Anzeige

„Monitor“-Mann Georg Restle: „Journalisten, die behaupten neutral zu sein, machen sich zu Sprachrohren von PR-Abteilungen“

Georg Restle, Redaktionsleiter und Moderator beim ARD-Politikmagazin „Monitor“
Georg Restle, Redaktionsleiter und Moderator beim ARD-Politikmagazin "Monitor"

Georg Restle, Leiter und Moderator des ARD-Politikmagazins "Monitor", ist immer für einen streitbaren Kommentar zu haben. Aktuell sorgt er bei Facebook und Twitter mit einem Meinungsstück für Aufmerksamkeit, in dem er das Recht und die Pflicht von Journalisten zur Meinung verteidigt. "Journalisten nämlich, die von sich behaupten, neutral zu sein, leugnen damit nicht nur den Kern alles Menschlichen, sie machen sich auch nolens volens zu Sprachrohren von PR-Abteilungen", so Restle.

Anzeige
Anzeige

Restle führt weiter aus: „Man stelle sich nur vor, wie eine ’neutrale‘ Berichterstattung über die Finanzkrise, soziale Gerechtigkeit oder die Flüchtlingspolitik aussehen soll. Am Ende niemals so, wie die meisten Neutralitäts-Apologeten es gerne hätten.“ Für „guten Journalismus“ würden andere Kritieren gelten, so der „Monitor“-Mann: „Genauigkeit, Unabhängigkeit und Transparenz gehören ganz sicher dazu.“ Ein Journalist solle und dürfe auch bewerten, was er recherchiert hat, solange er dies kenntlich macht: „Besser so, als eine ‚Neutralität‘, die Uneinlösbares verspricht und dabei die eigene Haltung nur kaschiert.

Restle spricht in seinem Kommentar die immer wieder zu hörende Forderung an Medien und Journalisten an, Meinung und Berichterstattung komplett zu trennen. Viele Medienkritiker fühlen sich durch eine angeblich von Meinungen durchtränkte Berichterstattung angeblich bevormundet. Restle deutet dies als die verkleidete Absicht, in Wahrheit nur eine eigene Agenda durchzurücken. Er erteilt in seinem Kommentar dem Wunsch an eine „greifbaren Wahrheit, die aller Interessen entkleidet, eindeutig und unmissverständlich zu kommunizieren sei“ eine Absage. Das mag unbequem sein und von Lesern und Zuschauern auch einiges an eigener Bewertungsleistung verlangen, ist aber durchaus ein wichtiger Beitrag zur Debatte um die Glaubwürdigkeit von Medien.

Anzeige

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Was Restle sagt, ist für jeden aufgeklärten Zeitgenossen schon soweit eine Selbstverständlichkeit, dass man dazu ‚Banalität‘ sagen könnte. Seit Heisenberg („Unschärferelation“, 50er Jahre des letzten Jhdts) ist das Allgemeinwissen.

    Am Beharren auf die eine angebliche „Wahrheit“, die stets die eigene ist und die zumeist mit (rhetorischer) Gewalt (‚Hatespeech‘) durchgesetzt werden soll, erkennt man die Ideologie-Besessenen.

  2. Er schreibt das bei facebook ! Eine öffentlich-rechtliches Anstalt nutzt die schlimmste private Datenkrake als Medium. Da fängt bereits der Irrsinn an – denn womit verdient facebook Milliarden ?
    Ein Moderator der dort postet hat keine Medienkompetenz, er verweigert sich seiner Vorbildfunktion, er macht Werbung für Facebook und er tritt die informelle Selbstbestimmung der User mit Füßen – in dem er dort Diskussionen eröffnet. Mitdiskutieren kann nur, wer Facebook seine Daten überlässt. Untragbar !
    Dem kompletten ÖR sollte verboten werden diese Plattform zu benutzen. Mit fast 9 Milliarden Euro Beitragseinnahmen ist es problemlos möglich eine Plattform aufzubauen, die den Belangen der Zwangsbeitragszahler gerecht wird.
    Facebook ist der falsche Platz.
    Und die Trennung „Meinung/Berichterstattung“ ist erst seit Auftreten der AFD Thema. Plötzlich greifen Moderatoren des ÖR-Rundfunks aktiv und leider einseitig in Diskussionen ein, machen – um es plakativ darzustellen – gemeinsame Sache mit denen, denen sie Jahrzehnte nicht an den „Karren“ gefahren sind.
    Der ÖR hat sich immer zum Handlanger der etablierten Politik gemacht, weil nur die Politik(er) der ÖR garantieren können. Nur sie können den Fortbestand von irrwitzigen 46 TV-Sendern und 74 Radiosendern garantieren, nur sie können dafür sorgen, dass Milliarden Euro Pensionsansprüche weiter finanziert werden. Das ist der Deal !

