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„Diekmann ist die Rampensau, die man nach vorne schickt“: Experte warnt vor Zukunftsfonds des Ex-Bild-Chefs

Daniel Saurenz (li.), Co-Chef des Investmentportals Feingold und Ex-FTD-Redakteur, befürchtet, dass Sparer mit dem Zukunftsfonds ein böses Ende erleben könnten – wie einst mit der Volks-Aktie
Daniel Saurenz (li.), Co-Chef des Investmentportals Feingold und Ex-FTD-Redakteur, befürchtet, dass Sparer mit dem Zukunftsfonds ein böses Ende erleben könnten - wie einst mit der Volks-Aktie

Bis zu vier Prozent Rendite fast ohne Risiko - mit diesem Versprechen wollen der ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und Banker Leonhard "Lenny" Fischer frustrierte Sparer locken. Im MEEDIA-Interview befürchtet der Co-Chef des Investmentportals Feingold und Ex-FTD-Redakteur Daniel Saurenz, dass Sparer mit dem Zukunftsfonds ein böses Ende erleben könnten - wie einst mit der Volks-Aktie.

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Herr Saurenz, Sie schrieben jahrelang bei der Financial Times Deutschland über Fonds und Zertifikate und sind Co-Partner beim Investmentportal Feingold. Jetzt wollen der ehemalige Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und der Starbanker Leonhard Fischer eine Art Volksfonds gründen, sie nennen ihn Zukunftsfonds. Hier sollen Sparer ihr Geld anlegen, die auf ihrem Tagesgeldkonto nur spärliche Zinsen erwartet. Was ist das für eine Anlage?
Daniel Saurenz:
Es klingt nach einem Mischfonds, der ein möglichst geringes Risiko aufweist. Der Fonds soll wohl auf Total Return ausgerichtet sein, das heißt, die Sparer sollen mit der Anlage keine Verluste machen und ihr eingesetztes Kapital vollständig zurückerhalten. Und dies bei 2 bis 4 Prozent Rendite. Ambitioniert.

Ist dies bei Mischfonds überhaupt sicher möglich?
Das geht nur, wenn der Fonds viele Rentenpapiere besitzt und das Timing für die Auflage eines Mischfonds scheint – betrachtet man den Renten- und Aktienmarkt – sportlich. Verfügt der Fonds über einen großen Anteil an Aktien, sind die Anleger einem höheren Risiko ausgesetzt. Denn Aktienmärkte schwanken. Jetzt erleben wir seit Jahren an der Börse eine wahre Rallye. Gerade jetzt besteht für die Anleger ein erhöhtes Risiko, dass die Aktienkurse und damit ihre Fondsanlage an Wert verlieren.

Diekmann & Co. werben damit, dass sie die Sparer aus der Nullzinsfalle holen wollen und versprechen ihnen eine Rendite zwischen 2 bis 4 Prozent. Haben die Anleger wirklich kein Risiko zu befürchten?
Das ist die entscheidende Frage, die wir uns alle stellen. Im Grunde liegt der risikolose Zins bei null. Das heißt: Wenn ein Anleger heutzutage eine Rendite erzielen will, muss er ein gewisses Risiko eingehen. Deswegen bin ich gespannt, in welche Anlagen Diekmann und sein Kompagnon Leonhard Fischer investieren wollen. Können mir die beiden eine risikolose Anlage mit vier Prozent Verzinsung versprechen, würde ich eine beträchtliche Summe meines Geldes investieren. Ich bezweifle jedoch sehr, dass dies Diekmann und Fischer können.

Der Dax bewegt sich aktuell bei mehr als 13.000 Punkten. Sollten die Zinsen nur ein bisschen anziehen, dürften die Kurse in den Keller rauschen. Kann man in diesem Marktumfeld wirklich seriös die Anlage in einen Mischfonds empfehlen?
Beim Wort Mischfonds stellen sich bei mir einige Nackenhaare hoch. Auch das Wort Volksfonds klingt in diesem Zusammenhang plakativ. Mischfonds haben ein Geschmäckle. Sie zeichnen sich nicht primär durch niedrige Gebühren aus. Im Gegenteil: In Mischfonds kann man die Gebühren für die Anleger wunderbar verstecken. Kai Diekmann und Lenny Fischer wollen nach eigener Aussage maximal 1,4 Prozent an Gebühren erheben. Ich bin gespannt, wie danach bei geringstem Risiko einige Prozent Ertrag bleiben sollen.

