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Focus Online startet Lokal-Offensive: Chefredakteur Steil intensiviert Koop mit DuMont und gewinnt Südwestpresse

Will das Angebot von Focus Online massiv ausbauen: Chefredakteur Daniel Steil
Will das Angebot von Focus Online massiv ausbauen: Chefredakteur Daniel Steil

Daniel Steil befindet sich inmitten einer neuen Mission: Der Chefredakteur von Focus Online will auf seiner Plattform so viele Inhalte wie möglich vereinen und so die Stellung des Burda-Portals gegenüber den Vermarktungsgiganten Facebook und Google verbessern. Dazu schließt Steil aktuell zahlreiche Kooperationen mit regionalen und lokalen Medien. Neu dabei: DuMonts Hamburger Morgenpost und die Südwestpresse.

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Der folgende Satz ist keine Übertreibung: Daniel Steil plant, Focus Online – zumindest in Deutschland – zum größten Informationsangebot neben Google und Facebook ausbauen. Hilfe holt er sich dafür von Dritten. Bereits vor einigen Monaten sorgte der Chefredakteur des Burda-Portals für Aufsehen, als er gerade die ersten Schritte des ambitionierten Plans umgesetzt hatte. Im Sommer wurde bekannt, dass Focus Online nicht mehr nur selbst erstellte Inhalte veröffentlicht, sondern auch für Artikel der ADAC Motorwelt  und sogar für Pressemitteilungen von Polizeibehörden zur Verfügung steht.

Aktuell befindet sich Steil inmitten der nächsten Stufe seiner Ausbaupläne: Seit Wochen kontaktiert und besucht der Chefredakteur regionale und lokale Medienhäuser, um für seine Plattform als Vertriebsweg zu werben – mit einigem Erfolg.

Fast unbemerkt startete im vergangenen Jahr der Kölner Express eine Testphase, die mittlerweile verlängert und ausgebaut worden ist, wie die dahinterstehende DuMont Mediengruppe gegenüber MEEDIA bestätigt. Ähnlich wie bei Facebooks Instant Articles leitet der Express dabei einen Teil seiner Inhalte direkt auf die Plattform des Drittanbieters Focus Online weiter, der dort unter vergleichsweise kleinem Express-Branding veröffentlicht wird.

Annahmen, dass Focus Online damit auf direktem Wege seine Reichweiten erhöht, laufen dabei aber ins Leere. „Die Reichweite wird seit Juli beim Express gezählt“, erklärt Thomas Kemmerer, General Manager von DuMonts Digitalmedien. Vielmehr fungiert die bestehende Reichweite von Focus Online als Lockmittel. Im September holte das Portal laut IVW mehr als 68 Millionen Visits und laut AGOF-Messung 23,7 Millionen Unique User im August (aktuelle Zahlen). „Wir können mit Hilfe des Focus unsere Reichweite noch einmal steigern“, so Kemmerer. Wie viel Traffic über den neuen Vertriebskanal kommt, ist nicht bekannt. Doch scheinen die Zahlen zu überzeugen: Ab November will DuMont auch Inhalte der Hamburger Morgenpost weiterreichen.

Die DuMont-Medien zählen zu den bislang größten Marken, die Steil zu Focus Online locken konnte. Ebenfalls ab November soll auch die Südwestpresse hinzukommen. Eine Anfrage an die Chefredaktion blieb bislang aber unbeantwortet.

Bereits 25 Medienpartner an Bord

Der Benefit für Focus Online liegt vor allem in zwei Punkten: Steil erweitert einerseits das Angebot seiner Plattform, ohne dafür großartig eigene Ressourcen einzusetzen. Die Integration der Inhalte läuft möglichst automatisch. Dennoch ist die Produkterweiterung auch innerhalb der Redaktion spürbar: Focus Online soll dem Vernehmen nach mittlerweile ein etwa 30-köpfiges Team unterhalten, das sich um das Partnership-Projekt kümmert. Am Programm, das unter Focus Online Local firmiert, sollen bereits mehr als 25 Medien teilnehmen. Dabei konzentriert sich Steil nicht nur auf bekannte Medienmarken oder regionale Marktführer, sondern auch auf kleinere Wettbewerber und Hyperlokalmedien – unter anderem mit dabei sind Portale wie Dortmund24 und Unna24 des Medienhaus Lensing (Ruhr Nachrichten) oder Nord24 von der Nordsee-Zeitung. Zudem gilt das Angebot jederzeit für mehrere Medien aus einem Erscheinungsgebiet. Wie immer bei Focus Online gilt auch in diesem Fall: Exklusivität gibt es nicht.

