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Im Visier von Privatdetektiven: Wie Harvey Weinstein versuchte, Journalisten und Opfer zum Schweigen zu bringen

Filmproduzent Harvey Weinstein
Filmproduzent Harvey Weinstein

Der unter vielfachem Missbrauchsverdacht stehende Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hat einem Medienbericht zufolge private Sicherheitsfirmen angeheuert, um Informationen über die Frauen zu sammeln, die ihm sexuelle Belästigung und Missbrauch vorwarfen. Und auch Journalisten gerieten ins Visier seiner Spione.

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Im Herbst 2016 soll Harvey Weinstein Privatermittler der israelischen Sicherheitsfirma Black Cube engagiert haben, um seine Opfer zu beschatten und mögliche Vorwürfe gegen ihn zu vertuschen, berichtet Ronan Farrow für das Magazin The New Yorker. Farrow war bereits für die erste Investigativ-Reportage über Harvey Weinstein im New Yorker verantwortlich, die das Ausmaß der sexuellen Enthüllungen ans Licht brachte.

Screenshot: The New Yorker

Black-Cube-Mitarbeiter sollten mit Falschaussagen außerdem Journalisten und Ermittler auf falsche Fährten führen. Farrow beruft sich auf Dokumente und die Aussagen von sieben beteiligten Personen. Die Privatermittler hätten Dossiers und Profile über Opfer, Journalisten und auch mit den Fällen betraute Amtspersonen angelegt, heißt es in der Reportage. Zwei Mitarbeiter von Black Cube sollen sich unter falschem Namen mit der Schauspielerin Rose McGowan getroffen haben. Eine Privatermittlerin habe sich als Frauenrechtsanwältin ausgegeben und mindestens vier Treffen mit McGowan verdeckt mitgeschnitten. Die 44-Jährige wirft Weinstein vor, sie vergewaltigt zu haben.

Weinsteins Sprecherin Sallie Hofmeister sagte dem The New Yorker: „Es ist eine Fiktion es so hinzustellen, als seien irgendwelche Personen zu irgendeiner Zeit ins Visier genommen oder unterdrückt worden.“

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Dutzende Frauen werfen dem Produzenten sexuelle Belästigungen bis hin zur Vergewaltigung vor. Weinstein streitet nicht einvernehmlichen Sex ab. Polizeibehörden in Los Angeles, Beverly Hills, New York und London ermitteln gegen den 65-Jährigen.

Die Weinstein-Enthüllungen ermutigten derweil immer mehr Frauen und Männer, offen von sexuellen Übergriffen zu berichten. So mehren sich auch die Vorwürfe gegen Oscarpreisträger Kevin Spacey. Buzzfeed zufolge wirft auch Harry Dreyfuss, Sohn des Schauspielers Richard Dreyfuss, Spacey sexuelle Belästigung vor. Der Vorfall soll sich im Jahr 2008 zugetragen haben, als Harry Dreyfuss 18 Jahre alt war. „Es geschah eines Nachts, als wir drei allein in Kevins Wohnung die Zeilen meines Vaters übten“, so Dreyfuss. „Mein Vater sah nichts, und ich habe ihm viele Jahre nichts von dem Vorfall erzählt. Stattdessen habe ich die nächsten neun Jahre damit verbracht, Leuten die Geschichte auf Partys zum Spaß zu erzählen.“ Dreyfuss bezeichnete Spacey als „sexuelles Raubtier“. Mittlerweile werfen mehr als zehn Männer dem «House of Cards»-Star Spacey vor, ihnen gegenüber sexuell übergriffig geworden zu sein. Angefangen hatte alles mit Vorwürfen des Schauspielers Anthony Rapp, der über sexuelle Übergriffe durch Spacey berichtet hatte. Spacey habe sich in therapeutische Behandlung begeben, erklärte eine Sprecherin.

(Mit Material der Dpa)

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