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„Novemberpogrom sehr gut besucht“: die Schattenseite des automatisierten Content-Modells von Focus Online

Kritik an Überschriften: Focus-Online-Chef Daniel Steil musste erneut korrigieren
Kritik an Überschriften: Focus-Online-Chef Daniel Steil musste erneut korrigieren

Nachdem Focus Online zuletzt wegen einer unsäglichen Überschrift für einen Text über Frauenfußball-Bundestrainerin Steffi Jones den Ärger zahlreicher Internet-Nutzer auf sich gezogen hatte, landete das Burda-Portal nun einen neuen Fauxpas. Am gestrigen Dienstag hieß es auf der Seite: "Novemberpogrom sehr gut besucht". Bezogen hatte sich die Headline auf eine Meldung über eine Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht 1938.

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Die bei Focus Online erschienene Überschrift konnte unglücklicher nicht ausfallen. Ein Hinweis auf der Artikelseite macht deutlich, dass der Artikel kein originärer Inhalt der Focus-Online-Redaktion ist, sondern im Rahmen des Content-Partner-Programms auf der Seite des Nachrichtenportals eingespeist worden ist.

Original erschienen war der Text als Pressemitteilung der Stadt Vreden. Focus Online stellt seine Plattform mittlerweile für Dritte, auch für Pressemitteilungen von Institutionen, bereit. Für das weitestgehend automatisierte Programm sind allerdings auch mehrere Dutzend Focus-Online-Mitarbeiter im Einsatz. Die missglückte Überschrift wurde erst nach Kritik am Mittwoch korrigiert.

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Auf Nachfrage hat Linda Hinz, stellvertretende Chefredakteurin, den Vorgang gegenüber MEEDIA so bestätigt und erklärt dazu: „Über 1100 Städte und Kommunen publizieren ihre Nachrichten sowie ihre Amtsblattmitteilungen bereits über Focus Online Local(…). Das sind im Monat mehr als 22.000 Meldungen. Eine dieser Meldungen wurde von der zuständigen Stadt mit einer missverständlichen Überschrift veröffentlicht (…). Durch eine Verkürzung in der Überschrift entstand dabei ein falscher Eindruck. Sowohl die Stadt selbst als auch Focus Online haben die Überschrift inzwischen verändert.“

Der Pogrom-Fauxpas ist die zweite stark missglückte Überschrift in kurzer Zeit. Ende Oktober musste die Redaktion eine Überschrift zu einem Kommentar über die Frauenfußball-Bundestrainerin Steffi Jones korrigieren. Ein Autor der Redaktion hatte in der Überschrift gefordert: „DFB sollte Kapitel Jones beenden – aber nicht, weil sie schwarz und lesbisch ist“. Es benötigte erst einen Shitstorm, bevor die Redaktion ihren Artikel abänderte und sich schließlich entschuldigt hat.

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