Ist das angestrebte Fondsvolumen von 20 Milliarden Euro realistisch?
Das ist schon ein enormes Fondsvolumen. Der größte Mischfonds, der im Moment in Deutschland auf dem Markt ist, kommt gerade einmal auf 15 Milliarden Euro. Dafür hat der Mischfonds aber Jahrzehnte gebraucht, um sich so zu etablieren. Das ist – vorsichtig formuliert – ein sehr anspruchsvolles Vorhaben, das Diekmann und Fischer hier verfolgen.

Vor vielen Jahren hat der Schauspieler Manfred Krug für die T-Aktie geworben. Für viele Bundesbürger entwickelte sich ihre Anlage zum Totalverlust. Seither kehren sie Aktien den Rücken und lassen ihr Geld lieber auf dem Tagesgeld-Konto liegen. Glauben Sie, dass die Sparer auf ein solches Fondsprodukt anspringen?
Der deutsche Anleger gilt als leichtgläubig. Daher gibt es ja den Begriff des German Stupid Money. Sie erinnern sich beispielsweise an geschlossene Medienfonds, die sich später als Flop entpuppten oder die offenen Immobilienfonds vor dem Platzen der Blase in den USA. Vielleicht ist Herr Diekmann gerade auf solch German Stupid Money aus. Denn die Crux bei dem Fonds ist: Der Ex-Bild-Chefredakteur investiert das Vermögen von Sparern in einer Zeit, da die Märkte ziemlich heiß gelaufen sind. Wir haben hierfür aus der Vergangenheit viele Beispiele, die schief liefen.

Welche sind das?
Wie von Ihnen erwähnt, die Telekom-Aktie. Damals wurden die Anleger zum Höhepunkt der New Economy-Blase in die Telekom-Aktie getrieben. Was das für die Anleger bedeutete, ist bekannt.

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Wann wäre er denn geeigneter gewesen?
Theoretisch wäre vor fünf oder zehn Jahren der Zeitpunkt geeigneter gewesen. Damals waren die Zinsen schon im Keller. Der DAX stand zu diesem Zeitpunkt aber bei 9000 Punkten oder drunter. Jetzt ist der Deutsche Aktienindex um 50 Prozent höher. Und dann kommt Diekmann mit der brillanten Idee eines Mischfonds um die Ecke. Ich glaube, Diekmann hat sich im Silicon Valley vor allem von der Idee einer digitalen Vermögensverwaltung leiten lassen, die derzeit mit Anbietern wie der ING-DIBA anzieht. Jetzt will man dies für den kleinen Sparer umsetzen: von der Volksbürste über die Volks-Aktie zum Volks-Fonds.

Digitale Vermögensverwaltung heißt, die Anleger legen online ihr Geld an. Per Lastschriftverfahren wird ein Teil ihrer Ersparnisse eingezogen, um davon Fondsanteile zu kaufen?
So ganz deutlich wird dies aus den bisherigen Veröffentlichungen noch nicht. Es klingt zwar so. Doch Diekmann und Fischer planen wohl auch, den Fonds klassisch über Banken zu vertreiben, also eine digitale Vermögensverwaltung mit Bankanschluss.

Kai Diekmann und Leonhard Fischer rühren derzeit kräftig die Werbetrommel. Sie wollen mit Verlagen kooperieren, um Mediavolumen gegen Anteile zu bekommen. Ist dies für Verlage eine gute Idee?
Ich kann mir vorstellen, dass Diekmann hier seine Kontakte zu Axel Springer spielen lässt. Doch eine Medienkooperation ist nicht unproblematisch. Wenn der Fonds bei einer Zeitung Anzeigen schaltet, ist dies ein normales Geschäft. Stelle ich mir aber vor, die FTD wäre mit einem Fonds eine Medienpartnerschaft eingegangen, dann wird es für einen Redakteur schwierig, hierüber seriös zu schreiben.

Wenn der Fonds Verluste macht, kehren dann die Leser den Verlagen, die mit Diekmann & Co. eine Partnerschaft eingegangen sind, den Rücken?
Es mag das eine oder andere Börsenmagazin geben, das sich vielleicht auf eine solche Medienpartnerschaft einlässt. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Großverlage solche Partnerschaften eingehen, also Anzeigen oder Berichterstattung.

