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Nach Strafanzeige von Herbert Grönemeyer: Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt gegen Bild-Verantwortliche

Sehen sich nach Anzeige von Herbert Grönemeyer mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konfrontiert: die Bild-Chefs Tanit Koch (l.) und Julian Reichelt (r.)
Sehen sich nach Anzeige von Herbert Grönemeyer mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konfrontiert: die Bild-Chefs Tanit Koch (l.) und Julian Reichelt (r.)

Herbert Grönemeyer kämpft darum, Aufnahmen eines "Ausrasters" gegenüber Fotografen im Jahr 2014 aus der Öffentlichkeit zu halten. Neben verschiedenen Zivilverfahren greifen der Sänger und sein Anwalt Christian Schertz nun auch zu härteren Maßnahmen: Nach Informationen von MEEDIA hat Grönemeyer Strafanzeige gegen mehrere Verantwortliche der Bild erstattet. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

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Es sind Bilder, die Grönemeyer seit dem Vorfall im Dezember 2014 versucht, aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Videoaufnahmen zeigen den Sänger am Flughafen Köln Bonn, wie er auf zwei Paparazzi losgeht, sie an Aufnahmen zu hindern versucht. Sie hatten den Sänger, der an dem Tag mit seiner Familie unterwegs gewesen war, verfolgt und trotz Aufforderungen, keine Aufnahmen zu machen, fotografiert und gefilmt. Grönemeyer beschimpfte die Fotografen. Später wurde es turbulent – es war ein unglücklicher Auftritt für alle Beteiligten.

Es dauerte nicht lange, bis auf den Vorfall Schlagzeilen folgten. Die Paparazzi nahmen die Aktion auf Video auf, verkauften das Material an verschiedene Boulevardmedien. Für diese ging die Geschichte anschließend noch viel weiter: Einer der Fotografen erhob Vorwürfe, Grönemeyer habe ihn mit einer schweren Laptop-Tasche geschlagen und dabei verletzt. Die Videoaufnahmen sollten das belegen – Grönemeyer der Journalistenschläger, so die Lesart nach dieser Version. Es folgten zunächst Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Doch einige Monate nach dem Vorfall deutete sich eine Wende an: Wieder nahm die Staatsanwaltschaft Köln Ermittlungen auf. Dieses Mal richteten sie sich aber nicht gegen den Sänger, sondern gegen die Fotografen. Der Verdacht: Sie könnten Grönemeyer eine Falle gestellt haben. Wie damals der Spiegel berichtete, legt ein Gutachten nahe, dass der Sänger die Fotografen mit seiner Tasche „aller Wahrscheinlichkeit nach“ gar nicht am Kopf berührt habe. In einem zweiten Gutachten eines Mediziners wurden „erhebliche Zweifel an der vorgetragenen Entstehungsgeschichte der Verletzungen“ geäußert. Außerdem sollen die Fotografen Bildmaterial zurückgehalten haben, das den Sänger hätte entlasten können. Auch sei das Material so manipuliert worden, dass Grönemeyers „Ausraster“ als grundlos vermittelt worden war, Gründe für die Auseinandersetzung lieferte das Material nicht. Während der Ermittlungen wurden auch die Wohnungen der Paparazzi durchsucht. Während Grönemeyer strafrechtlich entlastet worden war und die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingestellt hatte, erhoben die Ermittler Anklage gegen die Fotografen. Sie müssen sich bald vor Gericht verantworten und gegen den Vorwurf der Falschaussage verteidigen.

Grönemeyer wehrt sich nun strafrechtlich

Während es für die Urheber ernst wird, kämpft Grönemeyer mithilfe der Berliner Anwaltskanzlei Schertz Bergmann weiter gegen die Verbreitung des Materials, Auszüge davon sowie gegen eine Wort- und Bild-Berichterstattung darüber. Gegen drei Verlage erwirkten Grönemeyers Anwälte im Sommer dieses Jahres die Bestätigung einer einstweiligen Verfügung, ein Berufungsverfahren steht allerdings noch aus. Eines dieser Medienhäuser ist der Axel Springer Verlag, in dem auch das Boulevardmedium Bild erscheint. In ihrem Fall greifen Mandant und Anwalt nun zu radikaleren Maßnahmen: dem Strafrecht.

Gegenüber MEEDIA hat ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin Ermittlungen gegen mehrere Verantwortliche des Boulevardmediums bestätigt. Nähere Angaben, gegen wen sich die Ermittlungen genau richten, wollte die Behörde nicht machen. Grund der Maßnahme ist eine im Auftrag von Grönemeyer gestellte Strafanzeige der Kanzlei Schertz Bergmann, die einen Verstoß gegen Paragraf 33 des Kunsturhebergesetzes erkennt. Grönemeyer sieht sein Recht am eigenen Bild verletzt, die folgende Veröffentlichung hätte demnach seiner Zustimmung bedurft. Im Falle einer Verurteilung drohen Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr, wobei die Verhängung einer Geldstrafe – vor allem beim Fehlen einschlägiger Vorstrafen – deutlich wahrscheinlicher ist.

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Inhaltlich richtet sich die Anzeige gegen eine Veröffentlichung vom 11. Mai dieses Jahres. In ihrer bundesweiten Ausgabe berichtete Bild über den am Tag zuvor am Landgericht Köln abgehaltenen Termin zur Beweisaufnahme im besagten Zivilverfahren gegen Axel Springer, Burda und den Bauer Verlag, die das Paparazzi-Material verwendet hatten. Zu diesem Zeitpunkt lagen im Eilverfahren erlassene einstweilige Verfügungen gegen die drei Verlagshäuser vor. Darüber hinaus wurde in einem weiteren Verfahren am Oberlandesgericht bereits Bild.de angewiesen, die Verbreitung des Videos zu unterlassen (Az. 15 U 46/17).

In ihrem Bericht vom 11. Mai titelte Bild: „Grönemeyer kann auch ganz friedlich„. Dazu stellte sie zwei Fotos. Eines zeigt Grönemeyer während des Termins am Landgericht, wie er mit einem Fotografen gemeinsam auf die Kamera schaut. Das zweite Foto ist ein Standbild aus dem streitgegenständlichen Videomaterial, das Grönemeyer bei der Auseinandersetzung mit einem der Paparazzi zeigt. In den Bildunterschriften heißt es: „Landgericht Köln gestern: Grönemeyer trifft friedlich auf einen Fotografen … 2014 wurde der Sänger einem anderen Fotografen gegenüber handgreiflich.“ Gegen die Veröffentlichung erließ das Landgericht Köln mittlerweile ebenfalls eine einstweilige Verfügung (Az. 28 O 155/17).

Mit der Strafanzeige erreicht die Auseinandersetzung zwischen Sänger und Verlag eine neue Qualität und eröffnet eine neue Dimension im Streit zwischen Prominenten und Medien. Denn auf strafrechtlichem Wege werden keine Institutionen zur Verantwortung gezogen, sondern die dahinterstehenden Personen. Nach Recherchen von MEEDIA richtet sich die Anzeige neben den Verantwortlichen in der Bild-Chefredaktion, also die Chefredakteure Julian Reichelt und Tanit Koch, auch gegen Mitarbeiter der Rechtsabteilung des Axel Springer Konzerns. Derzeit sind die Ermittlungsbehörden offenbar dabei zu überprüfen, welche Verantwortlichen an der von Grönemeyer beanstandeten Veröffentlichung mitgewirkt haben.

Gegenüber MEEDIA halten sich die Parteien auf Nachfrage bedeckt. Christian Schertz teilt mit: „Wir äußern uns nicht zu laufenden Verfahren.“ Seitens des Axel Springer Konzerns war man hinsichtlich der Ermittlungen offensichtlich ahnungslos. Ein Sprecher des Konzerns erklärte zunächst, die Informationen prüfen zu wollen. Weder dem Konzern noch den möglichen Verantwortlichen lägen entsprechende Erkenntnisse vor, hatte es zunächst geheißen. In einem abschließendem Statement heißt es: „Von einem derartigen Ermittlungsverfahren ist uns allerdings nichts bekannt. Wir können deshalb dazu auch nicht Stellung nehmen.“

 

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Alle Kommentare

  1. „vor allem beim Fehlen einschlägiger Vorstrafen“

    dann wird’s langsam zeit — vielleicht wird’s mit der krise des journalismus dann auch besser …

  2. @Holger

    Diese Frage zu stellen, hat sich ein früherer Kanzlerdarsteller schon mal gerichtlich verhindern lassen. Bekanntermaßen.

    „Rechtstaat“ BRD!

    Für manche Fragen allein gehen 89-jährige Damen schon mal in den Knast, wobei es einem freiheitlich gesinnten Menschen EGAL SEIN MUSS, ob Fragen berechtigt sind oder nicht, denn alles andere wäre Gesinnungs-Justiz.

    1. Was!!?? 89 Jahre alte Damen müssen ins Deutschland ins Gefängnis??!
      Unverschämtheit!
      Ach, das ist Frau Haverbeck, die Nazi Oma. Dann passt’s ja.

    2. Die 89 jährige „Dame“ ist eine bekennende Holocaust Leugnerin…..ist nunmal strafbar, ob alt, ob jung.

    3. Meinungen darf jeder in Deutschland ganz frei äußern. Was Frau Haverbeck äußert sind aber keine Meinungen, sondern Holocaust-Leugnung und diese steht in Deutschland unter Strafe. Daher agiert hier der von Ihnen kritisierte Rechtsstaat sehr gut, da er nämlich nicht einfach eine 89-jährige Dame verurteilt, sondern eine 89-jährige Dame mit einschlägigen Vorstrafen wegen Holocaust-Leugnung immer wieder eben wegen Holocaust-Leugnung verurteilt, und wenn man das zu oft macht, kommt man auch irgendwann ins Gefängnis, ganz wie es der Rechtsstaat vorsieht.

      Offenbar glauben Sie, dass alles, was man sagt, Meinung ist. Dem ist nicht so. Holocaust-Leugnung ist keine Meinung, sondern eine Straftat. Volksverhetzung ist keine Meinung, sondern eine Straftat. Beleidigung ist keine Meinung, sondern eine Straftat. Ich hoffe, Ihnen ist der Unterschied nun etwas klarer.

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