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Spätes Bekenntnis von Ex-Investor Sean Parker: „Facebook beutet menschliche Schwächen aus“

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Die Anziehungskraft bleibt gewaltig: Auf Facebook loggen sich im Monat mehr als zwei Milliarden Nutzer ein

Einer der prominentesten Investoren der Internetszene rechnet mit seinem früheren Arbeitgeber ab: Sean Parker hat heute gegen Facebook zum Teil schwere moralische Vorwürfe erhoben. Der heute 37-Jährige, der dem jungen Start-up zwischen 2004 und 2005 als Gründungspräsident zum frühen Geschäftserfolg verhalf, erklärte gegenüber dem Portal Axios, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg habe wissentlich ein Produkt kreiert, das sich die psychologische Verletzlichkeit seiner Mitglieder zunutze mache und immer weiter ausbeute.

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Am Ende war es dieser eine Satz, der hängen blieb: „Eine Milliarde Dollar ist cool.“ Nicht eine Million, eine Milliarde. Das sagte der ehemalige Napster-Mitbegründer Sean Parker dem jungen aufstrebenden Programmierer Mark Zuckerberg im Hollywood-Film „The Social Network“, als es um die Finanzierung seines großen Traums geht – einem sozialen Netzwerk, das als Facebook die Welt verändern sollte.

Heute kennt die Anekdote wohl tatsächlich die halbe Welt. „The Social Network“, der Film, wurde zum Teil der Popkultur und Facebook, der eigentliche Inhalt des Blockbusters, zum Inbegriff des Mainstreams. Mehr als 2 Milliarden Menschen nutzen Facebook mittlerweile, das inzwischen zu einem der fünf wertvollsten Konzerne der Welt avanciert ist.

Parker spielte eine große Rolle in der Frühphase von Facebook

In der Gründungsphase des Social Networks spielte Sean Parker eine maßgebliche Rolle dabei, aus dem Studentenprojekt ein Start-up zu formen, das zu fliegen begann und die ersten Millionen Wagniskapital im Silicon Valley einsammelte. Der Ex-Napster-Gründer fungierte als erster Präsident von Facebook und wurde eine Zeit lang wohl auch zum Mentor des 19-jährigen Zuckerberg, bis Parkers fragwürdiger Lebensstil das Ende beim Social Network einleitete, wie der gleichnamige Film dokumentierte.

Dass Facebook mit dem Studenten-Start-up zum 521 Milliarden Dollar schweren Monster geworden ist, das von 2,07 Milliarden Menschen rund um den Erdball genutzt wird, während Parker an der Entwicklung seit mehr als einer Dekade nicht mehr beteiligt war, scheint den inzwischen 37-Jährigen durchaus noch zu beschäftigen.

„Nur Gott weiß, was Facebook mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet“
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Zur weiteren Entwicklung von Facebook äußerte sich Parker heute auf einer vom Nachrichtenportal Axios veranstalteten Podiumsdiskussion. „Facebook untergräbt die Produktivität in komischer Weise. Nur Gott weiß, was es mit den Gehirnen unserer Kinder anrichtet“, zeigte sich der Seriengründer und Tech-Investor ungewohnt kritisch.

Das gilt auch für die Frühphase von Facebook. „Die Motivation bei der Entwicklung der frühen Applikationen – und Facebook war die erste – war: Wie können wir so viel Zeit und Aufmerksamkeit der Nutzer wie möglich bekommen“, so Parker. „Das bedeutete, dass wir einen regelmäßigen Dopaminausstoß triggern mussten, weil jemand ein Bild oder Post likte oder kommentierte. Das führte dazu, dass mehr Leute mehr Content lieferten, die wiederum mehr Likes und Kommentare erzeugten“, erklärte Parker.

„Facebook ist eine soziale Bestätigungsmaschine, genau die Sache, die ein Hacker wie ich entwerfen würde, weil es sich die Verletzlichkeit der menschlichen Psyche zunutze macht“, gibt Parker  unumwogen zu.  „Die Erfinder – ich, Mark Zuckerberg und Kevin Systrom bei Instagram – haben das verstanden. Und wir haben es trotzdem gemacht“,  zeigt sich der  Tech-Milliardär selbstkritisch. Gleichzeitig scheint der Stachel, an der weiteren Erfolgsstory nicht mehr beteiligt gewesen zu sein, weiterhin tief zu sitzen…

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