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Verkaufsstopp für Buch „A115 – Der Sturz“: Spiegel setzt sich vor Gericht gegen Thomas Middelhoff durch

Ex-Manager und Buch-Autor Thomas Middelhoff
Ex-Manager und Buch-Autor Thomas Middelhoff

Erneute Schlappe für Thomas Middelhoff: Der ehemalige Arcandor-Chef kann sein Buch „A115 - Der Sturz“ in der vorliegenden Form nicht mehr verkaufen. Der Grund: der Spiegel-Verlag hatte darin mehrere Aussagen des wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilten Handelsmanagers moniert und war deswegen vor Gericht gezogen. Nun gaben die Richter einem Unterlassungsantrag des Hamburger Medienhauses weitestgehend statt. Das Urteil ist rechtskräftig.

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Eine bittere Niederlage für Thomas Middelhoff: Der ehemalige Arcandor-Chef darf sein Buch „A 115 – Der Sturz“ in der derzeit vorliegenden Form nicht weiter verkaufen. Anlass hierfür sei eine Entscheidung des Landgerichts Stuttgart vom 20. Oktober 2017 (AZ: 11 O 196/17), das einem Unterlassungsantrag des Spiegel weitestgehend stattgab, teilte der Spiegel-Verlag mit. „Die Richter verboten Middelhoff und seinem Verlag, der F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH, mehrere unwahre Tatsachenbehauptungen, die der Ex-Manager über drei Journalisten des Nachrichten-Magazins und deren Berichte verbreitet hatte“, heißt es in einer Erklärung des Hamburger Verlagshauses.

Middelhoff hatte im Buchkapitel „Die Rolle der Medien: Sieben Jahre am Pranger“ behauptet, die Spiegel-Redakteure hätten unsauber recherchiert, Fakten unterschlagen und sich auf dubiose Quellen gestützt. Dies sah das Gericht anders. Die Richter stufen die entsprechenden Aussagen von Middelhoff als „unwahr“ beziehungsweise „rechtswidrig“ ein, heißt es. Die Anwältin des wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilten Managers hatte laut Spiegel noch versucht, einige der angegriffenen Passagen als bloße „Meinungsäußerung“ zu verteidigen. Dies jedoch wies das Gericht in seiner schriftlichen Urteilsbegründung zurück. Laut Spiegel sahen es die Richter auch als erwiesen an, dass der Manager mit seiner Darstellung das Nachrichtenmagazin und die betroffenen Journalisten in ihren Persönlichkeitsrechten verletzte.

Der Herbig-Verlag, der das Buch von Middelhoff verlegt, scheiterte zudem mit einem Antrag vor Gericht, die bereits gedruckten und ausgelieferten Bücher noch verkaufen zu dürfen, und die beanstandeten Passagen erst in der nächsten Auflage zu streichen oder abzuändern, so der Spiegel-Verlag. Das Urteil sei rechtskräftig, heißt es. Die Spiegel-Autoren Latsch, Dahlkamp und Schmitt hatten zuvor in einem Beitrag auf Spiegel Online mit der Überschrift „Middelhoffs Guantanamo“ ihren Unmut über Middelhoffs Auslassungen geäußert. In ihrem Artikel bezeichneten die Journalisten das Buch als „peinliche Rechtfertigungsschrift eines rechtskräftig verurteilten Absteigers, die vor Fehlern nur so strotzt.“ Die Fehler, die sie monieren, sind vielschichtig: So habe der ehemalige Handelsexperte beispielsweise das Ressort Deutschland 1 mit Deutschland 2 verwechselt, zudem sei bei einem Interview zwischen den Spiegel-Journalisten und dem Vermögensverwalter Josef Esch kein Wein serviert worden, sondern Mineralwasser.

Update: (24. November):
Der LangenMüller Verlags bezieht auch noch einmal Stellung zu dem Fall. Darin heißt es:

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„Es ist richtig, dass der Spiegel gegen Autor und Verlag bereits Anfang September einen Antrag auf Erlass einer einstweilige Verfügung beim Landgericht Stuttgart eingereicht hat. Diesem Antrag wurde mit Urteil vom 20.11.2017 teilweise stattgegeben. Beanstandet wurden einige wenige Passagen in dem rund 320 Seiten umfassenden Buch „A115 Der Sturz“ von Thomas Middelhoff, die ausschließlich den Spiegel betreffen. Der Verlag hat bereits darauf reagiert und den Text entsprechend überarbeitet.

Die Auslieferung des beanstandeten Titels ist gestoppt und die überarbeitete und korrigierte zweite Auflage bereits lieferbar.

Der Verlag legt Wert darauf richtigzustellen, dass er beantragt hat, die ausgedruckten und aufgebundenenBücher von der Unterlassungspflicht auszunehmen, nicht die ausgelieferten.“

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