Anzeige

Antisemitismus-Vorwürfe: ARD-Sender steigen bei Roger Waters-Konzerten aus – dabei hätten sie wissen müssen, worauf sie sich einlassen

WDR-Intendant Tom Buhrow (li.) und Musiker Roger Waters
WDR-Intendant Tom Buhrow (li.) und Musiker Roger Waters

Den Ärger hätten sich WDR, RBB & Co. mit einer kurzen Google-Recherche sparen können. Unter einem heftigen medialen Getöse erklärten gerade mehrere ARD-Sender ihren Verzicht auf die Konzert-Präsentation des ehemaligen Pink-Floyd-Sängers Roger Waters in Deutschland. Grund sind Antisemitismus-Vorwürfe gegen den Sänger. Diese sind jedoch ein alter Hut. Denselben Ärger gab es bereits 2013.

Anzeige
Anzeige

Am gestrigen Montag hatten gleich mehrere ARD-Sender erklärt, die kommenden Konzerte von Waters (im Sommer 2018) in Deutschland nicht mehr präsentieren zu wollen. So teilte der RBB mit, dass man damit auf die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Waters reagiere. Der Sender setze damit ein Zeichen gegen die Boykott-Aufrufe des Sängers zu Israel-Auftritten anderer Künstler.

“Hier klar Position zu beziehen, ist für den RBB ein wichtiges Signal auch an die jüdischen Gemeinden in Berlin und Brandenburg”, erklärte Intendantin Patricia Schlesinger. Andere ARD-Anstalten, unter anderen der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Norddeutsche Rundfunk (NDR), haben ebenfalls eine Präsentation von Waters verzichtet. Der Vorwurf: Der Künstler habe immer wieder zum Boykott Israels aufgerufen und auf Konzerten Ballons in Schweineform mit dem Davidstern aufsteigen lassen.

Waters gilt zudem als Unterstützer der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestition und Sanktionen). Die internationale Bewegung setzt sich für Sanktionen und einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik ein.

Die Vorwürfe sind existent, für die Sender offenbar auch schwerwiegend, aber nicht neu. Und das hätten auch die ARD-Sender wissen müssen – zumindest der WDR. Denn bereits vor vier Jahren gab es im Vorfeld eines Konzertes Düsseldorf viel Ärger. Auch damals bereits hatte die jüdische Gemeinde zum Boykott des Waters-Konzertes aufgerufen. Waters Einstellung zu Israel war u.a. auch Thema in der vom WDR in Auftrag gegebenen, umstrittenen Antisemitismus-Doku, die im Sommer erst nach einer breiten öffentlichen Debatte im ARD-Fernsehen gezeigt wurde.

„Roger Waters ist ein geistiger Brandstifter, für den es in unserer Stadt kein Forum geben darf“, zitierte damals Spiegel Online den Gemeindeverwaltungsdirektor Michael Szentei-Heise. „Das gesamte Bühnenbild weckt eindeutige Assoziationen an die Reichsparteitage und die Propaganda der NSDAP“. Weiter sagte er, dass Angst mache, wenn Zehntausende diese Veranstaltung besuchen und “trotz antisemitischer und nationalsozialistischer Symbolik zu Roger Waters Musik feiern, tanzen und applaudieren.“

Anzeige

Bereits am Wochenende schrieb WDR-Intendant Tom Buhrow der empörten Kritikerin Malca Goldstein-Wolf, dass der Westdeutsche Rundfunk die Zusammenarbeit mit Waters beende. Zuvor hatte die 48-Jährige in einer Petition darauf hingewiesen, dass der WDR einen „Judenhasser“ mit Gebührengeldern unterstütze. Buhrow antwortete: „Ich spüre, dass nicht viele Worte und Argumente Sie überzeugen werden, sondern nur eine eindeutige Handlung. Deshalb komme ich ihrer Bitte nach: Die Zusammenarbeit für das Konzert ist beendet“.

Bereits 2013 betonte Waters allerdings, dass er auch andere Symbole wie ein Kruzifix, Hammer und Sichel und Firmenlogos benutze.

Konzertveranstalter Marek Lieberberg hat das Verhalten der ARD-Sender in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen als „absolut lächerlich“ bezeichnet. Waters habe zwar eine bedenkliche private Meinung zu Israel. Er sei offen Mitglied einer Boykottbewegung, die Lieberberg ablehne. „Aber ich kann und will ihm sein Recht auf Meinungsfreiheit nicht bestreiten“, so der Musikmanager, der selbst ein Kind von Holocaust-Überlebenden ist.

„Wenn die Öffentlich-Rechtlichen einen Beitrag leisten möchten, fände ich es beispielhaft, wenn vor allen Beiträgen über Luther oder Wagner-Aufführungen auf die teilweise blutrünstigen antisemitischen Theorien dieser Herrn hingewiesen würde. Da gäbe es wirklich Nachholbedarf.“ Demgegenüber sei das künstlerische Werk von Roger Waters weder antisemitisch oder anti-jüdisch, sagte Lieberberg, der Chef von Roger Waters‘ Tourveranstalter Live Nation ist. „Der Kanon von Roger Waters und Pink Floyd ist und bleibt genial.“

Mit Material von dpa

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige