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High-Noon auf dem Radio-Markt: Freenet-Tochter Media Broadcast bringt UKW-Antennen unter den Hammer

In einer offenen eAuktion kommen rund 700 UKW-Antennen unter den Hammer: Auch die Antennen vom Fernsehturm am Alexanderplatz oder vom Europaturm in Frankfurt
In einer offenen eAuktion kommen rund 700 UKW-Antennen unter den Hammer: Auch die Antennen vom Fernsehturm am Alexanderplatz oder vom Europaturm in Frankfurt

Pünktlich um 12 Uhr hat die Freenet-Tochter Media Broadcast eine ungewöhnliche Aktion gestartet. Sie verkauft im Rahmen einer offenen eAuktion 700 UKW-Antennen. Damit hofft der Übertragungsdienstleister auf einen millionenschweren Erlös. Einige Radiostationen haben im Vorfeld schon zugeschlagen.

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Sie gehören zu den höchsten Gebäuden Deutschlands – der Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz oder der Europaturm in Frankfurt, auch Ginnheimer Spargel genannt. Mehrere hundert Meter ragen die beiden Türme in die Höhe. An deren Spitze hängen wie kleine Nadeln meterlange Antennen, über die viele Radiohörer über Ultrakurzwelle – kurz UKW – ihr Radioprogramm empfangen können. Jetzt kommen diese Antennen unter den Hammer. Der Grund: die Kölner Freenet-Tochter Media Broadcast (MB) will sich von der Übertragungstechnik trennen.

Dabei hat sich die Gesellschaft zu einer ungewöhnlichen Aktion entschieden. Sie verkauft die Technik im Rahmen einer offenen eAuktion, die heute um 12 Uhr gestartet ist. Dabei richtet sich das Auktionsverfahren nach einem holländischen Modell. Ausgehend von einer Startsumme verringert sich hier der Preis in gleichbleibenden Zeitintervallen – und dies vollelektronisch. Schlägt ein Bieter zu, ist die Auktion für die Antenne beendet. Einen Teil ihrer Übertragungstechnik sind die Kölner schon vor Wochen losgeworden. „Von den rund 1.000 UKW-Antennen und 1.400 UKW-Sendern haben bereits rund ein Drittel einen Käufer gefunden. Die verbleibenden Infrastrukturen stehen nun in einer offenen eAuktion zum Verkauf, zu der sich interessierte Unternehmen registrieren konnten“, erklärt ein MB-Sprecher auf Anfrage von MEEDIA. Namen der Käufer nannte das Unternehmen nicht. Doch zu den Erwerbern gehören beispielsweise Radio 21 und Rockland Radio. Sie hatten bereits Mitte November einen Deal mit den Kölnern abgeschlossen und diverse UKW-Antennen übernommen – angeblich für einen knapp siebenstelligen Euro-Betrag, wie jüngst das Branchenportal radioszene meldete.

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Jetzt will sich Media Broadcast vom Rest trennen. Offenbar gibt es hierfür verschiedene Interessenten. Die Rede ist von weiteren Radiostationen, Finanzinvestoren, aber auch neu aufkeimenden Dienstleistern wie Uplink Network. Denn das Düsseldorfer Unternehmen wächst kräftig und verfügt inzwischen über rund 500 UKW-Antennen in Deutschland. Nun ist Firmenchef Michael Radomski weiter in Kauflaune. Doch Uplink-Chef Radomski will sich vor allem auf attraktive Standorte fokussieren. Um das Wachstum zu beschleunigen, hat sich der Unternehmenslenker namhafte Geldgeber an Bord geholt – darunter den ehemaligem Focus-Chefredakteur Helmut Markwort. Doch Radomski will für die UKW-Antennen keine Mondpreise zahlen. Denn Media Broadcast hat sich ein ehrgeiziges Verkaufsziel gesteckt. Die Kölner hoffen auf einen Erlös von rund 50 Millionen Euro. Offiziell will sich die Gesellschaft hierzu allerdings nicht äußern.

Dass sich Media Broadcast von den UKW-Antennen trennt, liegt an den Umwälzungen im Markt. Jahrelang agierte die Gesellschaft hier als Quasi-Monopolist. Bis 2012. Dann ändert sich das Telekommunikationsgesetz. Die Folge: der Markt wird liberalisiert und öffnet sich Wettbewerbern. Damit gerät aber Media Broadcast unter Druck. Die Freenet-Tochter entschließt sich, strategisch neu auszurichten. Sie zieht sich deshalb aus dem UKW-Geschäft zurück.

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