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Nach verbalem Ausrutscher: Analysten sehen Image von ProSiebenSat.1-Chef Ebeling massiv beschädigt

P7S1-Vorstandschef Thomas Ebeling muss sich nicht nur schwache Konzernzahlen befassen, sondern auch noch ein selbstverschuldetes PR-Fiasko „einfangen“
P7S1-Vorstandschef Thomas Ebeling muss sich nicht nur schwache Konzernzahlen befassen, sondern auch noch ein selbstverschuldetes PR-Fiasko "einfangen"

Der Chef von ProSiebenSat.1, Thomas Ebeling, hat mit seinen ungelenken Bemerkungen über seine Zuschauer viel an Ansehen eingebüßt. Dies könnte den Druck auf den Aufsichtsrat erhöhen, schneller einen personellen Neuanfang einzuläuten. Für Analysten ist jedenfalls klar: Ebeling wird es schwerer haben, bei institutionellen Anlegern auf dem bevorstehenden Kapitalmarkttag für Vertrauen zu trommeln.

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Es ist für institutionelle Anleger ein wichtiges Datum: der Kapitalmarkttag der Münchener TV-Gruppe ProSiebenSat.1. Jahrelang fang das wichtige Ereignis im Oktober statt. In diesem Jahr fällt es auf den Nikolaustag, den 6. Dezember. Eigentlich hatte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling vor, an diesem Tag die neue Strategie der Konzerns zu präsentieren. Jetzt gerät er aber nach seinen missglückten Äußerungen über seine Kernzielgruppe („ein wenig fett, ein wenig arm“) selber öffentlich schwer in der Kritik. Damit verliert das Unternehmen bei Anlegern noch mehr an Vertrauen. Bislang waren Gewinnwarnungen und schlechte Geschäftsaussichten schuld, dass der Kurs des DAX-Wertes in den Keller rauschte, jetzt belasten zusätzlich die flapsigen Bemerkungen des Vorstandschefs das Image des Konzerns schwer.

Dies könnte den Druck auf den Aufsichtsrat erhöhen, noch schneller einen personellen Neuanfang für die Konzernspitze einzuläuten. Denn das Kontrollgremium, geführt von dem ehemaligen SAP-Finanzchef Werner Brandt, sucht bereits seit Längerem intensiv nach einem Nachfolger für Ebeling. Dennoch sind sich die Analysten einig, dass die Vorstandsspitze trotz des verbalen Ausrutschers nicht schneller abgelöst wird. „Ich glaube nicht, dass ProSiebenSat.1 am 6. Dezember einen neuen Vorstandschef präsentiert. Ebeling wird alles tun, um bei den Anlegern für mehr Vertrauen zu trommeln“, meint Marcus Silbe, Analyst bei der Oddo BHF-Bank. Andere Analysten stoßen in dasselbe Horn.

Erwartet wird in Kreisen der Analysten, dass sich Ebeling nach seiner ungeschickten Bemerkungen auf dem Kapitalmarkttag als durchsetzungsfähiger Manager präsentiert, der versucht, das Ruder herumzureißen. So könnte er der Sendergruppe ein radikales Sparpaket verschreiben. Im Gespräch ist auch, dass Ebeling die TV-Sendegruppe in nur noch drei große Geschäftsbereiche gliedert. Zudem könnte er die Digitalgeschäfte, die er in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, für externe Investoren öffnen. Möglich sind auch separate Börsengänge, um den Wert des Gesamtunternehmens zu steigern. Denn dieser hat kräftig Federn lassen müssen. In den vergangenen vier Monate brach die Notierung um 30 Prozent ein. Damit verlor der Dax-Titel rund 2 Milliarden an Börsenwert – ein Desaster für die Anleger.

