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„Betroffen und entsetzt“ – NDR weist „Echo Jazz“-Vorwürfe von Musikerin Anna-Lena Schnabel zurück

Musikerin Anna-Lena Schnabel erhob Vorwürfe gegen den NDR und die Veranstalter des „Echo Jazz“
Musikerin Anna-Lena Schnabel erhob Vorwürfe gegen den NDR und die Veranstalter des "Echo Jazz"

Am Wochenende sorgte ein 3sat-Film über die die Jazz-Saxofonistin Anna-Lena Schnabel für Aufsehen: Die hochbegabte Musikerin gewann den "Echo Jazz" 2017, erhob aber in der Dokumentation Vorwürfe gegen den Norddeutschen Rundfunk (NDR), der die Verleihung aufzeichnete und sendete. Angeblich sei es ihr als Preisträgerin "verboten" worden, eines ihrer eigenen Stücke auf der Bühne zu spielen. Der NDR widerspricht gegenüber MEEDIA den Anschuldigungen.

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Am Samstag veröffentliche Zeit Online den Text „Der Preis der Anna-Lena Schnabel: Was der NDR glaubt, nicht senden zu können“ über die entsprechende 3Sat-Dokumentation. Darin heißt es: „Schon zu Anfang der grandios geschnittenen Dokumentation erfährt der Zuschauer, was man zunächst kaum glauben mag: Dass die Preisträgerin bei der Preisverleihung keines ihrer eigenen Stücke spielen darf.“ Die Musikern berichtet in dem Film, dies habe der NDR so bestimmt. Die Musik sei nicht gefällig genug, da würden die Leute wegschalten. Sie habe „Peace“ spielen sollen, das einzige Stück auf ihrer Platte, das sie nicht selber geschrieben hat, so Schnabel.

In dem Zeit Online Text heißt es weiter: „Der Preis ist nicht dotiert; das Hotel muss sie vorstrecken, ihr kleines Label Enja soll ihr das Geld später erstatten, worüber dessen Chef Matthias Winckelmann recht erstaunt ist: Dass die Echo-Veranstalter nicht einmal die Übernachtung bezahlen!“ Außerdem habe Anna-Lena Schnabels Bruder, der sie zu der Preisverleihung begleitet hatte, sein Ticket selber zahlen müssen.

Sowohl die Dokumentation als auch der Zeit-Online-Text schlugen am Wochenende hohe Wellen: 20.000 Likes, Reactions, Shares, Kommentare und Retweets gab es für den Text auf Facebook und Twitter. „Der Preis der Anna-Lena Schnabel“ sahen auf 3Sat am Samstagabend nach 22 Uhr dann immerhin 140.000 Menschen. Genau so viele wie damals im Juni die Aufzeichnung der „Echo Jazz“-Verleihung nach Mitternacht im NDR Fernsehen.

Auf MEEDIA-Nachfrage äußert sich Thomas Schreiber, Leiter Programmbereich Fiktion und Unterhaltung des NDR, zu den Vorwürfen und erklärt das Prozedere der Stück-Auswahl: „Es gab insgesamt vier Titel, die von der Künstlerin beziehungsweise ihrem Tourneemanagement vorgeschlagen wurden. Die Redaktion hat gemeinsam mit der Produktionsfirma und dem Bundesverband einen der Vorschläge präferiert. Frau Schnabel hat dazu an die Producerin der Produktionsfirma geschrieben ‚Peace machen wir gerne‘

Für die Entscheidung, welches Stück schlussendlich ausgewählt worden ist, seien mehrere Seiten verantwortlich gewesen, so Schreiber: der Bundesverband Musikindustrie als Veranstalter der Verleihungsgala, die vom Bundesverband beauftragte Produktionsfirma, das Management von Frau Schnabel und der für die „Echo Jazz“-Übertragung verantwortliche Redakteur aus der NDR-Redaktion Show, Musik, Quiz.

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Der NDR-Unterhaltungschef betont: „Die finale Entscheidung haben seinerzeit alle Beteiligten mitgetragen – auch Frau Schnabel selbst.“ Die einzige Einschränken von Seiten der Veranstalter sei gewesen, dass es „selbstverständlich ein Stück von der prämierten CD sein“ musste. „Das haben die Beteiligten gemeinsam ausgewählt, über die Aufführungslänge haben sich die Beteiligten abgestimmt“, so Schreiber im Gespräch mit MEEDIA.

Der NDR sei „betroffen und entsetzt, dass Frau Schnabel die Auswahl in Wahrheit als problematisch empfunden und die Entscheidung gegen eines der anderen Stücke als ‚Verbot‘ bezeichnet hat. Im Vorfeld sei es offenbar „zu gravierenden Missverständnissen zwischen Frau Schnabel und der vom Bundesverband Musikindustrie beauftragten Produktionsfirma gekommen“, sagt Thomas Schreiber. Der NDR hatte zuvor Bild.de ein wortgleiches Zitat übermittelt.

Auf die Frage, ob die Preisträger für Hotel und Anreise und ihre jeweiligen Begleitungen ihre Tickets selber aufkommen mussten verwies Thomas Schreiber auf den zuständigen Veranstalter, den Bundesverband Musikindustrie. Für ein Statement dazu war der Bundesverband auf MEEDIA-Nachfrage bislang nicht zu erreichen.

Update: Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) hat mitgeteilt, dass Preisträger plus eine Begleitung beim Echo Jazz keinen Eintritt zahlen müssen. Sollten darüber hinaus weitere Tickets benötigt werden, können diese laut Verband zu einem vergünstigten Preis erworben werden. Was Anreise- und Hotelkosten betrifft, so zähle es zu den Grundsätzen der Veranstaltung, dass der BVMI die Kosten für die Veranstaltung trägt und die Labels sich um ihre Künstler/innen kümmern – und für diese auch die Kosten übernehmen.

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