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Und wieder ein Abgang an der Ericusspitze: Auch SEO-Chef Raphael Raue verlässt Spiegel Online

Mehrere Abgänge in wenigen Wochen: Auch SEO-Chef Raphael Raue verlässt Spiegel Online
Mehrere Abgänge in wenigen Wochen: Auch SEO-Chef Raphael Raue verlässt Spiegel Online

Nach einer Reihe von wichtigen Leistungsträgern der Redaktion verliert Spiegel Online nach MEEDIA-Infos eine weitere Führungskraft. Demnach wird Raphael Raue, SEO-Chef und Leiter Webanalyse, das reichweitenstarke Nachrichtenportal verlassen. Offiziell bestätigt ist die Personalie nicht. Die Fluktuation unter SpOn-Chefredakteurin Barbara Hans wirft derweil Fragen auf.

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Raues Kündigung ist intern bereits seit einigen Tagen bekannt, offiziell bestätigt wird sie auf Nachfrage von MEEDIA aber weder von ihm noch vom Spiegel Verlag (Update, 11.18 Uhr: Mittlerweile hat Raue die Personalie bestätigt).

Raue kam 2015 von der Rheinischen Post zum Spiegel Verlag und wurde dort zum Head of SEO ernannt, seit diesem Jahr trägt er zusätzlich den Titel Leiter Webanalyse. In seiner Funktion ist er markenübergreifend für Spiegel Online, dessen Jugendableger Bento und den Online-Auftritt des Manager Magazins tätig. Wohin es den Experten für Suchmaschinenoptimierung ziehen wird, ist noch nicht bekannt.

Spiegel Online: Mehrere Abgänge innerhalb weniger Wochen

Am gestrigen Donnerstag wurde der Weggang einer weiteren wichtigen Redakteurin bekannt. Nach etwa eineinhalb Jahren hat Audience-Development-Expertin Carline Mohr Spiegel Online  verlassen. Die neuen Kündigungen stehen in einer Reihe von Digital-Abgängen in den vergangenen Wochen. Erst am gestrigen Mittwoch wurde bekannt, dass der Verlag mit Timo Lokoschat einen von zwei Redaktionsleitern von Spiegel Daily verliert. Die digitale Abendzeitung ist erst vor fünf Monaten an den Start gegangen. Das ambitionierte Gemeinschaftsprojekt von Spiegel und Spiegel Online gilt als wichtiger Meilenstein in der Wachstumsstrategie der Geschäftsführung, die Rückgänge im Print-Segment mit digitalen Zusatzgeschäften zu kompensieren versucht.

Einige Tage zuvor vermeldete zudem das Handelsblatt, mit Annett Meiritz aus dem Hauptstadtbüro sowie CvD Carsten Volkery gleich zwei langjährige Journalisten von Spiegel Online verpflichtet zu haben. Daneben hat in jüngster Vergangenheit auch Fabian Reinbold das Nachrichtenportal verlassen. Er wechselte zu T-Online.de und folgte damit Ex-Spiegel-Online-Chefredakteur Florian Harms.

Die Gründe und Motive für die Abgänge dürften sich bei jedem der Journalisten im Detail unterscheiden. Gemeinsam haben sie allerdings, dass die Betroffenen alle Führungskräfte aus der zweiten Reihe (Raue, Mohr, Lokoschat) und/oder langjährige SpOn-Journalisten (Meiritz, Volkery, Reinbold) sind. Der Branchendienst Horizont konstatierte jüngst im Zusammenhang mit der Kündigung Lokoschats: „Für die Spiegel-Redaktion bedeutet dies nach zahlreichen Abgängen von Leistungsträgern aus der zweiten Reihe einen weiteren Brain-Drain – und speziell für das Projekt Spiegel Daily eine auch atmosphärisch schlechte Nachricht.“

