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Keine „Anspielungen auf Vaginalhygiene“ erlaubt: Apple zensierte Carpool Karaoke – auf Anordnung von Tim Cook

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Frühere Episoden vom Viral-Hit Carpool-Karaoke

Apple hat seit jeher das Image, seinen Kunden eine klinisch reine Produktwelt anzubieten – die Tech-Version von Disneyland. Steve Jobs war etwa stets darauf bedacht, dass Apple-Geräte frei von Apps mit pornografischen Inhalten bleiben. Tim Cook hat offenkundig die gleichen Moralvorstellungen: Wie Bloomberg berichtet, hat sich der Start des Viral-Formats Carpool Karaoke auf Apple Music auch deshalb so lange verzögert, weil Apple nachträglich anzügliche Bemerkungen herausgeschnitten hat. Apples Film- und Serien-Ambitionen sollen ohne Nackt- und Gewaltszenen und obszöne Dialoge auskommen.

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Seit den letzten Tagen von Steve Jobs ist Apple auf ein blitzsauberes Image bedacht. Apple-Produkte sollen so familientauglich wie ein Ausflug nach Disneyland sein, so scheint es. Exemplarisch dafür steht der legendäre E-Mail-Schlagabtausch zwischen Jobs und dem Klatschportal Gawker im Jahr 2010.

Redakteur Ryan Tate beklagte sich seinerzeit eines Nachts per E-Mail bei Jobs, dass pornografische Inhalte von Apple im App Store blockiert worden wären. Jobs antwortete tatsächlich umgehend darauf, die Sache würde er anders sehen, wenn Tate einmal Kinder habe.

Apple-Welt: Alles, was sexuelle Konnotation besitzt, ist unerwünscht

Der Technologiejournalist bot Jobs noch weiter Paroli, bis es dem Apple-CEO zu bunt wurde und er den Dialog mit den bleibenden Worten beendete: „Und übrigens, was haben Sie bisher so Großes geleistet? Haben Sie irgendwas erschaffen oder kritisieren Sie einfach die Arbeit anderer und versuchen deren Motivation herabzusetzen?“.

Tatsächlich scheint Cupertino ein gehöriges Problem mit Inhalten zu haben, die auch nur im Entferntesten eine sexuelle Konnotation besitzen. Ebenfalls 2010 zensierte Apple in seinem iBooks Store den Klapptext zu  Herman Melvilles Klassiker der Weltliteratur „Moby Dick“: aus dem Sperm Whale (englisch für Pottwal) wurde s***m whale – das Wort „Sperm“ bedeutet im Englischen auch Sperma und wurde deshalb von Apple als anstößig eingestuft.

„Schmutzige Sprache und Anspielungen auf Vaginalhygiene wurden entfernt“

Jobs‘ Nachfolger Tim Cook hat das Prüderie-Mantra seines Mentors konsequent fortgesetzt. Wie Bloomberg berichtet, hat sich Apples zugekauftes Viral-Format Carpool Karaoke, das eigentlich im April auf dem Streaming-Dienst Apple Music gezeigt werden sollte, auch wegen Zensurmaßnahmen verzögert, die von oberster Ebene in Gang gesetzt worden seien – nämlich von Cook selbst.

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„Der Vorstandsvorsitzende hat seinen Stellvertretern erklärt, der Spaß müsse warten“, berichtet der Finanzinformationsdienst. „Schmutzige Sprache und Anspielungen auf Vaginalhygiene mussten aus einigen Episoden entfernt werden“, schreibt Bloomberg. Wegen nachträglicher Schnitte und Nachdrehs verzögerte sich die Ausstrahlung von Carpool Karaoke schließlich auf August.

„Ein konservatives Unternehmen macht erste Schritte in eine neue Industrie“

In nächsten Jahr will Apple nach Angaben des Wall Street Journals eine Milliarde Dollar in Bewegtbild-Produktionen investieren. Für das Vorhaben hat Apple zwei absolute Top-Manager aus Hollywood verpflichtet: Jamie Erlicht und Zack Van Amburg, die die Erfolgsserien „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ mitentwickelt haben, wechseln nach Cupertino.

Ob Apple mit seinem konservativen Sendungsbewusstsein auf dem umkämpften Streaming-Markt, in dem sich gerade (Krimi-) Serien wie „Breaking Bad“, „The Walking Dead“ oder etwa „Game of Thrones“ mit dunklen und zwielichtigen Charakteren enormer Beliebtheit erfreuen, neue Zuschauer anlocken kann, bleibt abzuwarten.

Auf Nackt- und Gewaltszenen und unflätige Dialoge wolle Apple in seinen Bewegtbildbemühungen bewusst verzichten, berichtet Bloomberg.
„Ein konservatives Unternehmen macht erste Schritte in eine neue Industrie“, kommentiert der Finanzinformationsdienst Apples Film- und Serien-Ambitionen bissig. „Apples Milliarden-Wette auf Hollywood ist das Gegenteil von trendig,“ schlagzeilt Bloomberg.

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