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Hello Fresh-Aktie im Rückwärtsgang: Studie trübt Wachstumsaussichten für Rocket Internet-Beteiligung

Hello Fresh schafft den Sprung an die Börse
Hello Fresh schafft den Sprung an die Börse

Vergangene Woche ging die Rocket-Internet-Beteiligung Hello Fresh an die Börse. Doch die Notierung ist seit seither im Rückwärtsgang. Gestern rutschte der Wert weiter unter den Ausgabekurs von 10,25 Euro. Jetzt kommt eine Studie der Gruner + Jahr-CP-Tochter Territory heraus, die die Wachstumsaussichten des Anbieters im deutschen Online-Lebensmittelhandel trüben. Der Tenor: mehr als die Hälfte der Befragten sind nicht bereit, online Lebensmittel zu kaufen - der Frische wegen.

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Dominik Richter und Thomas Griesel dürften aufgeatmet haben. Vergangene Woche brachten die beiden Jungunternehmer den von ihnen gegründeten Kochboxen-Versender HelloFresh an die Börse, mit dabei der Mehrheitsaktionär Rocket Internet. Erst im zweiten Anlauf war den Geschäftsleuten die Börsenplatzierung geglückt. Vor zwei Jahren musste HelloFresh den Gang aufs Aktienparkett überraschend abblasen – zu ungünstig war das Marktumfeld.

Schnell ist jedoch die erste Euphorie verflogen. Denn die Anleger zeigen dem Wert die kalte Schulter. Der Aktienkurs ist seit dem Börsengang auf dem Rückwärtsgang. Er sank heute auf 9,08 Euro und bewegte sich damit deutlich unter dem Ausgabekurs von 10,25 Euro. Wenige Tage vor dem Handelsstart hatten bereits Analysten Bedenken geäußert, ob der Wert für Anleger ein gutes Investment ist. Als Grund nannten die Wertpapierspezialisten vor allem die Wachstumsaussichten in den USA. Hier war im Sommer der Konkurrent Blue Apron an die Börse gegangen. Doch die Aktionäre haben seither kräftig Federn lassen. Die Notierung halbierte sich seit der Erstnotiz. Grund für den Kurssturz ist der eCommerce-Riese Amazon, der nach dem Kauf der Bio-Supermarktkette Whole Foods, offenbar mit einem Einstieg in das Kochboxen-Versandgeschäft liebäugelt.

Nun drohen Hello Fresh auch auf dem deutschen Online-Lebensmittelhandel trübe Wachstumsaussichten. Einer Studie der Gruner + Jahr-Tochter Territory zufolge sind deutsche Verbraucher kaum bereit, Lebensmittel bei Online-Händlern zu kaufen. Der Corporate Publishing-Dienstleister hatte dazu bundesweit knapp 10.000 Verbrauchern befragt. Das Resultat: lediglich rund 20 Prozent der Befragten gaben an, online bislang frische Lebensmittel gekauft zu haben. Die Hälfte der Befragten (51,6 Prozent) wollen auch künftig Online-Lebensmittelhändler „nicht beziehungsweise eher nicht nutzen“, heißt es in der Studie. Auch HelloFresh, die seit sechs Jahren am Markt sind, lassen die Verbraucher offenbar links liegen. Von den 9200 Befragten gaben nur 101 Menschen an, je bei dem Kochboxen-Versender bestellt zu haben. Das sind 5,4 Prozent der Befragten.

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Dass Verbraucher – trotz Zeitersparnis und Bequemlichkeit – lieber direkt in den Supermarkt gehen als über das Web Lebensmittel zu beziehen, macht die Studie vor allem an mehreren Gründen fest. „Der Großteil der Befragten, die den Service bisher noch nicht in Anspruch genommen haben, ist davon überzeugt, dass seine Erwartungen an die Qualität der Produkte nicht erfüllt werden können – das gilt vor allem für Obst und Gemüse“, heißt es dort. So zweifeln die Verbraucher daran, dass die gelieferten Lebensmittel frisch sind. Als weitere Gründe für die Zurückhaltung nennt die Studie das Preis-Leistungs-Verhältnis sowie „die Skepsis, dass die Ware pünktlich geliefert wird.“

Das ist bitter für Hello Fresh. Denn dem Unternehmen droht auf dem deutschen Markt weiteres Ungemach. Jüngst hatte der US-Riese Amazon beim Deutschen Markenamt die Marke „Dinner for 2 in about 20 Minutes“ samt Koch-Logo eingetragen. Damit nährte der Handelsriese in der Branche Spekulationen, er steige hierzulande in den Markt der Kochboxen mit ausgewogenen Zutaten und Rezepten ein. Zusätzlichen Wettbewerb bekommt HelloFresh durch Rewe. Der Händler vertreibt bereits seit Längerem frische Lebensmittel über das Web. Der Lebensmittelmarkt gilt in Deutschland als einer der wettbewerbsintensivsten Branchen, die unter erheblichem Morgendruck steht.

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