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Darüber hinaus will Steil, der auch im Management Board von Burdas Digital-Tochter Burda Forward sitzt, mit der Offensive die Vermarktungs-Position von Focus Online stärken. Im Auge hat er dabei weniger die Konkurrenz anderer Medienhäuser, sondern vielmehr Vermarktungsgiganten aus den USA. Es gehe darum, „gegen Google und Facebook zu bestehen. Alleine wird es da viel schwieriger werden“, zitierte jüngst der Kressreport aus einem Brief, den Steil an mehrere Redaktionen geschickt haben soll. Neben Lokalmedien soll Steil auch weitere, weniger unabhängige Share-Holder wie Unternehmen im Visier haben. Google News verfährt ähnlich.

Der Vorteil, den Steil als Alternative zu Google und Co. anbietet: „Focus Online und die Premium Content Partner haben gemeinsam ein für beide Seiten sehr partnerschaftliches Revenue Share Modell entwickelt. Dieses gilt für alles, was mit Artikeln und Videos erwirtschaftet wird“, heißt es seitens Burda Forward. Die TKP, die der Focus-Online-Chef insgesamt vor Augen hat, sind ordentlich. Zwei bis fünf Euro für Artikel, bis zu 17 Euro für Video-Inhalte will Steil erlösen, soll es in besagtem Brief geheißen haben. Freilich sind das bislang erst einmal Schätzungen aus einem Angebotsschreiben. Weiter stellt Focus Online seinen Partnern Know-how in Sachen Technologie, Suchmaschinenoptimierung und Social-Media-Management zur Verfügung, wovon vor allem kleinere Anbieter profitieren.

Steils Vorhaben trifft nicht überall auf Gegenliebe

Dennoch könnte der Deal die Partner mehr kosten, als auf den ersten Blick ersichtlich. Denn auch wenn Steil durch den Revenue Share alle Seiten profitieren lässt, dürfte er sich und sein eigenes Portal langfristig am meisten stärken. Auch wenn der Traffic der einzelnen Artikel bei den Partner-Medien gemessen wird, befinden sich die Nutzer  grundsätzlich erst einmal auf Steils Plattform. Oberste Priorität der eigenen Redaktion dürfte es dann sein, die Nutzer möglichst lange bei Focus Online zu halten und auch auf Inhalte zuzuführen, die Focus Online only sind. Deshalb dürfte Steils Vorstoß nicht überall Anklang finden. Vor allem Medienhäuser, die für ihre Marken Zentralredaktionen gebildet haben und sich darüber hinaus als Dienstleister für Dritte zu positionieren, müssen mit neuer Konkurrenz rechnen. Davon betroffen sind Mediengruppen wie Madsack oder Funke. Wie man zur Offensive von Focus Online steht, wollten die Unternehmen auf Nachfrage aber nicht erläutern.

Denn der Inhalte-Deal, den Focus Online anbietet, muss langfristig keine Einbahnstraße bleiben. „Partnerschaftlich heißt für uns, dass Dinge in beide Richtungen gehen sollen“, sagt Steil gegenüber MEEDIA. Im Gegenzug und bei Bedarf will er nicht nur Inhalte beziehen, sondern selbst erstellte Artikel oder Videos  auch auf den Plattformen der Partner platzieren. Aktuell biete man beispielsweise kostenfrei eine mehrteilige Reportage-Reihe aus Nordkorea an. „Die Inhalte könnten möglicherweise auch für die Print-Titel der Häuser genutzt werden“, so Steil. „Wir arbeiten an weiteren Möglichkeiten, Partnern Inhalte von Focus Online zur Verfügung zu stellen. Hier sind wir erst am Anfang und wollen gemeinsam mit unseren Partnern lernen und uns Schritt für Schritt verbessern.“

 

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