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Journalisten aus dem Hause Spiegel und Spiegel Online sind natürlich gefragtes Personal, das Interesse an ihnen kann auch als Zeichen für die Qualität gesehen werden. Eine gewisse Fluktuation ist die Regel. Allerdings werden an einigen Stellen in der Redaktion von Spiegel Online bereits seit Längerem strukturelle und organisatorische Schwierigkeiten erkannt, die für Unmut sorgen. Sie stammen unter anderem noch aus der Zeit unter Ex-Chefredakteur Florian Harms, wurden von Nachfolgerin Barbara Hans (zuvor seine Stellvertreterin) bislang aber offenbar nicht beseitigt. Dabei beschreiben einzelne Mitarbeiter mittlerweile ein „gewisses Frust-Potential“, vor allem wenn es um die Umsetzung neuer Ideen und Maßnahmen geht. Es sind die typischen Nebenwirkungen großer und komplex aufgebauter (alter) Medienunternehmen. Andere Verlagshäuser stehen vor denselben Schwierigkeiten. Und gerade in Verlagen, deren Printprodukte einen überragenden Anteil am Gesamtumsatz haben, vollzieht sich der digitale Wandel oft eher schleppend – das gilt trotz aller Erfolge von SpOn für den Spiegel, ebenso aber sicher auch für Marken wie etwa die FAZ.

Konkurrenten Bild, Focus Online und T-Online auf dem Vormarsch

Doch während Wettbewerber wie der große Konkurrent Bild.de beispielsweise massiv den Ausbau ihrer Video-Aktivitäten vorantreiben oder Focus Online weiterhin radikal auf Geschwindigkeit setzt und sich nebenbei – in Kooperation mit mittlerweile zahlreichen kleineren und mittleren Lokalseiten – mit seiner Regional-Offensive neue Marktmacht erarbeitet, verfasst die SpOn-Chefredakteurin Aufsätze darüber, weshalb sich Medien Glaubwürdigkeitsproblemen ausgesetzt sehen und philosophiert über einen „Kulturwandel“. Der eigenen Mannschaft fehlt es derweil, so klagen Redakteure aus dem Haus, an klaren Visionen für das Nachrichtenportal. Auch außerhalb wird über die strategische Ausrichtung der Seite gerätselt, oft wird ein roter Faden in der Berichterstattung vermisst, von „Beliebigkeit“ im Produkt ist dann die Rede.

Auf die Reichweite mögen sich die Zustände vielleicht (noch) nicht ausgewirkt haben. Spiegel Online ist nach wie vor eine zuverlässige, im Inhalt seriöse Anlaufstelle für Informationen mit starker, vertrauenswürdiger Marke im Rücken. Das wurde zuletzt auch während der Bundestagswahl deutlich. Doch das Portal muss sich, das wissen auch seine Macher, wohl endlich bewegen, um nicht doch irgendwann den Anschluss zu verlieren. Zudem ist nicht zu unterschätzen: Parallel arbeitet Ströer mit Macht an der Neuausrichtung von T-Online.de. Damit gibt es einen weiteren Player im Segment der ernstzunehmenden Newsportale, dessen Reichweite schon jetzt deutlich höher ist.

*Update: 11.18 Uhr:
Nach Veröffentlichung dieses Artikels hat Raphael Raue seinen Weggang via Facebook bestätigt.

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Alle Kommentare

  1. Zitat: „Spiegel Online ist nach wie vor eine zuverlässige, im Inhalt seriöse Anlaufstelle für Informationen mit starker, vertrauenswürdiger Marke im Rücken.“

    Nun ja, leider ist diese pauschale Lonhudelei so seit längerer Zeit nicht angebracht.

  2. Mal was anderes:

    Die zu jedem Spiegel-Artikel immer und immer wiederkehrende Formulierung „Haus an der Ericusspitze“ wirkt keineswegs so wie vermutlich beabsichtigt, sondern einfach nur nervig.

    Vermutlich ist man bei Meedia ja stolz wie Oskar auf die hauseigene Wortschöpfung (woanders habe ich so einen Quark jedenfalls noch nicht gelesen) deshalb mal als Leser-Feedback:

    Es wirkt gekünstelt und einfach – na sagen wir mal so: allzu bemüht.

    Und nein, auch wenn ihr es noch so oft bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in euren Artikeln wiederholt: Es wird (außerhalb der eigenen Käseglocke) trotzdem nicht zum geflügelten Wort werden. 🙂

  3. 1) SEO: eine bewährte Journalistenregel besagt: Abkürzungen müssen mindestens einmal ausgeschrieben und erklärt sein.
    2) Frau Hans kann offenbar nicht nur nicht (gut) schreiben – siehe Text im journalist -, sondern auch nicht führen.
    3) Erstaunlich ist immer wieder, die in solchen Texten sanft eingeschleuste Bewunderung für die (unterstellte) Qualität des Spiegel und dessen Ableger – völlig fehl am Platze und zu unterlassen; die Gazette hat die einstige Klasse längst vergeigt.

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