Anzeige

Nach Weinstein-Skandal und #MeToo: Juristen warnen vor Hetzjagd auf Promis

Zahlreichen Promis wird sexuelle Nötigung und/oder Vergewaltigung vorgeworfen
Zahlreichen Promis wird sexuelle Nötigung und/oder Vergewaltigung vorgeworfen

In der Debatte um sexuelle Übergriffe gegen Frauen kommt es nach Ansicht deutscher Rechtsexperten immer wieder zu Vorverurteilungen mit schlimmen Folgen. "Die derzeitige Hetzjagd von Prominenten erfolgt unter Missachtung rechtsstaatlicher Grundsätze", sagt beispielsweise Medienrechtler Prof. Thomas Hoeren von der Uni Münster. Man könne nur hoffen, dass das Thema wieder in sachliche Bahnen komme. Sonst würde eine unkontrollierte Verdachtsaktion mit Diffamierungen wie in der McCarthy-Ära drohen.

Anzeige
Anzeige

„Damit soll nicht abgelenkt werden von der Tatsache, dass in manchem Vorfall tatsächlich ein harter Kern an strafrechtswürdigen Fehlverhalten vorliegt“, betont Hoeren.

Auch die Strafrechtlerin Jenny Lederer aus Essen beklagte eine mediale Vorverurteilung gerade mit Blick auf die Möglichkeiten des Internets und der sozialen Medien, die „besorgniserregende Ausmaße“ annehme. „Nicht wiedergutzumachende Schäden, existenzvernichtende Folgen sind zu befürchten und bereits zu beobachten – ohne dass die Vorwürfe geklärt wären.“ Lederer ist Mitglied im Strafrechtsausschuss des Deutschen Anwaltvereins. „Für die Aufklärung von möglicherweise strafrechtlich relevanten Vorwürfen gibt es einen Strafprozess, mit seinen verfahrens- und verfassungsrechtlichen Garantien, unter anderem und hier vor allem: der Zweifelsgrundsatz.“ Eine faire Verteidigungsmöglichkeit im Rahmen der öffentlichen Vorverurteilung existiere kaum. „Das Urteil scheint schon gesprochen“, so Lederer.

Immer mehr prominente Namen werden im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen genannt – vor allem in den sozialen Netzwerken. Nach Harvey Weinstein, Dustin Hoffman und Kevin Spacey, der als Konsequenz bereits sowohl seinen Status als Netflix-Gesicht verloren hat und aus seinem kommenden Kinofilm noch vor Veröffentlichung nachträglich komplett herausgeschnitten wird, sieht sich jetzt auch der „Gossip Girl“-Schauspieler Ed Westwick mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Zwei Schauspielerinnen beschuldigen Westwick bei Facebook der Vergewaltigung. Der Schauspieler streitet alle Vorwürfe ab, die Polizei ermittelt.

Anzeige

Christian Schertz, der als Anwalt für Presse- und Medienrecht viele Prominente vertritt, hatte sich bereits zu Beginn der Woche im Deutschlandfunk kritisch zur Debatte geäußert. „Der Rechtsstaat sagt: Wenn dir jemand etwas angetan hat, dann gibt es dafür die Institutionen. Das ist die Polizei und die Staatsanwaltschaft. Da kannst du hingehen und deine Strafanzeige stellen.“ Dann werde geprüft und ein Ermittlungsverfahren bei einem Anfangsverdacht eingeleitet, so Schertz. „Jeden zu nennen, dort ist das und jenes passiert – das ist, ich kann es nicht ändern, es ist rechtswidrig.“ Folgen für Beschuldigte seien erheblich und „lebenslaufvernichtend“.

Mit Material der dpa

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige