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Noizz-Macher Manuel Lorenz: „Wir hören lauter Musik als Bento, eskalieren aber nicht so hart wie Vice“

Manuel Lorenz leitet die Redaktion von Noizz
Manuel Lorenz leitet die Redaktion von Noizz

Millennials Im Visier: Seit einem guten halben Jahr ist Springers junges Web-Portal Noizz online. Im Vergleich zu Bento oder Ze.tt setzten die Berliner dabei auf eine eigene europäische Marke, die bereits in mehreren Ländern aktiv ist. Im MEEDIA-Interview ziehen die Macher Manuel Lorenz und Constantin Philippi eine erste Bilanz, sagen was sie von Konkurrenz unterscheidet und kontern die Kritik von Jan Böhmermann an Bento und die anderen Millennial-Projekten.

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Spiele-Themen, ein Stück über Sebastian Kurz, eine Reportage die aufdeckt, dass junge Flüchtlinge in Berlin auf den Strich gehen oder auch die passenden Sextoys für den Herbst. Ist das der typische Noizz-Aufmacher-Mix?
Manuel Lorenz:
Die Aufmacher sind bei uns nicht so wichtig.

Warum?
Lorenz:
Die meisten Nutzer kommen über andere Wege als über die Startseite zu uns. Ich glaube, bei den wenigsten Portalen geben die Leute heute noch aktiv die Internetadresse eines Nachrichten-Angebotes in die Browserzeile ein.

Unterschätzen Sie diese Gruppe nicht doch etwas? Wie auch immer. Wo kommt denn dann der meiste Traffic her?
Lorenz:
Aus News-Aggregatoren wie Flipboard und den sozialen Netzwerken. Bei uns ist das vor allem eine Mischung aus Facebook und WhatsApp. Wie die neue Online-Studie von ARD und ZDF zeigt, ist WhatsApp das einzige soziale Netzwerk, das wirklich noch wächst. Genau das merken wir auch. Über WhatsApp erreichen wir mittlerweile zehntausende von Nutzern.

Spielen Sie dabei alle Stories bei WhatsApp aus oder nur ausgewählte Stücke?
Lorenz:
Nur ausgewählte Stories. Eine Kollegin kümmert sich mehrmals am Tag um WhatsApp. Dabei ist es sehr wichtig, mit den Nutzern auch wirklich zu kommunizieren. So stellt sie auch immer wieder Fragen und hört genau zu. So wissen wir mittlerweile recht genau, welche Inhalte die WhatsApp-Nutzer wirklich wollen.

Noizz gibt es jetzt seit einem guten halben Jahr. Wie fällt denn die erste Bilanz aus?
Constantin Philippi:
Noizz gibt es ja schon in sechs europäischen Ländern, in Polen, der Slowakei, Serbien, Rumänien, Ungarn sowie Deutschland als das erste westeuropäische Land. Im September erreichten wir erstmal knapp vier Millionen Visits und 2,16 Millionen Unique User. 90 Prozent unseres Traffics kommt schon heute vom Smartphone. All diese Werte sind besser, als wir es uns erhofft haben. Zudem starteten wir im August noch unser kleines Vertical Yalla Noizz. Das bietet arabisch-sprachigen Content für die arabische Community in Deutschland. Das ganze Angebot wird von einem Kollegen gemacht, der vor zwei Jahren aus Syrien geflüchtet ist. Darüber hinaus finden wir auch in der Offline-Welt statt. So haben wir schon drei Partys organisiert und gefeiert, um die Marke zu stärken und erlebbarer zu machen. Das gehört auch zum Konzept dazu und das machen die NOIZZ-Portale in den anderen Ländern auch so. Kurz gesagt: Wir sind sehr zufrieden.

Gilt das auch für die Redaktion?
Lorenz:
Wichtig ist uns, dass wir uns jeden Tag weiterentwickeln. So werden wir gerade bei der Themen-Mischung immer besser. Wir entwickeln ein immer tieferes Verständnis dafür, wie man heute mit jungen Zielgruppen spricht und sie erreicht.

Und wie?
Lorenz:
Da geht es um Augenhöhe und um Transparenz. Aber auch darum, die Nutzer auf den unterschiedlichen Plattformen zu erreichen und diese passend zu bespielen. Vor allem müssen die Geschichten aber so erzählt werden, dass sie genau der Zielgruppe entsprechen. Zudem fordern die Nutzer eine feine Aussteuerung zwischen Information und Unterhaltung.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Lorenz:
Zur Bundestagswahl haben wir beispielsweise das neue Videoformat “Partei – Tag & Nacht” gestartet, das an die typischen Reality-Soap-Formate wie “Berlin – Tag & Nacht” angelehnt war. Dabei haben wir junge Politiker der großen Parteien in einer WG zusammengebracht. Allein mit der ersten Folge haben wir fast eine Million Views erzielt und fast zwei Millionen Menschen erreicht.

Wie entstehen die Themen bei Noizz?
Lorenz:
Im Grunde auf drei Wegen. Zum einen sehen wir uns an, was aufgrund der Nachrichtenlage und aus journalistischer Sicht gesetzt ist. Dann kommen viele Themen aus der eigenen Lebenswirklichkeit vieler junger Kollegen hier dazu, und zum dritten analysieren wir immer wieder sehr genau unsere Daten und schauen, welche Stories mit welchem Dreh besonders gut funktionieren. Aber auch der Austausch mit unseren internationalen NOIZZ-Kollegen ist wichtig.

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Wie muss man sich das vorstellen. Tauschen Sie sich täglich aus?
Lorenz:
Ja. Man darf nicht unterschätzen, wie vernetzt die heutige Generation ist. Viele Themen gehen tatsächlich über die Landesgrenzen hinweg. Wenn eine Story bei NOIZZ Polen gut läuft, dann schauen wir sie uns genauer an und übersetzen sie auch mal. So übernehmen die Kollegen beispielsweise oft unsere NOIZZ-BEST-Videos, in denen wir Berliner Locations mit besonderen Produkten vorstellen.

Haben die anderen Noizz-Redaktionen den deutschen Journalisten was voraus?
Lorenz: Ich würde sagen, dass die noch datengetriebener sind. Dabei entwickeln sie auch immer mehr eigene Tools.

Merken Sie dann auch schon diesen angeblichen Shift der jungen Menschen hin zu mehr Bewegtbild
Lorenz:
Die Antwort ist ja und nein. Wir merken schon, dass bestimmte Videos richtig durch die Decke gehen. Aber es kommt wirklich auf das Thema an. Jedes Thema hat mittlerweile die Darreichungsform, die besonders gut für sie passt. Mein Text über das Levis-Shirt, das dieses Jahr alle tragen, ist dermaßen viral gegangen. Das hätte als Video so nicht funktioniert. Instagram- oder Snapchat-Storys sind dazu ja auch eine Mischform aus Video, Fotos und Text, die auch immer besser funktioniert.

Hat Böhmermann recht und leiden die jungen Ableger von Noizz bis Ze.tt unter zu wenig Qualität, zu flachen Themen und zu vielen unlustigen Quizzen?
Lorenz:
Ist ein Burger-Laden schlechter als ein Sterne-Restaurant? Die Party muss der Crowd gefallen, nicht dem DJ. Und die hat vielleicht ein ganz anderes Verständnis von Tiefgang und Humor als Herr Böhmermann.

Wechseln wir das Thema: Trägt sich Noizz schon selbst?
Philippi:
Wir sind auf einem guten Weg.

Ich vermute mal, das soll heißen, dass die Vermarktung langsam am Anlaufen ist. Wie sind denn dann die ersten Erfahrungen? Wie konsumieren die jungen Zielgruppen heute Werbung?
Philippi:
Wir setzen überwiegend auf Native Advertising. Dazu kommt nur noch wenig Display-Werbung.

Produzieren sie die Native Inhalte direkt in der eigenen Redaktion?
Philippi:
Nein. Die werden von Bild Brand Studio zugeliefert. Redaktion und Vermarktung sind strikt getrennt.

Zum Schluss würde ich wirklich noch gerne wissen: Was ist der Unterschied zwischen Noizz, Bento und Vice?
Lorenz:
Wir hören lauter Musik als Bento, eskalieren aber nicht so hart wie Vice.

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