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Zoff um 2. DAB+ Multiplex: Medienanstalten müssen erneut über Radioprojekt der Zukunft entscheiden

Zusammen mit Ulrich Ende bietet Peter Löw (Foto), ehemaliger Inhaber der später in die Insolvenz gegangenen Berliner Nachrichtenagentur dapd, um eine DAB plus Multiplex-Lizenz
Zusammen mit Ulrich Ende bietet Peter Löw (Foto), ehemaliger Inhaber der später in die Insolvenz gegangenen Berliner Nachrichtenagentur dapd, um eine DAB plus Multiplex-Lizenz

Eigentlich hatte die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der Medienanstalten bereits am 6. Juni entschieden, dass der Anbieter Antenne Deutschland den Zuschlag für das zweite DAB+ Multiplex erhalten sollte. Doch juristischer Ärger führt dazu, dass die GVK hiefür einen neuen Termin angesetzt hat. Sie will jetzt am 14. November endgültig über den Zuschlag für das digitale Radioprojekt entscheiden. In Kreisen der Mitbewerber um eine bundesweite Kette von 16 Radioprogrammen sorgt der neue Termin allerdings für erheblichen Unmut.

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Der Wortlaut der Pressemitteilung klang vielversprechend und bindend: „Mit der Antenne Deutschland GmbH & Co. KG bekommt ein als Programmveranstalter und Netzbetreiber erfahrener Player den Zuschlag, bei dem wir erwarten können, dass es auch zügig losgeht“, erklärte Winfried Engel, Vorsitzender der Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der Medienanstalten, am 6. Juni. Damals hatte die GVK entschieden, der Antenne Deutschland GmbH & Co. KG den Zuschlag für das derzeit wichtigste Radioprojekt der Zukunft in Deutschland zu geben. Hinter Antenne Deutschland steckt ein Unternehmenskonsortium, das aus der Freenet-Tochter Media Broadcast und dem Radioanbieter Absolut Digital GmbH & Co. KG in Nürnberg (gehört zur Oschmann-Gruppe) besteht. Um den Betrieb des 2. DAB Multiplexes hatten sich diverse Firmen beworben. Dazu zählte die Digital Audio Broadcasting Plattform (DABP) um den Immobilienunternehmer Steffen Göpel aus Leipzig sowie die Radi/o Digital GmbH aus München. Dahinter stehen wiederum der Medienunternehmer Peter Löw, ehemals Miteigner der inzwischen zusammengebrochenen Nachrichtenagentur dapd, und der ehemalige N24-Geschäftsführer Ulrich Ende.

Bislang jedoch haben alle an den Bieterverfahren beteiligten Unternehmen keinen rechtlich bindenden Bescheid erhalten, ob sie für das zweite DAB+ Multiplex nun den Zuschlag erhalten haben oder nicht. Der Grund: Die Gremienvorsitzendenkonferenz hat für den 14. November einen neuen Termin anberaumt, um das Vorhaben endgültig abzusegnen. Dies erklärt Martin Deitenbeck, Geschäftsführer der sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) gegenüber MEEDIA. Anlass hierfür ist juristischer Ärger. Der Mitbieter DABP aus Leipzig hatte am 22. Juni im Eilverfahren beantragt, den Zuschlag für die Antenne Deutschland GmbH zu untersagen. Den Eilantrag hatte nach Angaben von Deitenbeck zwar das zuständige Verwaltungsgericht einige Monate später kassiert. Doch die SLM und die GVK sehen sich angesichts dieses juristischen Einwurfs „sensibilisiert“, dass die Gremienvorsitzendenkonferenz der Medienanstalten noch einmal über das Vorhaben entscheiden müsse. Deitenbeck geht davon aus, dass die Antenne Deutschland erneut mehrheitlich den Zuschlag für das 2. DAB+ Multiplex erhält. Die Medienanstalten halten sich hierzu auf MEEDIA-Anfrage bedeckt: „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns aufgrund des laufenden Verfahrens nicht äußern können“, betont eine Sprecherin.

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In Kreisen der unterlegenen Mitbewerber sorgt allerdings das Vorgehen der GVK für Kopfschütteln. „Wir wundern uns schon sehr darüber, warum hierüber sechs Monate danach erneut eine Sitzung anberaumt werden muss. Das kann nur bedeuten, die Entscheidung nach der ersten Sitzung ist juristisch wackelig“, erklärt der frühere N24-Geschäftsführer Ulrich Ende gegenüber MEEDIA. Von einer „zügigen“ Umsetzung des Radiovorhabens könne also keine Rede sein. Das 2. DAB plus Multiplex soll helfen, den Ausbau des digitalen Radios zu beschleunigen. Wer hierfür den Zuschlag erhält, kann bundesweit eine Kette von 16 Radioprogrammen betreiben. Das Vorhaben verspricht Millionenerlöse. Denn der künftige Betreiber der Radiokette ist mit seinen Angeboten besonders für Werbetreibende wie beispielsweise Handelsunternehmen interessant, die bundesweit ihre Kampagnen streuen wollen. Langfristig könnte der Radiobetreiber noch einen weiteren Wachstumsschub erwarten, wenn in einigen Jahren selbstfahrene Autos über Deutschlands Straßen rollen. Fahrzeuginsassen haben dann genügend Zeit, Entertainment-Angebote über ihr Digitalradio anzuhören.

Ob Nachrichten in Schlagzeilenform, Verkehrsdaten, Wetterkarten, Musiktitel und ihre Interpreten – wer derzeit in seinem Auto über ein Digitalradio verfügt, kann bereits über das erste bundesweite Multiplex auf die Angebote von vier öffentlich-rechtlichen und neun kommerziellen Sendern zugreifen. Bei den vier öffentlich-rechtlichen handelt es sich unter anderem um Programme des Deutschlandradios. Im Privatradiobereich sind bundesweit über DAB plus die Sender Absolut Relax, Bob, ERF plus, Sunshine Live, Klassik Radio, Radio Energy, Radio Horeb, Schlagerparadies und Schwarzwaldradio zu hören.

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