Anlage ist Vertrauenssache. Als Werbefigur ist Diekmann wegen seiner Bekanntheit als Ex-Bild-Chefredakteur sicherlich ein gutes Aushängeschild. Glauben Sie, dass das reicht, damit die Sparer ihr sauer verdientes Geld einem „Zukunftsfonds“ anvertrauen?
Herr Diekmann ist die Rampensau, die man nach vorne schickt. Das muss man sagen. Er hat aber mit Lenny Fischer als ehemaligen Investmentchef von Dresdner Kleinwort Benson und Morgen Stanley jemanden an der Hand, der etwas vom Bankgeschäft versteht. Er ist ein cleverer Banker, der seriös wirkt. Vielleicht hält sich aber auch Herr Diekmann seriöser als viele in der Öffentlichkeit meinen. Bislang weiß man auch nicht, auf welche Anleger Diekmann schielt. Vielleicht sind es ja seine ehemaligen Bild-Leser. Hier hat er vielleicht Chancen, mit platten Renditeversprechen, viele Menschen in seine Fondsanlage zu locken. Heutzutage ist es leicht, Menschen mit einfachen Botschaften zu erreichen.

Von Sparkassen, Volksbanken bis zu Privatbanken – auf dem Fondsmarkt tummeln sich viele Anbieter. Welche Chancen haben Diekmann & Co., sich von den scharfen Wettbewerbern abzuheben?
Ich glaube schon, dass Diekmann und Fischer ihren Fonds platzieren. Wenn sie die Geschichte erzählen, lieber Bild-Leser, lieber potenzieller Anleger, die Inflation liegt bei 1,5 Prozent und bei Null Zinsen verlierst du in dieser Höhe real an Vermögen, wir jedoch versprechen dir eine sichere Anlage von mehr als 2,5 Prozent. Dann werden sicherlich einige anspringen. Denken sie 20 Jahre zurück. Da ist es auch Carsten Maschmeyer gelungen, dass deutsche Rentenwesen zu pulverisieren. Scharenweise hat er die Leute in Riester oder Rürup gelockt. Das hätte niemand gedacht.

Diekmann & Co. versprechen eine Rendite zwischen von zwei bis vier Prozent. Gibt es nicht auch andere Anlagen für die Bundesbürger, die rentabler und sicherer sind?
Bei vier Prozent Rendite im aktuellen Marktumfeld ist nichts sicher. Es gibt Anlagen, die aus meiner Sicht deutlich besser sind. Wenn ich jung bin und ein Vermögen aufbauen will, dann sollte man den klassischen Ansatz wählen. Er sollte einen Sparplan für Aktien abschließen, ob über ETFs oder Zertifikate. Hier sind die Gebühren weitaus niedriger als die von Diekmann & Co vorgegebenen 1,4 Prozent. Solche Sparpläne haben sich immer gewährt. In den vergangenen 100 Jahren hat sich gezeigt, dass ein Sparplan mit Aktien internationaler Unternehmen und breit gestreut eine solide Rendite abwirft. Da sind bei einem langen Zeitraum jährlich 6 Prozent drin. Da muss ich in keine Mischfonds von Herrn Diekmann investieren.

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Alle Kommentare

  1. Hätte, wenn, könnte – im Endeffekt gibt es keine Informationen zum Fonds, alles reine Spekulation. Und bei allem Verständnis, den Artikel pushen zu wollen – Experte ist doch ein wenig hoch gegriffen.

  2. Oben auf dem Bild, da steht auf dem Werbeplakat:

    „Wir sorgen dafür, dass sich Sparen wieder lohnt.“ – Es steht aber nicht dabei für wen.

    Man muss allerdings fairerweise auch sagen:

    Oft frisst Gier eben tatsächlich auch Hirn, da ist schon was dran.

    Bei der T-Aktie damals, da war der Krug, der die Dinger im Fernsehen gnadenlos verhökert hatte ( und selbst aber überhaupt kein Telefon besaß, das war ja der Treppenwitz an der Story damals), das der Krug immerhin (und nicht nur als „Liebling Kreuzberg“) tatsächlich ein gewisses Vertrauen und einen Sympathiebonus genoß.

    Damit könnte man sich damals noch halbwegs trösten aber welche Entschuldigung will man denn heute finden, wenn man dem Diekmann dieses Zeug abkauft und dann vielleicht in die Röhre guckt?

  3. Viele Deutschen sind leider – wie im Text beschrieben – recht gutgläubig und lassen sich leicht über den Tisch ziehen. Von dieser Eigenschaften profitieren nicht nur spitzfindige Geschäftemacher wie dieser unseriöse Ex-BILD-Frontmann Dieckmann, sondern auch solche politischen Gestalten wie Kanzlerin Merkel, die es geschafft hat, ihre Wähler seit 12 Jahren sediert zu halten, während sie eifrig dabei ist, dem Land seine Zukunft zu nehmen.

  4. Dass Diekmanns Sparer ein böses Ende erleben werden ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Billigste Bauernfängerei auf unterstem Niveau. Es sei denn, Herr Diekmann gibt eine Geld-zurück-Garantie. Aber das wird er brav bleiben lassen.

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