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MEEDIA-Wochenrückblick: Was die Trichternetzspinne mit schlechter Online-Werbung zu tun hat

Thomas Ebeling, Kai Diekmann auf MM-Cover, Kaffeetante Angela Merkel, Trichternetzspinne
Thomas Ebeling, Kai Diekmann auf MM-Cover, Kaffeetante Angela Merkel, Trichternetzspinne

Dass der ehemalige Bild-Chef Kai Diekmann eine neue Karriere in der Finanzbranche anstrebt, kommt durchaus überraschend. Kanzlerin Merkels Fähigkeiten als Kaffeetante werden medial gewürdigt. Bei ProSiebenSat.1 freut man sich über die kleinen Dinge und die Trichternetzspinne treibt ihr Unwesen. In der MEEDIA-Wochenrückblick-Kolumne.

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Für die eine oder andere Überraschung ist der ehemalige Bild-Chef Kai Diekmann durchaus noch gut. Dass er gemeinsam mit seinem Jugendfreund, dem Banker Lenny Fischer, einen Fonds für Kleinsparer aufzieht – wer hätte damit gerechnet? Die Titelgeschichte im Manager Magazin mit der reißerischen Zeile „Die wilden Kerle sind zurück“ ist beste Werbung für das Projekt der beiden Alpha-Typen, auch wenn das MM mit einigem Recht darauf hinweist, dass so genannte Index-Fonds, die „dumm“ einen Index abbilden in der Regel deutlich billiger sind und im Schnitt bessere Renditen bringen als aktiv gemanagte Fonds, wie Fischer und Diekmann nun einen machen. Klar, dass die beiden „wilden“ Macher das ganz anders sehen. Was ich am seltsamsten an dieser Geschichte finde ist, dass Diekmann gleichzeitig ein Finanzportal plant, das an sein Agentur-Projekt Storymachine angedockt ist. Das sei natürlich total „unabhängig“ von seinen Fonds-Geschäften. Hätte der Journalist Diekmann dem Finanz-Unternehmer Diekmann das abgekauft?

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Die Kanzlerin schenkt Journalisten gerne ein. Allerdings nicht verbal, sondern in echt. Es ist legendär, dass die Bundeskanzlerin Gästen persönlich Kaffee oder Tee serviert.

Dem Magazin der Frankfurter Allgemeinen war dieser Umstand nun einen Artikel wert: „Warum Angela Merkel immer Kaffee ausschenkt“. Ist es ein Kommunikations-Trick? Ist es ein Machtspielchen? Spoiler: Es ist wohl einfach freundlich und praktisch. Natürlich sagt es schon etwas über den Charakter der Kanzlerin aus und darum ist auch so ein Artikel durchaus gerechtfertigt. Man sieht daran aber auch, wie jede Geste einer Politik-Persönlichkeit von Medien auf Absichten und Doppelbödigkeit hin abgeklopft wird. Egal ob die Merkel mit den Fingern eine Raute bildet oder Kaffee ausschenkt, da muss doch was dahinterstecken!! Natürlich liegt es auch an dieser Dauer-Beobachtung und Dauer-Interpretation, dass sich Politiker heutzutage fast nur noch in windelweichen Phrasen äußern.

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Einer, der nicht im Verdacht steht nur Phrasen von sich zu geben, ist der ProSiebenSat.1-CEO Thomas Ebeling. Wie vermutlich jeder von Ihnen mitbekommen hat, hat er in einem Analysten-Call TV-Zuschauer als „ein bisschen fettleibig, ein bisschen arm“ bezeichnet. Das war wohl kein superschlauer Move, außer man würde Ebeling unterstellen, dass er seine Demission als P7S1-CEO mit Macht selbst vorantreiben möchte. Der Mann war schon in der Vergangenheit immer mal wieder als Klartextredner aufgefallen, zum Beispiel als er 2009 gegenüber der SZ sagte: „Nachrichten sind vielleicht für das Image bei Politikern wichtig, aber nicht unbedingt bei allen Zuschauern. Der Durchschnittszuschauer wird nicht verzweifeln, falls es bei N24 Veränderungen geben sollte.“ Später hat er N24 dann abgestoßen. Man könnte also auch sagen, der Mann ist sich über die Jahre einfach treu geblieben. Wenn schon die Zahlen gerade nicht so dolle sind und der Chef für Schlagzeilen sorgt, wenigstens war der P7S1-Geschäftsbericht hübsch aufgemacht. Man muss sich auch über die kleinen Dinge freuen können.

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Im australischen Dschungelcamp hat sich angeblich die lebensgefährlich giftige, hoch-aggressive und äußerst zähe Trichternetzspinne eingenistet. Bevor britische Teilnehmer an der allseits beliebten Edel-Trash-TV-Show demnächst einziehen, hat die Produktionsgesellschaft Dschungel-Kammerjäger engagiert, die das Camp trichternetzspinnenfrei machen sollen. Bis unsere Dingens-Promis im Januar eintreffen, hat sich das Problem vermutlich erledigt, für Gesprächsstoff am Lagerfeuer könnte es aber allemal sorgen. Als ich die Geschichte um die Trichternetzspinne im Dschungelcamp für diese Kolumne nachlesen wollte, wurde ich auf den Webseiten des Hamburger Abendblatts und der Westfälischen Rundschau mit den übelsten Auswüchsen der Online-Werbung konfrontiert. Bei beiden Websites starteten diese sehr, sehr nervigen Autoplay-Videos. Bei Abendblatt.de verschwand die Webseite der Zeitung nach kurzer Zeit, noch bevor ich den Artikel zu Ende gelesen hatte und eine unseriös anmutende Werbeseite öffnete sich. Keine Chance, zur Artikelseite zurückzukehren. Bevor Verlage solche Auswüchse nicht abschalten, sollten sie sich nicht über steigende Ad-Blocker-Zahlen beschweren.

Schönes Wochenende!

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