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„Das Grosso-System steht auf der Kippe. Ohne eine Lösung für ‚Bild‘ lässt es sich nicht retten“: Springer-Manager Nienhaus zur Zukunft des Vertriebs

Christian Nienhaus
Christian Nienhaus

Die Verhandlungen über die künftige Ausrichtung des Presse-Grossos dauern an. Seit Monaten bemüht sich ein Bündnis aus inzwischen sieben Verlagen vergebens um eine Lösung. Ein Gesprächstermin am 20. Oktober verlief zuletzt erfolglos. Jetzt hat Springer-Manager Christian Nienhaus noch einmal seine Position verdeutlicht und damit möglicherweise für neuen Zündstoff in den aktuellen Verhandlungen gesorgt.

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Eigentlich hatte das Verlagsbündnis die Parole ausgerufen, dass sich einzelne Partner zur Zukunft des Pressegrossos nicht äußern. Daran hatte sich Springer-Chef Mathias Döpfner gehalten, als ihm jüngst ein Journalist bei der Telefonkonferenz zur weiteren Zukunft des Vertriebssystems für Zeitungen und Zeitschriften befragte. Doch Christian Nienhaus, der als Geschäftsführer übergreifend alle Printangebote von Axel Springer inklusive Print-Vermarktung, -Vertrieb und Druckereien bundesweit verantwortet, ließ jetzt seine Zurückhaltung fallen. In einem Interview mit dem Branchenblatt Werben & Verkaufen machte er jetzt die Position der Berliner in markigen Worten klar: „Das Grosso-System steht auf der Kippe. Ohne eine Lösung für ‚Bild“ lässt es sich nicht retten“, klinkt das Blatt übergroß ein Zitat von Nienhaus aus dem Gespräch in der aktuellen Ausgabe aus.

Dabei macht der Vertriebsexperte deutlich, worauf es dem Berliner Medienunternehmen mit seinem publizistischen Flaggschiff Bild ankommt. „Gerade in der digitalen Zeit, wo jeder überall Zugriff auf Informationen hat, braucht man die Nahversorgung über alle verfügbaren Verkaufsstellen. Wer daran Hand anlegt, zerschlägt das System“, mahnte der Geschäftsmann. Sprich: Die Berliner wollen auf keinen Fall, dass sich die Zahl der Vertriebsstellen in Deutschland verringert. Hieran hatte sich aber immer wieder unter den Partnern der Streit entzündet. Denn einige im Bündnis vertretenen Zeitschriftenverlage sind nicht daran interessiert, dass in jedem Winkel Deutschlands eine Verkaufsstelle steht. Sie wollen – aus Kostengründen – eher eine straffere Vertriebsstruktur, zumal immer mehr Leser dank der wachsenden Digitalisierung Magazine online lesen.

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Dennoch. Laut Nienhaus haben sich die Verhandlungsparteien angenähert. Wörtlich: „Beide Seiten sind schon ein Stück aufeinander zugegangen. Bild zum Beispiel besteht nicht auf wirtschaftlichen Verbesserungen bei den Margen“, betont der Springer-Mann. Zum Hintergrund: Bis Ende Februar muss sich die Allianz aus sieben Verlagen auf neue Handelsspannen im Grosso einigen. Dann laufen die aktuellen Verträge mit dem Bundesverband Presse-Grosso aus, an die sich die gesamte Branche orientiert. Bislang jedoch kamen die Mitglieder auf keinen gemeinsamen Nenner. Mitte September waren mehrere Medienhäuser der Jahrestagung der Grossisten ferngeblieben, um ihren Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen.

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