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Noch kein Durchbruch bei Grosso-Gesprächen? Verhandlungen zwischen Verlagsallianz und Verband gehen weiter

Vertreter der Verlags-Allianz: Burda-Vorstand Philipp Welte, Springer-Manager Christian Nienhaus und Funke-Geschäftsführer Manfred Braun (von li.)
Vertreter der Verlags-Allianz: Burda-Vorstand Philipp Welte, Springer-Manager Christian Nienhaus und Funke-Geschäftsführer Manfred Braun (von li.)

An die neue Verhandlungsrunde hatte die Branche große Erwartungen gestellt. Ende vergangene Woche traf sich eine Allianz aus sechs Verlagshäusern mit dem Grosso-Verband, um über neue Strukturen beim Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften zu verhandeln. Doch der erhoffte Durchbruch ist offenbar nicht zustande gekommen. Es wird wohl weiter verhandelt.

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Monatelang hatte die Allianz aus den sechs Verlagen Axel Springer, Bauer, Burda, Funke, Klambt und Spiegel mit dem Grossoverband über neue Handelsverträge verhandelt, die ab März nächsten Jahres gelten sollen. Doch Mitte September kommt es zwischen den Gesprächspartnern zum Eklat. Überraschend bleiben die Medienhäuser der traditionellen Verbandstagung der Grossisten in Baden-Baden fern. Der Grund: die Gespräche hätten bis dato zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Was folgt, war Funkstille auf beiden Seiten. Wenige Tage nach der Grosso-Tagung jedoch gehen die Parteien wieder aufeinander zu. Sie vereinbaren einen neuen Verhandlungstermin: den 20. Oktober. An dieses neue Treffen Ende vergangener Woche stellte die Printbranche große Erwartungen. Sie hoffte, dass sich die Verlage und die Grossisten an diesem Tag einigen und zum Wochenanfang das Ergebnis ihrer Gespräche der Öffentlichkeit präsentieren.

Doch dem ist offenbar nicht so. Es sei noch kein Durchbruch erzielt worden, heißt es aus Kreisen der Medienhäuser. Die Verlags-Allianz will sich hierzu nicht äußern. Sie hat vereinbart, über den Stand der Gespräche Stillschweigen zu bewahren. Auch der Grossoverband hält sich bedeckt. „Wir können bestätigen, dass vergangene Woche ein weiteres Gespräch mit der Medienallianz stattgefunden hat. Über die Inhalte ist Vertraulichkeit vereinbart“, erklärt Kai-Christian Albrecht, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten e.V. gegenüber MEEDIA. Die Zurückhaltung ist verständlich: die Gespräche sind komplex. Denn die Verlage und die Lobbyvereinigung der Grossisten ringen nicht nur um Konditionen für neue Handelsverträge, die ab März nächsten Jahres gelten sollen. Vielmehr geht es den Printhäusern darum, das gesamte Grossosystem neu auszurichten. Dreh- und Angelpunkt ist, die Zahl der Grossisten deutlich zu senken. Die Rede ist auf 15 Unternehmen. Doch nicht nur die Anzahl der Unternehmen steht auf der Agenda. Auch der Fahrplan der angestrebten Konsolidierung ist Teil der Diskussion.

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Dies könnte allerdings der zentrale Knackpunkt sein, warum es noch zu keiner Einigung gekommen ist. Denn kurz vor dem neuen Verhandlungstermin hatte sich Funke-Geschäftsfrührer Manfred Braun zu den Disput zu Wort gemeldet. Er hatte die eigene Verlags-Phalanx auf dem VDZ Distribution Summit ermahnt, bei der geforderten Konsolidierung des Grossosystems mit Augenmaß vorzugehen. Braun verwies dabei auf die Situation der Vertriebsmärkte in den USA, England und Spanien. Hier hätten nach etlichen Konkursen wohl zu wenige und ausgeblutete Zwischenhändler einen Teil der dortigen Vertriebsmisere verursacht, hieß es. „Too big to fail – eine solche Fehlentwicklung dürfen wir hier nicht zulassen“, erklärte Braun laut Branchenblatt Horizont hierzu.

Auch beim Leistungsumfang und der Kostenbeteiligung der Verlage war der Funke-Manager überraschend auf das Grosso zugegangen: „Ein Verlag, der bestimmte Zusatzservices will, sollte dafür mehr bezahlen“, sagte der Geschäftsmann. Er hatte zudem die Verlags-Allianz aufgefordert, bei den Neueinführungen die Heftmengen besser zu planen als den Handel mit Exemplaren zu überfluten. Diese Äußerungen dürften vor allem den Grossisten in die Hände gespielt haben. Sie könnte Brauns Aussagen nutzen, um die Begehrlichkeiten der Verlage abzumildern – möglicherweise, indem die Verbandsspitze den Zeitraum für die geforderte Konsoldierung der Grosso-Branche weiter streckt. Fraglich ist nur, ob dies bei allen Unternehmen aus der Verlagsallianz auf große Gegenliebe stößt.

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