend notwendig. Möglicherweise lässt sich sogar sagen, die Reportage an sich sei preiswürdig. Höchst problematisch bleibt hier trotzdem das Wissen um den Erscheinungsort, der noch dadurch maximal unterstrichen wird, das der  Chefredakteur das Prozedere verteidigt und eben nicht die Autorin.

NGOs haben grundsätzlich einen großen Einfluss auf Publikation und Medien. Wenn jetzt die eigenen Publikationen von NGOs noch weiter in die Nähe von Journalismus gerückt werden, ist das ein weiterer Eskalationsschritt, der Partikularinteressen und Meinungen als journalistische Positionen vorstellt. Wer hier nun einwirft, es gäbe doch auch Meinungsartikel der müsste sich bewerben um den „Kommentar des Jahres“ – aber selbst hier bliebe es fragwürdig, wenn der Ursprungsort die Publikation einer NGO ist die noch dazu deren Namen trägt.

Abschließend muss noch über Journalistenpreise an sich gesprochen werden. So ist die Auslobung eines Journalistenpreises die simpelste wie wirkungsvollste PR-Maßnahme für einen Verband. So kommen dann beispielsweise der Hildegard von Bingen-Preis für Publizistik der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, der Spanische Tourismuspreis oder der  Deutsche Solarpreis für Medien zustande. Und so erklärt sich auch die hohe Zahl von fünfhundert  Journalistenpreisen – was im Übrigen nicht heißen soll, das es da keine gravierenden qualitativen Unterschiede gäbe. Lesen Sie, aber bleiben Sie dabei bitte kritisch. Nie war das so wichtig, wie heute.

Über den Autor:

Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte unter anderem für Unternehmen der Tabak-, Glücksspiel-, Finanz- und der Chemiebranche. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Hasso Mansfeld schreibt außerdem regelmäßig für das Online-Debattenmagazin diekolumnisten.de. Mansfeld trat 2014 als Kandidat der FDP für die Europawahl an.

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