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Jan Böhmermanns gnadenlose Abrechnung mit dem Spiegel-Portal Bento: „Tod des Qualitätsjournalismus“

Jan Böhmermann knöpft sich das Spiegel-Jugendangebot Bento vor
Jan Böhmermann knöpft sich das Spiegel-Jugendangebot Bento vor

"Bento ist das Geilste, was es zurzeit im Internet gibt – neben Darknet, Waffenhandel, der Erotikseite Apfeltaschenhub.com und unironischen Selfies von Bülent Ceylan." Mit diesen Worten leitet Jan Böhmerann einen rund 20-minütigen Rant ein, in dem er das Jugendportal des Spiegel-Verlags gnadenlos auseinandernimmt. Der Moderator prangert darin vor allem mangelndes journalistische Handwerk an sowie den Umgang des Portals mit Native Advertising.

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Jan Böhmermanns Abrechnung mit Bento während seiner Late-Night-Show „Neo Magazin Royale“ am Donnerstagabend war eine Aneinanderreihung von Vorwürfen und Angriffen: Die Bento-Redakteure bezeichnete er als „unbezahlte Emojis mit befristeten Arbeitsverträgen“ und urteilt: „Das ist die Zukunft, direkt aus den Kellern des Spiegel-Verlags: zynische Quizze, absurde Listen und notdürftig verhüllte Werbung“.

Bento-Quiz zur Frage „Welcher Bürgerkrieg bist du?“

Besonders ärgert sich Jan Böhmermann über eines der vielen Quizze mit dem Titel „Welcher Bürgerkrieg bist du?“, das bei Bento Ende 2016 erschienen ist. In dem offenbar satirisch gemeinten Quiz sollen die Leser Fragen beantworten wie „In deiner Timeline postet ein Freund Bilder einer Krisenregion. Ab wann entfreundest du ihn?“. Die Antwortmöglichkeiten lauten unter anderem: „Frauen, die an einem Seil aufgeknüpft sind“ oder „Ein Baby, mit abgesprengtem Unterleib“.

„Notdürftig verhüllte Werbung“

Darüber hinaus lässt sich der Moderator auch über Bentos Werbeeinnahmen aus. Das Jugendportal generiert einen Teil seiner Einnahmen offenkundig auch durch Native Advertising, das heißt, durch Werbeanzeigen, die in das redaktionelle Umfeld der Seite eingebunden und als Sponsored Posts gekennzeichnet werden. Jan Böhmermann beschreibt diese Vorgehensweise als „Werbekunden, die sich bei Bento mit ihren Marken und Produkten in ein fertig gemachtes Bett legen können“ und zeigt auf seine Frage, wie wohl das Presserecht darauf reagieren würde, einen verzweifelt schluchzenden William Cohn:

Insgesamt sei das Jugendportal Bento eine „derartige journalistische Insolvenzerklärung“, so Böhmermann, dass sich der im Jahr 2002 verstorbene Spiegel-Gründer Rudolf Augstein sicher versuche, aus seinem Grab auf Sylt zu befreien, „um die Bento-Redaktion eigenhändig in der Elbe zu versenken.“

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Am Ende kommt Böhmermann zu dem Schluss, dass das ZDF nur mit Journalismus einer möglichst breiten Öffentlichkeit begreiflich machen könne, „dass Bento jeden Montag 3.67 Millionen Unique Usern auch in Ihrer Nähe die Hirne zersetzt“ und kündigt daraufhin Printo an: eine gedruckte Zeitung im typischen Bento-Layout, die mit einer Auflage von 50.000 am heutigen Freitag in Köln, Dresden, München und Hamburg kostenlos verteilt werden soll. Auf der entsprechenden Webseite printoonline.de können außerdem Abos für das Heft abgeschlossen werden.

Screenshot Printoonline.de

Die Bento-Redaktion selber scheint die Abrechnung zunächst mit Pragmatismus zu nehmen und hat zwei der Quizze, die Böhmermann anspricht, wieder auf die Startseite von Bento.de gehoben: 1. „Kannst du so schnell laufen wie ein Schwein“ von April 2017 und 2. „Schaffst du alle Fragen im Böhmermann-Quiz“ aus dem Sommer 2016.

Redaktionsleiter Ole Reißmann hat sich noch nicht persönlich geäußert; Raphael Raue, der sowohl der SEO-Chef bei Bento als auch bei Spiegel Online ist, bezeichnete die Kritik derweil als „kafkaesk“:

Zu den Vorwürfen, Bento setze Native Advertising als „versteckte Werbung“ ein, bezieht der Spiegel-Verlag gegenüber MEEDIA Stellung und erklärt: „Anders als im ZDF gezeigt, kennzeichnen wir Native Advertising sehr deutlich – an drei Stellen: über dem Beitrag, im Beitrag und unter dem Beitrag. Auch wenn ein Native Ad über Facebook läuft, ist das bereits dort gekennzeichnet. Das war immer so und wird auch künftig so sein. Von ‚verstecken‘ kann also keine Rede sein.“

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Alle Kommentare

  1. An die ganzen Rechenexperten. 9 Milliarden EUR ist das Beitragsgesamtaufkommen. Das ZDF erhält davon 2 Milliarden. Wenn schon schimpfen, dann bitte richtig……

  2. Böhmermann?

    Ist das nicht der, der für verbale Sodomie den Grimmepreis bekommen hat?
    DER äußert sich zu Qualität in den Medien?
    Und Ihr druckt das hier ab?

    Mehr Systemling wie der geht doch nicht mehr.

  3. Kenne Deinen Platz, Jan! Es kritisiert sich leicht, wenn man sich aus dem 9 Mrd. Rundfunksteuer-Trog bedienen kann. Da gibt es im ÖRR genausoviele Qualitätsleichen. Leider nicht immer ganz treffsicher, unser Jan. Trotzdem weitermachen!

  4. Autsch. Das war aber mal so richtig auf die Fresse. Und längst überfällig. Bento ist einfach nur Volksverdummung. Nicht zu vergessen die anderen „Jugendportale“ ze.tt und Co., die nicht viel besser sind.

  5. Ja, zumindest damit haben sie recht: Das ZDF hat sich beim Thema Werbung auch nicht mit Ruhm bekleckert…

    und das bei fast 9 Milliarden Zwangs-Gebühren…

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