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MEEDIA-Wochenrückblick: Ist bei „The Voice of Germany“ wirklich mehr nervige Werbung zu sehen als früher?

Marietta Slomka, das FAZ-Fischauge, „The Voice of Werbung“, Netflix
Marietta Slomka, das FAZ-Fischauge, "The Voice of Werbung", Netflix

Marietta Slomka hat wieder einmal gezeigt, warum sie die härteste Interviewerin im ZDF ist. Im Web macht sich Unmut breit wegen des Werbe-Anteils bei „The Voice of Germany“. Netflix macht auch bei Preiserhöhungen vieles richtig und die FAZ filmt mit Fischauge. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

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Hat Marietta Slomka FDP-Chef Christian Lindner im „heute journal“-Interview vom vergangenen Montag zum Jamaika-Aus nun „zerlegt“ oder gar „geslomkat“, wie die „heute show“ meinte? Tatsache ist, dass Marietta Slomka sich ihren Ruf als beinharte Interviewerin hart erarbeitet hat und bei manchen Politikern darum wenn nicht gleich gefürchtet, so doch zumindest sehr – wie soll man sagen – respektiert wird. Im Netz regen sich nun einige auf, Marietta Slomka sei zu frech, bzw. respektlos, bzw. eigentlich eine „Aktivistin“ und sie lasse die journalistisch gebotene Neutralität vermissen. Keine Frage, ihr Interview mit Lindner war hart, sie hat ihn auch des öfteren recht rüde unterbrochen. Aber der FDP-Chef konnte augenscheinlich mit den Fragen gut umgehen. Ich meine: Wir haben eher viel zu wenige solch harter Interviews im Fernsehen. Erinnert sei an dieser Stelle auch an das fetzige Interview, das Marietta Slomka mit dem damaligen SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel führte. Sogar CSU-Chef Horst Seehofer beschwerte sich damals wegen ihrer rabauzigen Interview-Art beim ZDF. Eigentlich kann es für eine Journalistin doch kein schöneres Kompliment geben.

Mein Sohn schaut gerne die Show „The Voice of Germany“ bei ProSieben und Sat.1 und nein, Herr Ebeling, er ist weder fett noch arm. Bei der aktuell laufenden Staffel klagen er und seine Freunde aber, man könne das ja kaum noch schauen, weil: viel zu viel Werbung. Nach dieser Aussage war ich sensibilisiert und bin im Social Web auch über einige Aussagen gestolpert, die sich über die massive Werbung bei „The Voice“ beklagen.

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Nun ist das mit dem Lamentieren über zu viel TV-Werbung ja so eine Sache. Gefühlt ist man immer der Meinung, dass da gerade zu viel Werbung kommt. Ganz ohne geht es nicht, denn Werbung ist immer noch die Haupt-Einnahmequelle der privaten TV-Sender. Wie alles hierzulande, ist aber auch die TV-Werbung natürlich reglementiert. 20 Prozent der Sendezeit dürfen die privaten Sender mit Werbung füllen. Wie sie diese Werbezeit verteilen, bleibt allerdings weitgehend ihnen überlassen. Es gibt Regularien, die vorschreiben in welchen Abständen Sendungen für Werbung unterbrochen werden dürfen. Diese Vorgaben sind in der Vergangenheit allerdings immer weiter gelockert worden. Hinzu kommt, dass Hinweise auf eigene Sendungen, nicht zu den 20 Prozent Werbe-Anteil zählen. Durch häufigere Unterbrechungen plus viel Programm-Eigenwerbung kann so der Eindruck entstehen, eine Sendung werde mit Werbung zugepflastert. Für Sender, die ohnehin unter wirtschaftlichem Druck stehen, ist das unter Umständen kein ungefährliches Phänomen.

Streaminganbieter wie Netflix verdienen ihr Geld nicht mit Werbung, sondern mit Abo-Gebühren. Netflix hat gerade mal wieder die Preise für das Standard-Abo von 9,99 Euro auf 10,99 Euro pro Monat erhöht. Was ich nun hier vorbildlich finde ist, dass Netflix via Mail und in der App mehrfach überdeutlich auf die Preiserhöhung hingewiesen hat. Der Anbieter hat die Erhöhung mit den steigenden Investitionen in Eigenproduktionen begründet und auch darauf hingewiesen, dass man selbstverständlich kündigen kann, wenn man mit der Erhöhung nicht einverstanden ist. Das ist transparentes und kundenfreundliches Verhalten. Beileibe nicht alle Medienunternehmen gehen so offensiv mit Preiserhöhungen um.

In der FAZ erschien diese Woche ein freundlicher Bericht über das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr („Gruner + Jahr surft ruhig durch wilde Wogen“). Autor Jan Heuser nutzte die Gelegenheit, um auch ein paar Videoschnippsel von G+J-Chefin Julia Jäkel und G+J-Manager Stephan Schäfer anzufertigen.

Gut und schön. Aber was will der FAZ-Mann uns mit dieser Fischaugen-Optik sagen? Schon wieder eine maritime Anspielung? Ich weiß es nicht.

Schönes Wochenende!

PS: In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Die Medien-Woche“, den ich zusammen mit meinem Kollegen Christian Meier von der Welt produziere, geht es um das Jamaika-Aus und die Medien, auch um nervige TV-Werbung, und um die erste deutsche Netflix-Serie „Dark“. Viel Spaß beim Reinhören!

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