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Paradise Papers: “Tagesschau” beleuchtet Geschäfte von „Automatenkönig” Gauselmann, unterschlägt aber den Werbe-Auftritt von Jan Hofer

Jan Hofer moderierte die Feier zum 60. Geburtstag der Spielautomatenfirma von Paul Gauselmann
Jan Hofer moderierte die Feier zum 60. Geburtstag der Spielautomatenfirma von Paul Gauselmann

Die Paradise Papers sind der Scoop der Stunde. Neben der Süddeutschen Zeitung gehören auch die Recherchepartner von NDR und WDR zu den Machern der Story. Allerdings glänzte der Norddeutsche Rundfunk nicht gerade in Sachen Transparenz. So unterschlagen die Hamburger - scheinbar ohne Not - in einem Paradise-Papers-Stück über Paul Gauselmann den Moderations-Auftritt von Jan Hofer, Chefsprecher der “Tagesschau”, auf der 60. Firmenfeier des “deutschen Automatenkönigs”.

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Unter der Überschrift “Der Offshore-Automatenkönig” berichten die NDR-Autoren Philipp Eckstein und Jan Lukas Strozyk, wie Gauselmann im Online-Glücksspielmarkt mitmischen würde. Das habe sich bei der Auswertung der Paradise Papers gezeigt.

Zum Einstieg ihres Stückes erzählen die Journalisten von der Feier des 60. Geburtstag des Unternehmers. Sie bezeichnen diese als “gigantisch”: “12.000 Menschen sollen ins beschauliche Espelkamp in Westfalen gekommen sein. Es gab ein Riesenrad, Fußballer Lukas Podolski sprach ein Grußwort und der ehemalige Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Garrelt Duin (SPD), lobte den Unternehmer in der Festrede als ‚Teil der Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik‘.”

Ein typischer Einstieg, um erst einmal Atmosphäre aufzubauen. Ein Detail ließen die Autoren aber weg. Moderiert wurde die Sause von Jan Hofer, Chefsprecher der “Tagesschau”, die ebenfalls auf dem Gelände des NDR in Hamburg Lokstedt beheimatet ist, auf dessen Webseite der Text erschienen ist und die auch in ihrer Hauptausgabe am Sonntag umfassend über die Paradise Papers berichtete.

Aufgefallen ist die Sache dem Investigativ-Team der Bild, das einen entsprechenden Hinweis auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte. Inklusive eines Verweises auf einen Bericht der Neue Westfälischen, die über den Hofer-Auftritt berichtete. Dort hieß es unter anderem: „Jan Hofer, der den Abend souverän moderierte, verkündete anschließend: ‚Paul Gauselmann will es heute richtig krachen lassen.’”

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Dass Sprecher der “Tagesschau” eine Vielzahl von Events und Veranstaltungen moderieren, ist normal. Tatsächlich sind die Sprecher nicht fest angestellt. Die Honorare, die ARD-Aktuell den Sprecherinnen und Sprechern zahlt, gelten als nicht allzu üppig. So rechnete das Hamburger Abendblatt einmal aus, dass sich die Honorare bei der „Tagesschau“ Zahl, Dauer und Art der Einsätze richte. “So wird die Sprechertätigkeit in der 20-Uhr-„Tagesschau“ mit 238,01 Euro honoriert; für eine Kurzausgabe (bis vier Minuten) sind es laut ARD 142,62 Euro.”

Das Versprechen, über Event-Einsätze die Einnahmen kräftig zu steigern, gehört fast schon zur Job-Beschreibung. Als Regel gibt Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-Aktuell, vor: „Grundsätzlich kann man freien Mitarbeitern aus arbeitsrechtlichen Gründen weitere Betätigungen nicht untersagen. Wir raten unseren freien Mitarbeitern, keine Engagements anzunehmen, die ihre Unabhängigkeit infrage stellen. Nach den Regelungen des NDR dürfen die Sprecher der ,Tagesschau‘ keine kommerzielle Werbung machen wie zum Beispiel Werbespots oder Printkampagnen.“

Trotzdem gibt es gerade wegen der Nebentätigkeiten auch immer wieder Ärger und schlechte Presse. An dieser Stelle sei nur an den McDonalds-Auftritt von Judith Rakers erinnert.

Im Fall der Gauselmann-Berichterstattung sind die Regeln zu den Nebentätigkeiten tatsächlich fast nebensächlich, denn um diese geht es nicht. Es geht um die fehlende Transparenz der “Tagesschau” in dieser Sache. Ohne Not verheimlichten die Autoren den Hofer-Auftritt und nahmen der eigenen Berichterstattung im Fall Gauselmann so etwas von ihrer Autorität. Das sieht mittlerweile auch der NDR so. So kommentierte ein Sprecher auf MEEDIA-Anfrage: “Auch wenn es mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun hat, wäre im Bericht von tagesschau.de ein Hinweis auf die Moderation der Feier durch Jan Hofer besser gewesen. Jan Hofer ist wie alle Sprecherinnen und Sprecher freier Mitarbeiter bei ARD-aktuell und benötigt keine Genehmigung.”

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Alle Kommentare

  1. Es stehen vielleicht auch zahlreiche Namen von deutschen System-Journalisten in den Paradise Papers. Nur wurden die vor Veröffentlichung noch mal schnell gelöscht… eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

  2. die PP sind der Scoop der Stunde? Nein. Sie werden dazu gemacht. Einiges ist interessant, vieles ist alt und ebenso langweilig ist, dass die öffentlich-rechtlichen Anstalten sich am lahmen Sonntagabend wie Hornissen darüber her machten. 1) Bei Lichte besehen wird die Rolle der SZ, des WDR und des NDR überhöht dargestellt – aufbereitet haben wohl andere Journalisten im Ausland viel mehr. 2) Die Sauereien begehen nicht (nur) die Nutznießer dieser Praxis, die in vielen Teilen völlig legal ist, sondern die Politiker, die dies schmunzelnd dulden und die entsprechenden Gesetze nicht ändern. 3) Siehe die vier Thesen von Apple, als Vorsaussetzung eines möglichen Standorts. Diese veröffentlicht zu haben, ist 4) das Verdienst von z.B. Plasberg – den Schaum darüber muss man einfach wegblasen.

  3. Ehrlich gesagt ist das doch ein doofes Derailing der „Bild“. Die „Paradise-Papers“ sollten Steuervermeidungsstrategien großer Konzerne darstellen, und weil man anscheinend nicht genügend markige deutsche Namen fand, die tatsächlich in großem Stil Steuern vermeiden, hängte man sich an Gauselmann auf, der – oh, Wahnsinn – das Internet nutzt, um von einem Land aus Dinge zu tun, die in einem anderen Land verboten sind. Ich fand den ganzen NDR-Bericht über weite Strecken unterirdisch, da kommt es auf den vergessenen Jan Hofer auch nicht mehr an.

    1. Man hätte wohl mehr deutsche Namen finden können, sah da aber wirtschaftliche Probleme. Automatenglücksspiel gilt nun mal als weniger gut beleumundet.

      1. Woher wollen Sie wissen, dass man mehr deutsche Namen finden könnte. Haben Sie Beweise? Haben Sie Namen?
        Oder ist das wieder nur Trollen gegen deutsche Staatsmedien?

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