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Analyst stellt Aktie wegen magerer Geschäftsaussichten auf „Verkaufen“

Ob Ebeling mit einem Maßnahmenpaket bei den Anlegern neues Vertrauen gewinnt, wird in Analystenkreisen aber bezweifelt. Erst vor wenigen Tagen hatte der Vorstandschef noch selber Aktien der TV-Gruppe gekauft – quasi als Signal an die Anleger, es ihm gleichzutun. Das ist jedoch verpufft. Die Notierung gab heute weiter auf 25,10 Euro nach. Für Analysten wie Silbe liegen die Probleme bei ProSiebenSat.1 seit Längerem auf der Hand. Der Vorstandschef hat in seiner Programmpolitik diverse Fehler gemacht: „Ebeling hat seinen Focus zu sehr auf kleine Spartensender gesetzt und damit den Blick auf die Hauptsender ProSieben, Sat.1 und Kabel eins verloren“, meint der Wertpapierspezialist. Auch fehlten der Sendergruppe attraktive Inhalte. „ProSiebenSat.1 hat viele Serien wie beispielsweise Ghosted oder The Orville eingekauft, die in den USA eher Mittelmaß waren und die TV-Zuschauer hierzulande nur mäßig interessieren werden“, meint Silbe. Angesichts der mageren Geschäftsaussichten hat der Analyst den Wert auf „Verkaufen“ gestellt.

Fraglich ist, ob Ebeling Anfang Dezember mit einem solchen Maßnahmenpaket das notwendige Vertrauen bei Großanlegern wie Fondsgesellschaften findet. Denn für viele Anleger gilt der Manager bereits als Chef auf Abruf. Sie wollen jetzt wissen, wie sich der künftige Chef die Zukunft des Unternehmens vorstellt, heißt es in Börsen- und Analystenkreisen. Wird er sich voll auf den TV-Geschäft konzentrieren? Gibt er die Diversifikation in den Online-Bereich auf? Fragen, die Ebeling wohl nicht beantworten kann.

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Alle Kommentare

  1. Liebe Meedia-Kollegen,

    gibt es in der Redaktion niemanden, der Korrektur liest? Der Artikel ist voller Rechtschreibfehler (bei 15 habe ich aufgehört zu zählen). Wenn ich diesen Artikel vor 30 Jahren eingereicht hätte, hätte mein damaliger Volontärs-Vater mein Volontariat vermutlich kurzerhand um zwei weitere Jahre verlängert.

  2. Menschenverachtende Aussagen einer typischen Managergestalt. Null Respekt vor der eigenen Klientel, Hauptsache der Rubel rollt. Fott mit dem…

  3. So werden aktivistische Fonds einen missliebigen CEO los: Einfach in einem vertraulichen Gespräch eine Fangfrage stellen, alles schön aufschreiben und dann das Transkript an die Medien geben, die das Thema dankbar aufgreifen. Ist etwa jemand auf Fondsseite short? 🙂

  4. Was für eine Aufregung, der Mann hat doch nur, und das sehr höflich und zurückhaltend die Wahrheit gesagt, vor allem im Nachmittagsprogramm leben doch RTL, SAT1 und Co von der Unterschicht.
    Man muss sich das einfach mal das antun, nachmittags durchzuzappen, white trash als Protagonisten und als Zuschauer. Selbst mit einem Minimum an Grips hält man es dort maximal 5 Minuten aus.
    Die Leute verdienen mit Müll Geld, also sollen sie auch dazu stehen

  5. Kein Scheiß? Mann, diese Analysten… was wären wir nur ohne sie. Pro 7 schafft sich ab. Ist doch was Gutes, so können wenigstens die Mitarbeiter von RTL 2 wieder ohne Albträume schlafen.

    (Bis so in ca. zwei bis drei Jahren).

    Spoiler: Ihr alle sterbt. Free-TV-Sender, Publikumszeitschriften, Radiostationen.
    Ihr „fat fucks“ (Hommage an Ebeling) werdet in zehn Jahren auf der Straße stehen. Alle.

    It’s called reality – get used to it.

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