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„Stehauf-Banker“ und „Comeback-Kid“ Lenny Fischer: Mit diesem Mann will Kai Diekmann die Finanzszene aufmischen

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Mit der Zielgröße von 20 Milliarden Euro hat Ex-Bild-Chef Kai Diekmann ein Mammutprojekt vor sich, das er alleine gar nicht stemmen kann. Für seinen "Zukunftsfonds" arbeitet er deshalb unter anderem mit dem bekannten Finanzmanager Leonhard Lenny Fischer zusammen – ein Freund aus Kindertagen, wie beide gerne erzählen. Beide verbindet der schnelle Aufstieg, und auch die Rollen waren früh verteilt.

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„Er war für die Kohle zuständig, ich für den Inhalt“, hat Kai Diekmann mal die Konstellation beschrieben, in der er gemeinsam mit Leonhard Fischer seine ersten Erfolge gefeiert hat. Die beiden, damals noch Jugendliche, haben in Bielefeld eine Schülerzeitung gegründet und sie mit mehr als 30.000 Exemplaren zur größten in Nordrhein-Westfalen aufgezogen. Das war so in den Achtzigern. Heute, mehr als 30 Jahre später, schließt sich das Duo erneut zusammen. Dieses Mal aber, wollen sie nicht die Publizistik aufmischen, in der Diekmann in den Folgejahren Karriere gemacht hatte, sondern in Fischer Metier: der Finanzindustrie.

Diekmann und Fischer wollen gemeinsam mit Geschäftspartnern ein milliardenschweres Finanzprodukt auflegen, „den Zukunftsfonds“, der Kleinsparern sichere Renditen bringen soll. Auch dieses Mal kümmert sich Diekmann um den Inhalt (in Form der Vermarktung) und Fischer um die Kohle. Er wird für Anlagestrategie und Investmentpolitik zuständig sein, wie beide jüngst dem Manager Magazin erklärten.

Fischer und Diekmann verbindet nicht nur eine Freundschaft, sondern ein insgesamt ähnlicher Lebensweg. Beide sind seit Jugendtagen hoch engagiert, zielstrebig und karrierebewusst. Diekmann erlangte im Alter von 34 Jahren seinen ersten Chefredakteursposten. Im selben Jahr, 1998, rückte der ein Jahr ältere Fischer in den Vorstand der Dresdner Bank auf, zwei Jahre später wurde er der jüngste Vorstandschef in der Unternehmensgeschichte. Davor war er bereits der jüngste Geschäftsführer der US-Bank JP Morgan in Deutschland. „Lenny hatte damals den Ruf eines Popstars“, zitierte die Welt 2005 einen seiner Wegbegleiter. „Jeder in Frankfurt lief rum und behauptete: ‚I’m a friend of Lenny‘ – ganz egal, ob er ihn kannte oder nicht.“

Doch die Welle des Erfolgs ließ nach. „Wer so hoch fliegt, muß fast zwangsläufig einmal abstürzen“, kommentierte die Welt. Im Gegensatz zu Diekmann, der am 1. Januar 2001 zum Chefredakteur der Bild ernannt worden war und sich 16 Jahre lang an der Spitze behaupten konnte, hielt Fischers Karriere bei der Dresdner Bank allerdings nicht lang – schon 2002 wurde er nach der Übernahme der Bank durch die Allianz schon wieder hinauskatapultiert – er war damit auch der Jüngste, der je aus einem deutschen Bankvorstand ausschied. „Fischers Plus, sein hohes Tempo, geriet am Ende zum Minus. Seine Feinde empfanden ihn oft als brüsk, selbstverliebt, sozial herzlos“, schrieb Spiegel Online damals. „Freundlicher gesonnene Zeitgenossen meinen, dass dieser New-Economy-Typ, dieser auf Gewinne fixierte, saloppe Investment-Banker, einfach nicht recht passen wollte zur Dresdner Bank in Zeiten ihrer schwersten Krise – vor allem zur Welt des Firmenkundengeschäfts mit seinen konservativen Regionalfürsten. Zu direkt, zu ehrlich, und ohne Sinn für das Taktieren, das einem den Kopf retten kann.“ Nach seinem Ausscheiden nannte ihn das Nachrichtenportal einen der „prominentesten Absteiger des Jahres“.