  3. Soll Journalismus informieren oder das Publikum erziehen? Renate Köcher hat die Unterschiede von deutschen und anglo-amerikanischen Journalisten schon vor vielen Jahren in ihrer Doktorarbeit „Spürhund oder Missionar“ beschrieben. Das Thema ist offenbar aktueller denn je.

  4. Und dann lässt sich so ein Typ seine Meinung von Beitragszahlern vergolden, die mit Gewalt ihre Beiträge entrichten müssen. Erinnert irgendwie an Deutschland 1933-1945. immerhin hat man beim Staatsfunk die Richtung der geäußerten Erkenntnis korrigiert und redet nun offen von Tatsachen ersetzender Meinung.

  5. Ist das nicht eher ein Argument um einseitige Artikel zu verteidigen bzw. Linke bzw. Rechte oder Neoliberale Zeitungen für jeweilige Käufergruppen und ihre Echo-Hallen zu bestätigen ?
    Der Klimawandel wurde bewiesen. Der Mindestlohn hat keine Zillionen Jobs gekostet wie es viele Neoliberale und ihre Zeitschriften/Zeitungen immer behaupteten und die AfD hat bisher wie viel Oppositions-Heldentaten abgeliefert wie die AfD-Fanboy-Gruppen scharenweise vor der Wahl versprochen hatten, welche inzwischen komischerweise aus vielen Foren verschwunden sind was man mal als Mechanismus lernen sollte um unkonstruktive Gruppen schneller die Basis trockenzulegen.

    Bei ct‘ gibts keine Testsieger sondern Vor- Nachteile der einzelnen Produkte.
    Das Trumps Bauprojekte fertig geworden sind und wie Hillary mit dem Konkurrenten Sanders umgegangen ist oder auch natürlich http://www.heise.de/tp/features/Wikileaks-Enthuellung-raeumt-letzte-Zweifel-aus-3354040.html gehört in jede Bericht-Erstattung über USA-Wahlkampf.
    Der Leser will nicht wissen ob Tesla3 pauschal gut oder schlecht ist sondern die Vor- und Nachteile und seit dem mooreschen Gesetz und der Bildungs- und IT-Gesellschaft auch noch wie schnell es sich verändert. UHD-TVs mit 65(?)“ gibts für 699 Euro ! Denn 10%-20% der Fahrräder vor dem Supermarkt sind ELEKTRO und die haben keine Subventionen bekommen ! also wartet jeder auf ein brauchbares E-Auto.

    Gute Journalisten geben also einen möglichst vollständigen Blick und Vor- Nachteile und möglichst 360. Stattdessen ist man oft nur einseitig auf einer Seite statt einen tieferen Einblick in die Sachverhalte zu liefern wofür Online locker Platz hat. Von sowas wird das Land nicht besser.
    Und Online-Artikel basieren immer noch auf platzbegrenztem Print bzw. Agenturmeldungen für Zeitungen seit dem Krieg statt durch ein wenig mehr Informationen die Artikel deutlich vollwertiger zu machen. Radio hingegen muss die Agenturmeldungen auf 5-Minuten-Radio-News umformulieren oder TV muss zu Agentur-Meldungen (Stand)Bild oder Videomaterial hinzufügen. Online hingegen gibts oft nur Copy-Paste ohne viel Eigenleistung.

    Die systematische Bejubelung des arabischen Frühlings, des Sturzes von Sadam Hussein oder die Befreiung von Afghanistan haben welchen wahren Nutzen erbracht ? Na also. Als ob Catalonien(?) oder Kurdistan oder Schottland und andere Abspaltungs-Gebiete nicht mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch in Schulden, Korruption und Miswirtschaft enden würde wenn sie frei wären. Was sind die nachweisbaren Leistungen von Klitschko als Bürgermeister von Kiew ? Na also.

  6. „Viele Medienkritiker fühlen sich durch eine angeblich von Meinungen durchtränkte Berichterstattung angeblich bevormundet.“

    Nicht nur Medienkritiker, sogar ganz normale Leser/Zuschauer finden das…

    „Betreutes Fernsehen oder Zeitung lesen“ ist halt nicht jedermanns Geschmack.

    Leider ist es doch sehr auffällig, das lediglich links-reaktionäres oder links-populistisches Gedankengut geduldet oder sogar von Vorgesetzten eingefordert wird. Da wird eine links-populistische Wunsch-Wirklichkeit als „Fakten“ verkauft und Fakten zu „Vorurteilen“ umgedeutet…

    Das alles führt letztlich dazu, das die System-Medien jedwede Glaubwürdigkeit verlieren und die Leser/Zuschauer sich lieber bei den sog. „Populisten“ informieren.

    BILD-Zeitung Auflagenverlust fast 15%… so was kommt von so was!

    Oder wie Ralf Stegner sagen würde: „Jedem das seine ;-)“

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*