Grund für das Ausscheiden bei der Dresdner war auch eine Fehlentscheidung des Managers. „Weil er nach Beginn der Börsenbaisse nicht vom Ziel abrückte, Dresdner Kleinwort zum global strahlenden Branchenstar aufzubauen, kaufte er die Investment-Boutique Wasserstein Perella für 1,5 Milliarden Dollar. Fischer habe sich über den Tisch ziehen lassen, lautet das rückblickende Verdikt der Branche“, protokollierte Spiegel Online damals.

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Abgeschrieben war der Finanzmanager danach aber nicht. Er machte sich einen Ruf als „Stehauf-Banker, wie ihn das Handelsblatt mal bezeichnete, Spiegel Online beschrieb ihn als „Comeback-Kid“. Der „kleine, eloquente Mann mit dem immer kahleren Kopf und dem großen Charisma“ ging ins Ausland, wechselte zum Versicherungskonzern Winthur der Credit Suisse, sanierte den Laden und fädelte schließlich den Verkauf ein. „Man muss ein Stehaufmännchen sein“, zitierte ihn mal das Handelsblatt aus einem anderen Interview und schrieb über ihn: „Fischer ist jemand, der eigentlich immer mit Volltempo auf der Überholspur unterwegs ist. Nicht umsonst gehören schnelle Autos zu seinen Hobbies. Und wenn er aus der Spur kommt, startet er den Wagen neu und fährt los. Er gilt als nicht immer einfacher Chef, sondern als einer, der auch mit harten Bandagen spielen kann.“

Sich selbst sieht Fischer vor allem als Nachdenker. „Er gilt ebenso als besonnener Geist, der gerne in den Werken griechischer Philosophen Rat blättert“, schrieb mal eine Schweizer Finanzseite. Nachdenken gibt der heute 54-Jährige als eines seiner Hobbys an. Das ist die sinnliche Seite des CDU-Mitgliedes, das in den frühen Jahren seiner Karriere „rauschende Feste schmiss, bei denen jeder dabei sein wollte“ und bei denen Flaschen Rotwein für je 300 Euro geköpft worden sein sollen.

Nachdem man ihn bei der Credit Suisse nicht befördert hatte, zog es Fischer nach London, er wurde Co-Chef des Finanzinvestors RHJ International. Sein Ziel: Fischer wollte ein europäisches Finanzkonglomerat aufbauen, nach jahrelangen Verhandlungen und Übernahmen scheiterte aber auch dieses Vorhaben.  Mit dem Scheitern umzugehen, hat der Banker wohl gelernt wie kaum ein anderer: „Ich bin nicht der Auffassung, daß Lebensläufe immer einer linearen Funktion gleichen müssen“, sagte er mal. Misserfolg habe er zu schätzen gelernt: „Er sorgt für Bodenhaftung.“

Als bodenständig verkaufen er und Partner Diekmann heute ihr Produkt, das im kommenden Jahr an den Finanzmarkt gehen soll. Im Manager Magazin ist heute keine Rede mehr von einem europäischen Finanzkonglomerat. Fischer und Diekmann wollen in der Niedrigzinsphase den Klein-Anlegern das Sparen beibringen, ihnen sichere Renditen ohne großes Risiko bescheren. Bislang ist das natürlich erst einmal eine Behauptung, die das Duo noch belegen muss. Einen Spruch sollten der Manager und der Journalist aber unbedingt in ihre Verkaufsbroschüre mit reinnehmen. Fischer, sagte er, würde nämlich einen Satz gerne viel häufiger hören: „Jetzt gehen wir alle mal nach Hause und denken nach.“

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Alle Kommentare

  1. hahaha, für so naiv und realitätsfern hätte ich Diekmann nicht gehalten.
    Nie im Leben kiegt er 20 Mrd zusammen. Und schon gar nicht von Kleinanlegern. Lenny Fischer mag zwar Ahnung von Investment-Banking haben, aber nicht von Investments für Privatanleger. Mit denen hatte er nämlich noch nie zu tun. Und nach 9 Jahren Hausse jetzt Kleinanleger an die Börse locken zu wollen, kann nur in die Hose gehen. Dazu noch Fonds-Verwaltungs-Kosten von 1,4 Prozent. Wo doch inzwischen auch der kleinste Kleinanleger aus der BILD gelernt hat, dass bei Fonds nur der Verwalter verdient und man stattdessen lieber ETFs im Rahmen eines Sparplans zu Kosten von 0,0% kaufen kann.

  2. Soso ein „Kleinsparerfond“ mit einem Volumen von 20 Mrd. €. Und ich dachte, dass Kai Dieckmann nur die Erringung der Weltherrschaft innerhalb der nächsten 5 Jahre anstrebt.

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